Mecklenburg-Vorpommern

Wind, Mais und Gülle: Alternativen zum Öl

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Mit Wind, Sonne und Biogas will die SPD den Nordosten unabhängig vom Erdöl machen. Das Bioenergiedorf Neuhof gilt als Vorbild.

Neuhof. Eine frische Brise weht am Mittwoch in Neuhof am Schaalsee (Kreis Ludwigslust) Mecklenburg-Vorpommerns Ministerpräsident Erwin Sellering (SPD) um die Ohren, als er sich im ersten Bioenergiedorf eines deutschen Biosphärenreservates umsieht. Mit Wind, Sonne und Biogas wollen die Sozialdemokraten den Nordosten unabhängig vom Erdöl machen. Auch angesichts der Konflikte in Libyen plädierte Sellering für eine weitgehende Nutzung erneuerbarer Energien. „Wir brauchen Offshore-Windkraftanlagen für die Mengen und zugleich dezentrale Kleinanlagen“, sagte der Regierungschef.

Stromnetze und Speicher müssten ausgebaut werden, um künftig nicht nur den eigenen Bedarf decken, sondern Energie auch exportieren zu können. Nach dem neuen energiepolitischen Leitbild der SPD-Landtagsfraktion soll Mecklenburg-Vorpommern ab 2020 seinen kompletten Strombedarf und bis zur Hälfte seines Wärmebedarfs aus erneuerbaren Energien gewinnen. Auch Technologien für die Nutzung von Energie aus Wind, Sonne und Biomasse sollten in Mecklenburg-Vorpommern hergestellt werden, so Sellering. „Das ist ein sehr arbeitsintensiver Bereich“, sagte er. Die Zahl der Arbeitsplätze könnte in der Branche von derzeit 6000 in zehn Jahren auf mehr als 20.000 wachsen.

Das Bioenergiedorf Neuhof expandiert. Seit zwei Jahren produziert es mit einer Biogasanlage aus Mais, Rüben, Gras, Mist und Gülle der umliegenden Bauernhöfe sauberen Strom, während die Abwärme kostengünstig 50 der 80 Häuser im Dorf heizt. Ende 2010 schloss sich das benachbarte Neuenkirchen über eine Biogasleitung für die eigene Strom- und Wärmeproduktion an, 2011 soll Bantin als weitere Satelliten-Siedlung ans Bionetz gekoppelt werden, erklärte Investor Bernhard Leclaire, Chef der Bioenergie Neuhof GmbH. Bislang wurden 11,4 Millionen Kilowattstunden Strom erzeugt, dazu 3,3 Millionen Kilowattstunden Wärme und insgesamt mehr als 8000 Tonnen Kohlendioxid eingespart.

Laut einer Prognose des Fachverbandes Biogas in Freising bei München werden bundesweit 2011 rund 6800 Biogasanlagen mit einer elektrischen Leistung von 2500 Megawatt installiert sein und 17 Millionen Megawattstunden (MWh) Strom für knapp 5 Millionen Haushalte produzieren.

„Das ist ne dolle Sache hier“, meinte Sellering zu der Neuhofer Biowärmenutzerin Irma Gammelin. Ja, sie sei zufrieden, gab sie zurück. Die Stube sei warm, das Duschwasser heiß, der Preis stabil und stinken würden die Gärbehälter der Biogasanlage auch nicht, sagt die Anwohnerin. „Und“, fügte der Regierungschef hinzu, „man ist nicht so abhängig, egal was mit dem Öl passiert, und auch, wenn der Gaddafi weiter Theater macht.“ (dpa)