Trotz Missbrauchsvorwurfs

Pastor Dieter K. soll weiter mit Kindern gearbeitet haben

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Der Ahrensburger Pastor wird beschuldigt, Ende der 80er-Jahre mehfach Jugendliche sexuell missbraucht zu haben. Streit bahnt sich an.

Schon wieder gibt es neue Vorwürfe gegen den Ahrensburger Pastor , der Ende der 80er Jahre zahlreiche Jugendliche sexuell missbraucht haben soll. Das Nachrichtenmagazin "Der Spiegel“ berichtet, der Pastor solle auch nach seiner Versetzung weiter mit Jugendlichen gearbeitet haben. Dieter K. soll danach an einer Schule und in der Jugendstrafanstalt Schleswig tätig gewesen sein, ohne dass die jeweiligen Dienststellen von den Vorwürfen des sexuellen Missbrauchs gewusst haben sollen. Die Nordelbische Kirchenleitung hat inzwischen Aufklärung der Vorwürfe zugesagt. Von Dieter K. gibt es weiter keine Reaktionen. 1999 war der beschuldigte Pastor aus der Ahrensburger Gemeinde herausgenommen worden. Der Gemeinde wurden jedoch die wahren Gründe verschwiegen. Bislang hieß es, er sei auf eine übergemeindliche Pfarrstelle für ein Konzept der Strafgefangenen-Seelsorge versetzt worden. Nach „Spiegel“-Informationen arbeitete er jedoch bis Ende 2000 als normaler Gefängnisseelsorger in der Jugendanstalt Schleswig. Gleichzeitig blieb er Religionslehrer an einem Gymnasium, ohne dass die Schulleitung von der Kirche über die Verdachtsfälle informiert wurde. Eine skandalöse Verfahrensweise.

Mittlerweile bahnt sich ein Streit zwischen der damaligen Ahrensburger Pröpstin Heide Emse und Bischöfin Maria Jepsen an. Emse hat laut „Spiegel“ behauptet, sie habe die Bischöfin schon frühzeitig in der Pause eines Konvents mündlich über den Fall informiert. Jepsen hatte dagegen erklärt, sie habe erst in diesem Jahr davon erfahren, dass es in Ahrensburg Fälle von sexuellem Missbrauch gegeben haben soll. An ein Gespräch mit Emse zum sexuellen Missbrauch durch Pastor K. könne sie sich nicht erinnern. Die Kirchenleitung hat sich am Sonnabend an die Seite von Jepsen gestellt. Die inzwischen pensionierte Emse war 2000 Bischofskandidatin in Lübeck und später Dezernentin für Medien und Theologie im Nordelbischen Kirchenamt.

Darüber hinaus soll auch die Schwester eines Opfers 1999 die Bischöfin bei einem Kongress in Lübeck persönlich angesprochen und auf den sexuellen Missbrauch hingewiesen haben. Aus dem Protokoll einer Besprechung des Bischofskollegiums mit dem Personaldezernat des Kirchenamts am 1. November 1999 geht hervor, dass Jepsen zumindest von Vorwürfen gegen K. gewusst haben muss. Dort hieß es: „Frau Bischöfin Jepsen fragt an, ob Herr Pastor K. möglicherweise intime Verhältnisse mit jüngeren Frauen hatte. Den Anwesenden ist darüber nicht Näheres bekannt.“

Es müsse untersucht werden, ob die handelnden Amtsträger seinerzeit falsch gehandelt hätten, heißt es in einer Erklärung der Kirchenleitung am Sonnabend. Im Vordergrund der Untersuchung stünden die Rechte und die Würde der Opfer. Sexueller Missbrauch sei ein großes Unrecht mit schwerwiegenden Folgen für die Opfer. „Wir als Kirche wollen nicht dulden, dass Missbrauch unausgesprochen und ungesühnt bleibt.“