Bilanz Vatertag

Randale, Lanzen-Angriff und ein Toter im Norden

An Himmelfahrt flossen bei manchen Vatertags-Gruppen große Mengen Alkohol

An Himmelfahrt flossen bei manchen Vatertags-Gruppen große Mengen Alkohol

Foto: Emmanuele Contini / dpa

Auf Amrum hat ein mit einer Lanze bewaffneter 21-Jähriger drei Polizisten verletzt. Zuvor bedrohte der Betrunkene eine junge Frau.

Hamburg/Kiel. Ein mit einer Lanze bewaffneter Betrunkener hat am Vatertag auf der Insel Amrum drei Polizisten bei einem Gerangel leicht verletzt. Eine Beamtin könne daher einige Tage nicht arbeiten, sagte eine Sprecherin der Polizei Flensburg am Freitag.

Bevor die Polizisten eintrafen, hatte der 21-Jährige eine 20 Jahre alte Frau mit der im Pferdesport benutzten Lanze bedroht - warum, war zunächst unklar. Die Frau alarmierte die Beamten. Die Polizei versuchte, dem Mann die Lanze abzunehmen - und setzte dabei Pfefferspray ein, weil er sich den Angaben zufolge heftig wehrte. Im Polizeiauto trat er eine Seitenscheibe kaputt. Gegen ihn laufen nun Ermittlungen.

Sehr intensiv hat offenbar auch ein 24-Jähriger den Vatertag in Braunschweig gefeiert, so dass er am späten Donnerstagabend noch die Polizei um Hilfe bitten musste. Nach einer Party am Heidbergsee war er stark alkoholisiert (1,78 Promille) irgendwie zu seiner Wohnung in der Innenstadt gelangt, teilte die Polizei in Braunschweig mit. Hier stellte er fest, dass er versehentlich die Socken und eine Jacke, mit Handy und Geldbörse, einer fremden Person angezogen hatte. Zudem bemerkte er, dass er nur Boxershorts trug und seine Hose mit Hausschlüssel und Portemonnaie fehlte.

Die Polizisten gewährtem dem jungen Mann Unterschlupf in der Wache, bis ihn seine Freundin abholte. Diese musste allerdings erst aus Bremen anreisen. Der Eigentümer der fremden Sachen (22) wurde informiert und konnte diese bei der Polizei in Empfang nehmen.

In Hedendorf im Landkreis Stade prallten betrunkene Fußballfans aufeinander

Die Polizei im Landkreis Stade berichtet am Montag von vielen aggressiven und betrunkenen Männern. An der Prahmfähre Gräpel montierten Unbekannte am sogenannten Vatertag Leitpfosten, Verkehrszeichen und Ortstafeln ab oder beschädigten sie. "Im Verlauf des Nachmittags erhöhte sich das Aggressionspotential, sodass mehrere Körperverletzungsdelikte zur Anzeige gebracht wurden", teilte die Polizei Stade mit.

In Hedendorf gerieten stark alkoholisierte Fußballspielbesucher aneinander. Auch am Lühe-Anleger wurde gegen Abend die Stimmung aggressiver und forderte polizeiliches Einschreiten. Auf Krautsand waren dagegen nur zwei Schlägereien zu verzeichnen.

Gegen 19.30 Uhr ereignete sich im Bereich Oldendorf auf der Kreisstraße 72 ein Verkehrsunfall. Eine 20 Jahre alte Fahranfängerin geriet aufgrund ihrer deutlichen Alkoholisierung mit fast 1,7 Promille Atemalkohol mit dem Pkw in den Gegenverkehr. Die junge Frau und drei Insassen aus dem entgegenkommenden Auto mussten ärztlich versorgt werden.

Im ganzen Landkreis erwischte die Polizei am Vatertag diverse Autofahrer, die betrunken unterwegs waren. Insgesamt waren im Landkreis Stade 50 Polizistinnen und Polizisten aus den verschiedenen Dienststellen, von der Bereitschaftspolizei aus Oldenburg und Polizeihundeführer der Polizeidirektion Lüneburg eingesetzt, um die Lage unter Kontrolle zu behalten.

