Flüchtlingsheim

Brandschlag in Escheburg - „Bitter und verabscheuungswürdig“

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Ein Brandanschlag auf eine Flüchtlingsunterkunft in Escheburg sorgt in Schleswig-Holstein für Entsetzen. Der Bürgermeister berichtete von Protesten aus der Nachbarschaft vor dem geplanten Einzug.

Escheburg/Kiel. Führende Politiker haben den Brandanschlag auf eine noch unbewohnte Asylbewerberunterkunft in Escheburg (Kreis Herzogtum Lauenburg) scharf verurteilt. An die Täter gerichtet sagte Ministerpräsident Torsten Albig (SPD) am Dienstag: „Wir werden euch jagen, wir werden euch kriegen, wir werden euch verurteilen. Ihr macht uns keine Angst.“ Das Land dürfe sich von Rassisten und Menschen mit mörderischer Gesinnung nicht vorgeben lassen, wie human es ist. „Und Schleswig-Holstein ist human, die allermeisten Menschen möchten schützen, möchten helfen.“

Ein Brandsatz hatte am Montagmittag in dem leerstehenden Doppelhaus ein Feuer ausgelöst. „Wir gehen von einem fremdenfeindlichen Hintergrund aus“, sagte der für politische und Staatsschutzdelikte zuständige Sprecher der Staatsanwaltschaft Lübeck, Ralf-Peter Anders, am Dienstag.

Es sei allgemein bekannt gewesen, dass am Dienstag Flüchtlinge in das Haus ziehen sollten. In das Gebäude wurde nach seinen Angaben ein Kanister mit brennbarer Flüssigkeit geworfen. Konkrete Erkenntnisse zu den Tätern lägen derzeit nicht vor. „Die Ermittlungen laufen auf Hochtouren.“

In dem Haus sollten sechs Iraker unterkommen. Der Bürgermeister von Escheburg, Rainer Bork, und die Verwaltungschefin des Amtes, Brigitte Mirow, berichteten von erheblichen Protesten aus der Nachbarschaft vor dem Einzug. Zunächst sei geplant gewesen, Familien – insgesamt bis zu zwölf Menschen – in dem kürzlich angekauften Doppelhaus in einer Einfamilienhaussiedlung unterzubringen. Vor einer Woche sei dann klargeworden, dass sechs Männer in eine Hälfte des Hauses einziehen sollten.

Beschwerden von Nachbarn

Bereits vor einigen Tagen hätten sich Nachbarn beschwert, als sie über die Asylbewerber informiert wurden, sagte Bürgermeister Bork und sprach von Ängsten und Aversionen. Am Montag seien dann 15 Anwohner in ihr Büro gestürmt, berichtete Mirow. „Sie waren aufgebracht, ängstlich und verunsichert.“

Die Vorsteherin des Amtes Hohe Elbgeest, Martina Falkenberg, hält daran fest, in der Siedlung Asylbewerber und Flüchtlinge unterzubringen. Voraussichtlich am 23. Februar solle es eine Einwohnerversammlung in Escheburg geben, kündigte Bork an. In dem Ort mit rund 3500 Einwohnern wohnen derzeit in dezentralen Unterkünften drei Asylbewerber, im Gebiet des Amtes 112.

Die sechs Iraker werden jetzt vorläufig in Gudow in der Gemeinschaftsunterkunft des Kreises Herzogtum Lauenburg untergebracht, wie Kreissprecher Karsten Steffen in Ratzeburg sagte.

Albig betonte, das Gebäude in Escheburg sei gerade erst hergerichtet worden. „Das ist wirklich bitter und verabscheuungswürdig.“ Auch Innenminister Stefan Studt (SPD) und die Verantwortlichen in Escheburg verurteilten den Anschlag. „Wer Flüchtlingsunterkünfte angreift, offenbart seine menschenverachtende Grundeinstellung“, sagte Studt. Es dürfe keinen Unterschied zwischen Gewalt gegen Sachen und Gewalt gegen Menschen geben. Studt dankte der Freiwilligen Feuerwehr für ihren schnellen und professionellen Einsatz, der größeren Sachschaden verhindert habe.

„Sie sind uns willkommen“

Die Tat erinnert an die Rauchpatronen-Attacke auf eine Flüchtlingsunterkunft in Grabau bei Bad Oldesloe Anfang Januar. Die Hintergründe dafür sind nach wie vor unklar. Es gebe bislang keine Erkenntnisse zu Tätern oder Motiven, sagte Studt am Dienstag. Am Abend des 2. Januar hatten Unbekannte eine Rauchpatrone in das Treppenhaus der Flüchtlingsunterkunft geworfen. Die sechs Bewohner mussten das Haus verlassen.

Der Flüchtlingsrat Schleswig-Holstein begrüßte Albigs Stellungnahme. Dass der Regierungschef den Tätern die kompromisslose Strafverfolgung und die Verurteilung durch die Justiz anzeige, sei ein klares Wort zur rechten Zeit, sagte der Geschäftsführer beim Flüchtlingsrat Schleswig-Holstein, Martin Link.

Der Innenminister appellierte an die Bevölkerung, gegenüber Flüchtlingen ein Zeichen des Willkommens und der Hilfe zu setzen. „Jetzt erst recht – so muss die Devise lauten“, sagte Studt. Schleswig-Holstein bleibe ein Land der guten Nachbarn.

Die flüchtlingspolitische Sprecherin der CDU-Landtagsfraktion, Astrid Damerow, verurteilte den Brandanschlag ebenfalls. „Es gibt keinen Platz für Fremdenhass in unserer Gesellschaft. Gerade Menschen, die vor Krieg und Terror fliehen und zu uns kommen, haben unseren besonderen Schutz verdient. Sie sind uns willkommen.“