Umbau

Den Raum unterm Dach trotz Schrägen sinnvoll nutzen

Ein idealer Platz zum Arbeiten, denn das Licht fällt von oben rein.

Foto: Velux

Ein idealer Platz zum Arbeiten, denn das Licht fällt von oben rein.

Dieser Bereich des Hauses ist viel zu schön, um ihn ungenutzt zu lassen. Was man beim Ausbau und bei der Einrichtung beachten sollte.

Hamburg.  Schon längst nicht mehr ist der Dachboden ein so trister Ort, wie ihn der deutsche Maler Carl Spitzweg verewigt hat – als Wohnung des mittellosen Dichters auf dem Gemälde "Der arme Poet".

Und auch als reiner Lager- und Wäscheraum wird der Speicher nur mehr selten auf Dauer genutzt. Ausgebaute Dachböden haben nämlich einen ganz besonderen Charme, gerade wegen der vielen Dachschrägen – und des meist unverbauten Blicks in den Himmel.

Hier ist Schatzsuche möglich

Das Hochzeitskleid der Oma, Briefe aus vergangenen Zeiten, alte Fotos oder Filme, Spielzeug aus dem letzten Jahrhundert, ein vergessenes Ölgemälde – wer den Dachboden entrümpelt, befördert nicht selten spannende Gegenstände und Geschichten ans Tageslicht.

Kein Wunder also, dass Trödelsendungen im TV mit Namen wie "Bares für Rares", "Lieb und Teuer" oder "Kunst und Krempel" boomen, bei denen man seine Dachbodenfunde und (vermeintlichen) Familienschätze auf ihren Wert hin beurteilen lassen kann.

So manches Kleinod wurde dabei schon geborgen. Und das macht den Dachboden zu einem mythischen Teil des Hauses, in dem man auf Schatzsuche gehen oder in alten Erinnerungen stöbern kann.

Weit mehr als nur Stauraum

Wer jedoch alle Gegenstände unterm Dach gesichtet und (aus)sortiert hat, möchte den Speicher vielleicht nicht mehr nur als Stauraum verwenden, sondern als zusätzlichen Wohnraum, Hobbyraum oder Arbeitsbereich.

In einem solchen Fall kann man aber nicht einfach munter drauflos bauen, sondern muss einige Faktoren beachten. So muss beispielsweise vorab bei der zuständigen Baubehörde geklärt werden, ob eine Baugenehmigung vonnöten ist.

Wird das Dach ausgebaut, wirkt sich dies in der Regel auch auf die Statik des Hauses aus. Dann ist die Beratung durch einen Statiker zu empfehlen. Auch auf mögliche Bauschäden, zum Beispiel durch Holzwurm im Gebälk, sollte der Dachstuhl vorab von Fachleuten untersucht werden.

Brandschutz und Dämmen

Darüber hinaus muss für den Ausbau die Energieeinsparverordnung (EnEV) beachtet werden. Das umfasst unter anderem eine adäquate Dämmung, über die Energieberater informieren.

So mancher Bauherr ist außerdem schon an Brandschutzbestimmungen wie etwa an einem fehlenden zweiten Rettungsweg gescheitert.

Zu guter Letzt spielen auch die Kosten eine nicht unerhebliche Rolle. Hier kann ein Modernisierungskredit infrage kommen, aber auch Förderkredite oder Zuschüsse der KfW-Bank, wenn in Umbaumaßnahmen zur Steigerung der Energieeffizienz investiert wird.

Für Licht und Raum sorgen

Grundsätzlich stellt sich neben der Klärung aller rechtlichen und baulichen Fragen auch die nach der architektonischen Gestaltung. Denn eins ist klar: Die Etage direkt unter der Dachhaut hat fast immer schräge Flächen und deshalb eine häufig deutlich geringere nutzbare Grundfläche als die Geschosse darunter.

Auch die Höhe ist nicht nur baurechtlich entscheidend. Um sich im geplanten Dachdomizil nicht ständig den Kopf zu stoßen, sollte ausreichend Raum mit einer Höhe von mindestens 2,30 Metern vorhanden sein. Spitzböden etwa, deren Ausbau meist nicht genehmigt werden muss, kommen nur auf eine Höhe von maximal 1,80 Metern und eignen sich eher als Gästezimmer.

Für mehr Licht sorgen große Dachflächenfenster oder eine offene Architektur mit einer Galerie. Mehr Platz bringen – neben einer offenen Raumplanung – Gauben oder ein Wintergarten. Und eine Dachterrasse liefert frische Luft und Platz für gärtnerische Tätigkeiten gleich mit dazu.

Dämmen und Sonnenschutz

Nicht nur in Großstädten sind sie begehrt, aber meist auch teuer: Dachgeschosswohnungen. Wer in eine solche Wohnung investiert, um künftig unter dem Dach zu residieren, kann sich über einen tollen Ausblick über heimatliche Gefilde in einem meist lichtdurchfluteten Zuhause freuen. Egal, ob die Wohnung bereits schlüsselfertig übergeben wird oder erst ausgebaut werden muss: Besonders wichtig ist der Wärmeschutz.

Neben einer guten Dämmung ist dabei auch der Umgang mit den Fenstern entscheidend, die im Winter gut isolieren und im Sommer durch Vorrichtungen wie Faltstores, Verdunkelungsrollos oder Hitzeschutzmarkisen die Sonne abhalten sollten. Mittlerweile gibt es für diesen Zweck auch kostengünstige Varianten namhafter Hersteller.

Einrichtungsideen

Ist der Ausbau vollbracht, steht dem Einzug nichts mehr im Weg. Beim Einrichten stellt sich die Frage, ob man es lieber gemütlich oder geräumig haben möchte. So oder so wirken klobige Möbelstücke unterm Dach eher bedrückend.

Wenige, durchdacht platzierte Einrichtungsgegenstände setzen Dachräume hingegen schön in Szene. Wichtig ist außerdem, an ausreichend Stauraum zu denken, zum Beispiel in Form von Giebelwandregalen, individuellen Einbauschränken oder Kniestockregalen unter den Schrägen.

Wer Behaglichkeit liebt, kann diese mithilfe von Accessoires wie farbigen Kissen oder einem flauschigen Teppich unterstreichen, ideal für das Schlafzimmer unterm Dach. Auch naturbelassene, freigelegte Balken sorgen für mehr Gemütlichkeit.

Noch heller wird es im Dachgeschoss durch weiß gestrichene Wände. Farbakzente können sogar auf den schrägen Dachflächen angebracht werden. Hier sollten aber besser keine dunklen Töne zum Einsatz kommen, da sie erdrückend wirken können. Für die Einrichtungsplanung sind online viele Inspirationsquellen und sogar Bauanleitungen zu finden, damit es unterm Dach so richtig wohnlich wird.

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