Linke und rechte Szene

Staatsschutz ermittelt nach Vorfall in Rostock

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Einer gewaltsame Auseinandersetzung zwischen Anhängern der rechten und linken Szene alamiert den Staatsschutz in der Hansestadt.

Rostock. Im beginnenden Landtagswahlkampf ist es in Rostock offenbar zu einer ersten gewaltsamen Auseinandersetzung zwischen Anhängern der rechten und linken Szene gekommen. Der Konflikt am Montagabend war von der Polizei zunächst als Schlägerei mit drei Leichtverletzten dargestellt worden. Eine Sprecherin der Initiative „Wake Up Stand Up! Keine Stimme den Nazis in MV“ sprach am Dienstag von einem Angriff auf eine Gruppe Jugendlicher, die Flugblätter gegen die NPD verteilten. Drei „bekannte Neonazis“ hätten die Kampagne-Mitglieder im Stadtteil Toitenwinkel angegriffen. Sie seien vermummt und mit Reizgas-Sprühdosen ausgerüstet gewesen.

Die Polizei hat nach eigenen Angaben Ermittlungen wegen schweren Landfriedensbruchs aufgenommen, der Staatsschutz sei einbezogen. Die bisherigen Ermittlungen hätten aber „ein sehr widersprüchliches Bild zum Tatablauf“ ergeben, sagte Polizeisprecher Volker Werner. Es sei noch nicht klar, wer Angreifer und wer Angegriffener war.

Eine Anwohnerin habe die Polizei am frühen Montagabend alarmiert, weil sie vor ihrem Haus einen jungen Mann mit einer Kopfverletzung bemerkt hatte. Die Beamten seien dann auf die drei Männer im Alter von 21, 24 und 29 Jahren gestoßen, die angaben, von einer etwa 30 Personen starken Gruppe angegriffen worden zu sein. Ihre Verletzungen seien vermutlich durch Steinwürfe und Schläge verursacht und vor Ort ambulant behandelt worden.

Laut Werner waren die drei Männer, die auch von der Polizei dem rechten Spektrum zugeordnet werden, der Aufforderung, ihre Aussagen am Dienstag im Polizeirevier zu Protokoll zu geben, nicht gefolgt. Die Polizei sucht nun nach Zeugen, die zur Aufklärung der Vorgänge beitragen können.

Nach Angaben der Anti-NPD-Kampagne waren am Montagabend etwa 70 Menschen im Stadtteil Toitenwinkel unterwegs, um Flugblätter und Aufkleber gegen Rechtsextremismus zu verteilen. Dabei seien sie nach eigener Darstellung „plötzlich und überraschend von bekannten Neonazis und Aktivisten aus dem NPD-Milieu angegriffen“ worden. „Die drei Rechten liefen vermummt auf die Menge zu und besprühten sie mit Reizgas. Anschließend flohen sie, und auch die Angegriffenen entfernten sich gemeinsam aus dem Stadtteil“, heißt es in der Mitteilung der Kampagne. Die „Angreifer“ seien von früheren NPD-Aktionen in Mecklenburg-Vorpommern bekannt.

Die Kampagne „Wake Up Stand Up! Keine Stimme den Nazis in MV“ ist nach eigenen Angaben ein loser Zusammenschluss von Vereinen, Projekten und Clubs. Mit Aktionen und Informationsmaterial wollen sich die Aktivisten „bis zu den Landtags- und den Kreistagswahlen am 4. September dem Wahlkampf der NPD entgegenstellen“, hieß es. (dpa/abendblatt.de)