Hamburg/Schwerin

Himmel, hilf – Der Kirche im Norden fehlt Personal

Priesterweihen werden immer seltener – es fehlt der Kirche an Nachwuchs

Priesterweihen werden immer seltener – es fehlt der Kirche an Nachwuchs

Foto: picture alliance / dpa

Bis zu 40 Prozent der Pastoren und Priester in Norddeutschland gehen bis 2030 in den Ruhestand.

Hamburg/Schwerin.  Die Kirchen in Norddeutschland stehen vor einer Pensionierungswelle. Im katholischen Erzbistum geht bis zum Jahr 2030 gut ein Drittel der Priester in den Ruhestand – und geeigneter Nachwuchs ist schwer zu finden. In der Evangelisch-Lutherischen Landeskirche Norddeutschlands sind es fast 40 Prozent der Pastorinnen und Pastoren, die ihren Dienst in den nächsten acht Jahren altersbedingt quittieren.

„Vom Jahr 2020 an kommt eine große Pensionierungswelle auf uns zu“, sagt Pastorin Christiane de Vos. Sie leitete das Projekt zur Förderung des pastoralen Nachwuchses in der Nordkirche und wechselt jetzt in die Zentrale der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) nach Hannover. In den kommenden zehn bis 15 Jahren werden 30 bis 40 Prozent der Pfarrer in den Landeskirchen in den Ruhestand gehen, heißt es aus dem Kirchenamt der EKD. Wie die Leiterin der Bildungs­abteilung im EKD-Kirchenamt, Birgit Sendler-Koschel, sagt, werden deshalb in den kommenden zehn Jahren „bundesweit Tausende neue Pfarrerinnen und Pfarrer benötigt“.

Berufsbild

Der Gipfel der Pensionierungswelle wird in der Nordkirche im Jahr 2023 mit 100 neuen Ruheständlern erreicht sein. Wie Pastor Stefan Döbler, Sprecher der Nordkirche, dem Abendblatt sagte, treten schon jetzt jährlich rund 30 Pastorinnen und Pastoren in den Ruhestand. Je nach Prognosemodell werde die Zahl auf rund 40 ansteigen. Grund für diesen Wandel sei vor allem die demografische Entwicklung. „Davon ist die ganze Gesellschaft betroffen. Geburtenstarke Jahrgänge treten in den Ruhestand, und geburtenschwache Jahrgänge folgen“, sagt Döbler.

Bei den Katholiken kommt dazu, dass das Zölibat für viele junge Leute ein Ausschlusskriterium bei der Berufswahl ist. Seit der Gründung des Erzbistums Hamburg im Jahr 1995 wurden 43 Männer zu Priestern geweiht. „Das sind durchschnittlich zwei Priesterweihen pro Jahr“, sagt Manfred Nielen, Sprecher des Erzbistums. Auch in Zukunft gehe die Personalplanung von dieser Größenordnung aus.

13 Priester mit ausländischen Wurzeln

Derzeit sind im Erzbistum Hamburg, das neben der Hansestadt auch Schleswig-Holstein und Mecklenburg umfasst, 144 Priester im aktiven Dienst. Sie sind für insgesamt rund 400.000 Katholiken zuständig. Um die pastorale Grundversorgung zu sichern, sind 13 Priester mit ausländischen Wurzeln im Einsatz. Doch darauf allein kann sich die Bistumsleitung nicht verlassen. Der Regens des Priesterseminars, Jürgen Wätjer, bietet am diesjährigen Pfingstwochenende „Tage der Begegnung“ an. Dort können Interessenten für diesen Beruf, der grundsätzlich eine Berufung ist, mit Priesterkandidaten ins Gespräch kommen. „Im Sommer geht darüber hinaus eine Homepage an den Start, die über den Priesterberuf und andere kirchliche Berufswege informiert“, sagt Wätjer.

Während die Berufsaussichten für evangelische Theologiestudenten vor 15 Jahren noch schlecht waren, gelten sie heute nach Angaben des Prediger- und Studienseminars in Preetz als „sehr gut“. Gegenwärtig werden jährlich 30 Pfarrstellen in der Nordkirche, die von Helgoland bis Usedom reicht, mit frischen Absolventen besetzt. „Die Nordkirche sucht fitten Nachwuchs“, sagt Nachwuchsförderin Christiane de Vos.

Was sie verdienen

Derzeit absolvieren 78 Vikarinnen und Vikare nach ihrem Theologiestudium die kirchliche Ausbildung in der Nordkirche. Damit bereiten sie sich auf das Zweite Theologische Examen und ihre Ordination vor. Danach sind sie mit kirchlichem Segen Pastor. Angesichts der Pensionierungswelle hat die Nordkirche ihre Kapazitäten für den Vorbereitungsdienst um ein Viertel erhöht – mit der Folge, dass jetzt bis zu 40 Vikare pro Jahr die Ausbildung abschließen können.

Zwar ist die Zahl der evangelischen Theologiestudierenden derzeit stabil. Aber viele junge Menschen wählen den Berufsweg eines Pastors deshalb nicht, weil er Residenzpflicht im Pfarrhaus verlangt und die Trennung von Privat- und Berufsleben kaum ermöglicht. Damit es weiterhin lebendige Gemeinden gibt, bietet die Nordkirche neuerdings die Möglichkeit an, das Vikariat auch berufsbegleitend zu absolvieren.

Zahlreiche Laienprediger

Außerdem sind inzwischen zahlreiche ausgebildete Laienprediger, sogenannte Prädikaten, im Einsatz. Auch die katholische Kirche setzt zunehmend auf ehrenamtliche Hilfe: Wo in den Bistümern Hildesheim und Osnabrück Priester fehlen, sollen Ehrenamtliche die Seelsorge koordinieren. Die Messe zelebrieren dürfen sie allerdings nicht.