Wohnen

In einem Hamburger Palais entstehen vornehme Alters-WGs

Das 1892 erbaute Gebäude in der Schlüterstraße/Moorweidenstraße 26 wird unter Denkmalschutzauflagen aufwendig saniert.

Foto: Ulrike Spieker Immobilien

Das 1892 erbaute Gebäude in der Schlüterstraße/Moorweidenstraße 26 wird unter Denkmalschutzauflagen aufwendig saniert.

„Alters-WGs“ sind schwer im Kommen. Das Moorweidenpalais in Hamburg bietet viel Potential – allerdings nur für Mitbewohner mit Geld.

Hamburg.  Haben Sie sich auch schon mal bei dem Gedanken erwischt, ähnlich wie Henning Scherf wohnen zu wollen? Bremens früherer Bürgermeister lebt bekanntlich mit Freunden und Frau in einer Art „Alters-WG“ – alle unter einem Dach und doch hat jeder seine eigenen Räumlichkeiten. Das wäre doch eine Alternative zum Altenheim, oder?

Doch dafür braucht es die richtige Immobilie. Das Moorweidenpalais, fußläufig entfernt von Alster und Uni, scheint dafür perfekt zu sein. Findet jedenfalls Ulrike Denkner, Inhaberin des Maklerunternehmens Ulrike Spieker Immobilien, das mit dem Vertrieb der 16 Eigentumswohnungen und zwei Gewerbeeinheiten an der Moorweidenstraße/Ecke Schlüter­straße beauftragt ist.

Früher war hier auch das Dammtor-Hotel beheimatet. Nach der Sanierung des 1892 erbauten Gebäudes in enger Abstimmung mit dem Denkmalschutz und der Aufstockung mit zwei Neubauetagen soll es zur neuen Top-Adresse werden – und vielleicht zur Heimat besagter Senioren-WG.

Auch Generationenwohnen wäre denkbar

Ulrike Denkner schätzt allerdings mehr die Umschreibung „Lebensform für die vierte Lebensphase“. Dabei kann sie sich selbst durchaus auch „eine Art Generationenwohnen“ vorstellen.

Die Einheit, die sie dafür auserkoren hat, scheint tatsächlich gut geeignet zu sein: Sie bietet auf 304 Quadratmetern drei in sich abgeschlossene Einheiten, zwei davon mit jeweils zwei Zimmern plus Bad, die andere Einheit mit einem Zimmer und eigenem Balkon. „Und gemeinsam steht allen Bewohnern die große Wohnküche, das Wohnzimmer mit Terrasse und Bibliothek sowie ein Gästebad zur Verfügung“, ergänzt die Maklerin.

Es gibt jedoch einen Haken: Man sollte über das notwendige Budget verfügen, denn die Wohnungen werden zwischen 8000 und 12.000 Euro pro Quadratmeter angeboten. Nicht grundlos heißt es „Moorweidenpalais“!

Das verspricht hochherrschaftliches Wohnen und wird auch geboten, zumindest in den elf Wohnungen, die nach der Sanierung mit restauriertem Stuck an Decken und Wänden und sorgsam aufgearbeitetem Parkett in vier Meter hohen Räumen aufwarten.

Käufer können steuerliche Vorteile nutzen

Kann es da trösten, dass zumindest keine Courtage für die Käufer anfällt? Ulrike Denkner ist zuversichtlich, außerdem verweist sie auf die steuerlichen Vorteile, die sich beim Kauf einer denkmalgeschützten Immobilie ergeben.

„Das ist auch der Grund, weshalb schon jetzt mit dem Vertrieb der 80 bis 319 Quadratmeter großen Wohnungen begonnen wird. Käufer sollen die Vorteile voll ausschöpfen können.“

Dass bei diesem Projekt alles getan wird, um dem alten Haus wieder zu alter Pracht zu verhelfen, zeigt die Begehung mit Projektleiter Philipp Heun von der LV Baumanagement AG. „Angefangen vom Keller bis hoch zum Dach wird alles zunächst freigelegt, um es möglichst originalgetreu wieder aufzubauen“, erläutert der Architekt.

