Herzogtum Lauenburg

Unbekannte verüben Brandanschlag auf Asylunterkunft

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Timo Jann

Diesen Dienstag sollten Asylbewerber aus dem Irak in ein Holzhaus in Escheburg (Kreis Herzogtum Lauenburg) einziehen. Doch Unbekannte warfen am Montag einen Brandsatz auf das Gebäude. Zeugen gesucht.

Escheburg. Unbekannte haben am Montag gegen 13.15 Uhr einen Brandsatz in ein Holzhaus in Escheburg (Kreis Herzogtum Lauenburg) geworfen, in das heute Asylbewerber aus dem Irak einziehen sollten. Die Feuerwehr brachte den Brand schnell unter Kontrolle, jetzt ermittelt die Polizei.

Nach ersten Erkenntnissen wurde ein mit brennenden Lappen präparierter Kanister mit Verdünnung zum Pinselreinigen durch eine Fensterscheibe ins Erdgeschoss des Holzhauses geworfen. Der Holzfußboden, Wandvertäfelungen und Möbel gerieten daraufhin in Brand. „Wir waren zum Glück schnell am Einsatzort und konnten Schlimmeres verhindern“, sagte Escheburgs Wehrführer Ingo Arndt. „Das hätte hier auch ganz anders ausgehen können.“

Den Kanister und die Stofffetzen stellten Polizisten sicher, die am Tatort Spuren sicherten. Erinnerungen an den Brandanschlag von Mölln, bei dem im November 1992 drei Menschen durch von zwei Rechtsradikalen verursachte Brandstiftungen starben, wurden wach. „Wir haben hier im Dorf zwar schon längere Zeit Diskussionen über die Unterbringung von Asylbewerbern, aber dass das Thema so eskaliert, hätte ich nicht für möglich gehalten“, erklärte Bürgermeister Rainer Bork. Das Amt hatte das Holzhaus unweit der Schule und des Golfplatzes gerade erst für mehr als 300.000 Euro gekauft, um dort Asylsuchende unterzubringen.

„Ich bin betroffen über diese abscheuliche Tat“, sagte Amtsvorsteherin Martina Falkenberg. Erst am Montagmorgen hatten Escheburger die Amtsverwaltung besucht und ihren Unmut über das Vorhaben in ihrer Nachbarschaft vorgetragen. Sie fühlen sich zu schlecht informiert. Bork: „Was sollten wir denn machen, wir haben ja kaum einen Vorlauf, um die Asylsuchenden, die dem Amt zugewiesen werden, irgendwie unterzubringen.“

Eine Anwohnerin aus der gepflegten Siedlung beobachtete den Einsatz und war schockiert, als sie von dem Vorfall hörte. „Das ist eine abscheuliche Tat, wer macht denn so etwas“, sagte die 46-Jährige. Diese Frage stellen sich jetzt auch die Ermittler, zumal der Brandsatz am helllichten Tag geworfen wurde. Sie hoffen auf Hinweise von Zeugen unter der Telefonnummer 04152/800 30.

3400 Menschen leben in Escheburg, das wegen seiner Nähe und guten Anbindung an Hamburg als Wohnort sehr beliebt ist. „So, wie es jetzt hier wirkt, kenne ich Escheburg nicht“, sagte der Bürgermeister, der sofort zur Brandstelle geeilt war. Weder im Gemeinderat noch bei einer Einwohnerversammlung hätte es Widerstand gegen die Unterbringung von Asylbewerbern gegeben. Erst vor wenigen Tagen hätten sich Anwohner formiert.

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