Die Beamtinnen und Beamten mussten 17 Ermittlungsverfahren wegen Körperverletzung, Diebstahl, Beleidigung, Sachbeschädigung, Verstoßes gegen das Betäubungsmittelgesetz und Trunkenheit im Verkehr einleiten. Bei 69 Personen mussten die Identität festgestellt und gegen 16 Feierende Platzverweise ausgesprochen werden. Der Rettungsdienst und die Notärzte im Landkreis hatten 20 Einsätze aufgrund von gestürzten, alkoholisierten Radfahrern, betrunkenen und hilflosen Personen und Verletzungen nach Schlägereien.

Im Kieler Raum bescherten Himmfahrts-Auslfüge der Polizei viel Arbeit

Himmelfahrts-Ausflüge haben der Kieler Polizei am Donnerstag reichlich Arbeit beschert. „Während die meisten Väter den freien Himmelfahrtstag mit ihren Kindern verbrachten, nutzten zahlreiche angehende Familienoberhäupter diesen, um sich mit gleichgesinnten Männern intensiv über ihre zukünftigen Aufgaben als Vorbilder ihres potenziellen Nachwuchses auszutauschen“, erklärte Polizeisprecher Oliver Pohl am Freitag laut Mitteilung. In Kiel und Umgebung registrierten die Beamten insgesamt 102 Einsätze.

Im Bereich der Schönberger Straße in Kiel zündete eine Gruppe Betrunkener Silvesterböller. Im Stadtteil Gaarden schmiss eine Kleingruppe eine mobile Toilette um. Andere Jugendliche machten es sich mit ihrem Bollerwagen mitten auf einer Fahrbahn gemütlich. In Pohnsdorf (Kreis Plön) brachten 25 Betrunkene den Verkehr zeitweise zum Erliegen indem sie sich auf die Straße legten.

Auseinandersetzungen zwischen Feiernden gab es unter anderem im Kieler Schrevenpark, an der Seebrückenpromenade in Schönberg sowie auf dem Robinsonspielplatz in Preetz (beides Kreis Plön). Die Beamten registrierten Körperverletzungen, sie sprachen Platzverweise aus und nahmen auch Betrunkene in Gewahrsam.

Vier Männer gingen bei Bootsausflug über Bord - einer starb

Im niedersächsischen Landkreis Celle war die Polizei im Dauereinsatz um betrunkene Männer in Schach zu halten. Auf der Pfennigbrücke wurde Pyrotechnik gezündet und Beamte wurden aus der Menge heraus mit Flaschen beworfen. Fünf Personen wurden zur Verhinderung von Straftaten festgenommen, teilte die Polizei in Celle mit.

Ein Bootsausflug auf dem Schweriner Außensee am Vatertag endete für einen 69-jährigen Mann tödlich. Der mutmaßliche Bootsführer sei am Donnerstag mit vier weiteren Insassen aus noch ungeklärter Ursache über Bord gegangen. Dabei habe er sich so schwer verletzt, dass er kurze Zeit später in der Klinik starb, teilte eine Polizeisprecherin am Freitag mit. Zwei weitere Insassen kamen mit leichten Verletzungen davon. Die Behörden waren kurz nach 14 Uhr alarmiert worden. Ein Boot der Wasserschutzpolizei in Wismar sei bei der Bergung der Unglücksopfer vor Bad Kleinen im Einsatz gewesen. Die Ermittlungen zum Hergang des folgenschweren Unfalls habe die Staatsanwaltschaft Schwerin übernommen, hieß es.

Am Himmelfahrtstag ist es im gesamten Hamburger Stadtgebiet zu wiederholten Streitigkeiten zwischen Männergruppen gekommen, die am Vatertag mit Alkohol und Bollerwagen umherzogen. „Es ist leider der normale Wahnsinn, vereinzelt haben wir auch Prügeleien mit Verletzten zu verzeichnen“, sagte ein Polizeisprecher am frühen Donnerstagabend.

Am Overwerder Hauptdeich in Kirchwerder gerieten beispielsweise zwei Vatertagsgruppen mit jeweils drei Männern tätlich aneinander, zwei Beteiligte zogen sich dabei Platzwunden zu. Im Bereich des Stadtparks musste die Polizei am Nachmittag wiederholt ausrücken, um gewalttätige Streitigkeiten zu unterbinden. (crh/HA/dpa)