„Sehen Sie diese schönen alten Fenster und Schiebetüren?“, fragt er, als wir eine der Altbauwohnungen betreten. „Die werden ebenso wie das Parkett am Boden oder die Holzkassetten unterhalb der Fenster wieder aufgearbeitet, und zwar alles Stück für Stück in Handarbeit.“

Eine Musterwohnung zeigt die ganze Pracht

Tatsächlich sieht man überall dick in Plastikfolie gehüllte Bauteile, versehen mit Nummern, sodass jedes Stück wieder in dem Raum zum Einsatz kommt, wo es hingehört.

Später in der Sieben-Zimmer-Musterwohnung werde ich die ganze Pracht der Kaiserzeit zu sehen bekommen. Einen Vorgeschmack geben dabei die wundervoll erhaltenen Fliesenmalereien im Treppenhaus. „Diese Schönheit zieht sich durch das gesamte Gebäude“, schwärmt Ulrike Denkner.

Trotzdem – vieles muss noch „ertüchtigt“ werden. Ein Fachbegriff, der bei der Begehung immer wieder fällt und der die baulich-technische Wiederherstellung meint. Heun spricht von „hohem Sanierungsstau“ und erzählt, wie erstaunt er manchmal sei, was so alles zutage komme.

„Bei der Freilegung des Daches haben wir zum Beispiel völlig verkohlte Balken gefunden. Sicherlich ein Schaden aus der Kriegszeit“, vermutet er. „Wir werden es neu aufstocken, sodass hier neuer Wohnraum entsteht. Die Maßnahme wird sich schön in die Nachbarbebauung einfügen“, sagt er.

Alte Backsteinwände in den Gewerbeflächen

Viel Aufwand wird auch bei der Restaurierung des Kellergeschosses betrieben. „Hier sollen außergewöhnliche Gewerbeflächen auf zwei Etagen entstehen“, sagt Ulrike Denkner.

Sie freut sich, dass dort später schöne alte Backsteinwände zu sehen sein werden – „sorgsam versiegelt“, wie Heun ergänzt. Ausschachtungen vor den Fenstern lassen erahnen, dass diese Räumlichkeiten später außerdem gut belichtet sein werden.

Und werden auch alle Erwartungen der Kunden an Komfort und Energetik gedeckt? „Auf jeden Fall. Für smarte Anwendungen sorgt zum Beispiel die Firma digital­Strom aus der Schweiz“, verrät die Maklerin.

Danach werden kleine Relais in der Größe eines Legosteins in jeder Wohnung ausreichen, um alle Abläufe per App und vom Smartphone aus steuern zu können. „Damit entfallen Extraleitungen in den Wänden und Böden, wie noch beim BUS-System üblich“, sagt Heun. Damit erweise sich diese Technologie bereits schon wieder als veraltet.

Originalpläne belegen repräsentative Funktion

In der Musterwohnung, zurückhaltend möbliert vom Hamburger Einrichter Ulrich Stein, führt Ulrike Denkner vorbei an einem schwarzen Flügel – „für kleine Konzerte“ – in einen lichtdurchfluteten Raum. „Ist das nicht schön?“, fragt sie und blickt zur Decke.

Dort ist schönste Wandmalerei zu sehen – umgeben von Engeln. Ein Kunsthistoriker habe ihr erzählt, dass das Haus ein Beispiel für den Historismus sei.

Noch wichtiger aber ist ihr diese Erkenntnis: Das Haus habe immer schon eine repräsentative Funktion gehabt. „Das belegen Originalpläne des Architekten H. Kalkhorst, auf denen feinsäuberlich die Worte Salon, Saal und Entree-Zimmer für honorige Gäste zu lesen sind.“

Keiner musste also für diese Luxussanierung weichen? Die Maklerin schüttelt den Kopf: „Ein Teil des Hauses war ja Hotel, und für die Bewohner haben wir zusammen mit der Artus-Verwaltung nach Ersatzwohnraum gesucht.“

Alle weiteren Informationen unter
www.moorweidenpalais.de

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