Mecklenburg-Vorpommern

Alternative Energien: Zukunftsthema der Parteien

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Mit Wind, Sonne und Biogas will die SPD den Nordosten Deutschlands zum Energieexporteur machen. Die CDU will dem nicht nachstehen.

Neuhof. Mit dem weiteren Ausbau der alternativen Stromerzeugung will Mecklenburg-Vorpommern in wenigen Jahren zum Energieexporteur werden und auch die eigene Wirtschaftskraft stärken. Die umfangreichere Nutzung von Wind, Sonne und Biomasse trage zur Schaffung zukunftssicherer Arbeitsplätze im Land bei, betonte Ministerpräsident Erwin Sellering (SPD) am Mittwoch in Schwerin bei der Vorstellung des SPD-Leitbildes für eine neue Energiepolitik. „Erneuerbare Energien passen zu unserem Land. Das Thema ist Chefsache.“ Koalitionspartner CDU, von der SPD bislang eher als Bremser bei der Öko-Energie wahrgenommen, misst dem Thema inzwischen auch größere Aufmerksamkeit bei. Wirtschaftsminister Jürgen Seidel (CDU) hob am gleichen Tag in Rostock die Bedeutung der Windenergiebranche für den Arbeitsmarkt des Landes hervor. Einer in Rostock vorgestellten Studie zufolge hat Mecklenburg-Vorpommern noch große Potenziale bei der Windenergie-Nutzung – insbesondere im Offshore-Bereich auf See.

Laut Sellering sind landesweit derzeit rund 6000 Menschen in der Alternativenergie-Branche beschäftigt. In den kommenden zehn Jahren könne sich die Zahl dieser Arbeitsplätze auf 20.000 erhöhen. Potenzial biete insbesondere der Anlagenbau, mit dem Windanlagenbauer Nordex in Rostock und der Eisengießerei Torgelow verfüge das Land bereits über zwei Schwergewichte. „Wir müssen dafür sorgen, dass die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen stimmen und unsere Förder- und Forschungspolitik mehr auf die erneuerbaren Energien ausrichten. Deshalb will ich, dass künftig nur noch ein Ministerium für das Thema zuständig ist“, machte Sellering seine Ansprüche über die im September zu Ende gehende Wahlperiode hinaus deutlich.

Doch nicht nur mit Großprojekten will die SPD die Ökoenergie voranbringen. „Auch in der dezentralen Energiegewinnung liegen große Chancen. Für die ländlichen Regionen ergeben sich mit der Errichtung von Biogasanlagen neue Einnahmemöglichkeiten, für die Bevölkerung dort niedrigere Strom- und Wärmepreise“, erklärte Sellering. Die bisherige Erfahrung mit Bioenergie-Dörfern zeige, dass solche Projekte gut angenommen werden. „Und es schafft Gemeinsamkeit.“ Der Chef der SPD-Landtagsfraktion, Norbert Nieszery, kündigte Hilfe für finanzschwache Kommunen bei der Energieumstellung an. Sellering hob zudem hervor, dass bei den Planungen für neue Biogasanlagen oder neue Windparks die Bürger frühzeitig einbezogen werden müssten. Der Bund sei in der Pflicht, die Leitungsnetze so auszubauen, dass der im Norden erzeugte Öko-Strom zuverlässig zu den Abnehmern im Süden und Westen transportiert werden kann. „Das ist eine Riesenaufgabe.“

Auch für den Bau weiterer Windparks vor den deutschen Nord- und Ostseeküsten sei der Abtransport des Stroms von entscheidender Bedeutung. Bis 2020 sollen dort für 30 Milliarden Euro Windräder mit einer Gesamtleistung von zehn Gigawatt errichtet werden. Mecklenburg-Vorpommern hat der in Rostock vorgelegten Studie zufolge beste Chancen, am hart umkämpften Markt für den Bau solcher Offshore-Windparks mit der internationalen Konkurrenz mithalten zu können. „Wettbewerbsvorteile gegenüber Mitbewerbern sind die bereits vorhandenen Strukturen bei Zulieferern, niedrige Grundstückspreise und Hafengebühren sowie vergleichsweise geringe Lohnkosten“, heißt es in dem Papier. Mit der Ansiedlung von Unternehmen könne erreicht werden, dass die Wertschöpfung von der Planung bis zur Herstellung von Teilen der Windparks im Land bleibe, erklärte Seidel.

Bündnis 90/Die Grünen begrüßten das wachsende Engagement der SPD im Bereich der erneuerbaren Energien und forderte konkrete Schritte. „Warme Worte auf Veranstaltungen und in Wahlprogrammen bringen unser Land aber noch nicht weiter“, erklärte Landesparteichef Jürgen Suhr. „Ein Kreditfonds für Landwirte, um Investitionen in erneuerbare Energien zu erleichtern, wäre beispielsweise eine sinnvolle Nachricht aus dem Landwirtschaftsministerium.“ (dpa)