Kirche

Pastorenmangel im Norden: Fast jeder Zweite geht in Rente

Der Hamburger Propst Karl- Heinrich Melzer

Der Hamburger Propst Karl- Heinrich Melzer

Foto: Ev.-Luth. Kirchenkreis Hamburg-West/Südholstein

Evangelische Kirche sucht Wege, ihre Aufgaben künftig mit deutlich weniger Personal zu erfüllen. Werbekampagne für Theologiestudium.

Hamburg.  Anfang März tagen die 156 Kirchenparlamentarier der evangelischen Nordkirche in Travemünde. Schwerpunktthema der Ersten Landessynode wird der erwartete Personalrückgang sein. Angesichts der demografischen Entwicklung rechnet die Nordkirche damit, dass von den heute rund 1700 Pastorinnen und Pastoren in der nächsten Dekade etwa 900 in den Ruhestand treten. Dagegen werden nur 300 Stellen neu besetzt.

Um ihre Aufgaben künftig auch mit weniger Pastoren erfüllen zu können, will die Landessynode einen umfassenden Maßnahmenkatalog beschließen. Ziel müsse ein einheitlicher Personalabbau sein, der ländliche Regionen nicht übermäßig benachteilige, sagte Propst Karl-Heinrich Melzer, Mitglied der Kirchenleitung, am Montag in Hamburg. Geplant ist unter anderem, dass alle Kirchenkreise und überregionalen Dienste ihre Pfarrstellenzahl bis 2030 gleichermaßen herunterfahren. Damit soll verhindert werden, dass attraktive Städte wie Hamburg, Kiel oder Rostock ihre Pfarrstellen besetzen, während ländliche Regionen wie die Westküste oder Vorpommern leer ausgehen.

Anstehende Pensionierungswelle

Hintergrund der Problematik ist die anstehende Pensionierungswelle der geburtenstarken Jahrgänge zwischen 1954 und 1964. Verschärfend kommt hinzu, dass die Landeskirchen aufgrund der Finanzkrise zwischen 2003 bis 2009 kaum neue Pastoren eingestellt hatten. Mit weniger Pfarrstellen werde sich die kirchliche Arbeit im Norden verändern, sagte Personal-Dezernent Ulrich Tetzlaff. Welche Auswirkungen dies konkret haben werde, könne derzeit aber nicht vorhergesagt werden. Mit der Kampagne www.die-nachfolger.de wirbt die Nordkirche angesichts des drohenden Pastorenmangels bei jungen Menschen für ein Theologiestudium.

Förderung der Mobilität

Mit einem Bündel von Einzelmaßnahmen sollen vor allem Pfarrstellen auf dem Land attraktiver werden, sagte Tetzlaff. Dies könne die Gestaltung der Pastorate, die Förderung der Mobilität, die Versorgung mit Krippenplätzen oder Arbeitsmöglichkeiten für den Ehepartner betreffen. Eine „Buschzulage“ solle es aber nicht geben. Erwogen werde auch, Menschen ohne Theologie-Examen nach einer Fortbildung als Pfarrverwalter einzusetzen, ergänzte Ahme. Als Zeichen der Wertschätzung soll der Campus Ratzeburg für die Aus- und Fortbildung für zwölf Millionen Euro saniert werden.

Weitere Themen der Landessynode vom 1. bis 3. März sind ein Präventionsgesetz zum sexuellem Missbrauch, ein Kirchengesetz zur Pastorenvertretung, der Bischofsbericht für Schleswig-Holstein und die Preisverleihung für ehrenamtliches Engagement.