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Mit Wandfarbe mehr Lebensfreude in den Alltag bringen

Foto: Frank Schemmann / HA

Mit dem richtigen Ton lässt sich die gewünschte Stimmung in Räumen erzeugen. Dank weniger Tricks wirken diese größer oder kleiner.

Hamburg.  Die ganze Welt ist voller Farben. Sie haben einen großen Einfluss darauf, wie wohl wir uns in unseren eigenen vier Wänden fühlen: Mal wirken sie erfrischend, mal eher beruhigend. War Grün noch die Farbe des Jahres 2017, soll uns in diesem Jahr vor allem Ultraviolett begleiten. So vermeldet es jedenfalls das Pantone Color Institute in den USA. Seit 19 Jahren gibt die Firma eine Farbe des Jahres vor; tatsächlich hatte diese dann auch zunehmend Einfluss auf die Produktentwicklung sowie auf Kaufentscheidungen in zahlreichen Branchen.

Lassen wir uns überraschen! Violett gilt jedenfalls als ein eher feierlich wirkender Ton, der sich daher gut für Empfangsräume eignet. In schlecht belichteten Fluren sollte man hingegen eher vorsichtig mit dieser Farbe umgehen. Hier eignen sich eher helle, pastellige Töne. Sehr angesagt ist derzeit beispielsweise Grau in allen Schattierungen, gern kombiniert mit Weiß. Wer trotzdem nicht auf starke Farben verzichten mag: Man kann auch nur die Stirnseiten des Flurs oder eine Wand zwischen zwei Türen so gestalten.

Die Temperatur in Räumen wird anders wahrgenommen

Blau eignet sich dabei gut fürs Schlafzimmer und Kinderzimmer – die Farbe steht für Ruhe, Entspannung und Ausgeglichenheit. Außerdem werden in diesem Ton gehaltene Räume immer einige Grad kühler empfunden. Perfekt also, um entspannt schlafen zu können.

Eine Farbe, die trübe Stimmungen verscheucht, ist Gelb. Sie lässt sich gut mit Weiß und einem Grünton kombinieren – die Auswahl reicht hier vom hellen Zwiebelgrün bis zum fast schwarzen Moosgrün. Wer’s im Wohn- und Essbereich wohlig haben will, ist mit dieser Farbe, aber auch mit Erdtönen gut beraten. Ein sattes Rot – es steht für Feuer, Liebe und Leidenschaft – sollte man hingegen eher für „wache“ Räume wie die Küche wählen.

Die Beispiele zeigen: Mit Farben lassen sich gezielt Akzente setzen und Stimmungen erzielen. Die Regel lautet: Kleine Räume wirken durch helle Töne luftiger und größer, ungemütliche Räume werden dank dunklerer Töne heimelig und gemütlich.

Die Funktion eines Zimmers bei der Wahl bedenken

Trotzdem zeigen Umfragen immer wieder: Viele Menschen trauen sich an Farben nicht heran! Dabei gehören sie zu den wichtigsten Instrumenten, das eigene Zuhause zu gestalten. Warum also diese Option nicht nutzen, zumal ein Neuanstrich schnell gemacht ist?

Innenarchitekt Bernhard Ortlieb – er führt zusammen mit seiner Partnerin Klaudia Ortlieb die Hamburger Designagentur bougiandbo –, rät, bei der Wahl einer Farbe nicht nur persönlichen Vorlieben zu folgen, „sondern immer zu bedenken, welche Funktion und Architektur ein Raum hat“. Außerdem sei es empfehlenswert, das Farbkonzept auf ein bestimmtes Bild, einen Teppich oder das Lieblingssofa abzustimmen.

Es gelte, so Interieurdesignerin Klaudia Ortlieb, Basisfarben auszuwählen und dann mit korrespondierenden Akzentfarben zu arbeiten, um optische Ankerpunkte zu setzen. „Dadurch wird es möglich, Räume in unterschiedlichen Farben zu streichen, ohne dass es zu bunt wird.“ Im Trend lägen Nude- und Grautöne sowie Gewürzfarben wie Curry und Chili-Rot sowie ein kräftiges Burgund oder Blau.

Klassisches Weiß kann schnell langweilig wirken

Charlotte Cosby, Kreativdirektorin beim englischen Farbenhersteller Farrow & Ball, beklagt, dass häufig klassisches Weiß verwendet werde, um etwa einen Flur, eine Garderobe oder die Gästetoilette optisch größer erscheinen zu lassen. Doch häufig resultiere daraus genau das Gegenteil: „Der Raum wirkt klein und langweilig.“

Eine viel interessantere Alternative sei ein gebrochenes, leicht abgetöntes Weiß, so die Expertin. „Denn warme und leicht gelbstichige Töne reflektieren einfallendes Tageslicht, das einen entscheidenden Einfluss auf die Erscheinung jeder Farbe hat, am besten.“ Für Mutigere empfiehlt Charlotte Cosby kräftige Töne. Diese können von Größe und einem möglicherweise ungünstigen Schnitt des Raumes ablenken und ihm gleichzeitig Tiefe und Ausdruck verleihen.

Den unteren Teil einer Wand besser dunkel halten

Zusätzliche Größe schaffe man auch durch die Beschränkung auf eine Farbe. Sollen zwei Farben in einem Raum integriert werden, empfiehlt sie, die Fußleisten eher in einem dunklen Ton und alles andere darüber heller zu gestalten. „Um einen Raum mit zwei Farben größer wirken zu lassen, kann man auch die Wand horizontal in zwei Hälften teilen. Der untere Teil erhält einen kräftigen, dunklen Ton. Das schafft eine Verbindung zum Fußboden. Die obere Hälfte lässt sich dann mit einem hellen und blasseren Ton gestalten. So ist auch ein fließender Übergang zur Zimmerdecke möglich.“

Solcherart gestrichene Wände sind auch praktisch: Wird der untere Teil in einer dunklen Nuance gestrichen, ist dieser weniger anfällig für Verschmutzung. Ideal also für Flure und Räume mit viel Durchgangsverkehr.

In kleineren Zimmern mit Erkern und Fensterlaibungen ist es ratsam, diese Bereiche in einem helleren Farbton abzusetzen. Das vergrößert den Raum und hellt ihn auf. Eine optische Herausforderung sind teilweise auch große Räume, da sie häufig keine besonders gemütliche Atmosphäre ausstrahlen. Mit einem dunklen Rot an einer Wand oder Blau- und Nudetönen lässt sich hier gegensteuern. Sie alle haben eine beruhigende und anheimelnde Wirkung. Obendrein verkürzen sie die Raumtiefe.

Senkrechte Streifen lassen einen Raum höher wirken

Farben lassen einen Raum auch höher oder niedriger erscheinen. Eine dunkle Decke lässt hohe Räume niedriger wirken. Wo eine niedrige Raumhöhe vorherrscht, sollte es hell zugehen. Hilfreich sind auch Anstriche oder Tapeten mit Streifen. Allerdings sollten die dann auch mit der Decke abschließen. Tipp für Heimwerker, denen an makellosen Streifen gelegen ist: Die Wand vorher mit Kreppband abkleben, dann zunächst die Ränder im Wandton streichen und trocknen lassen – und erst jetzt die Farbe für den Streifen auftragen, so verläuft nichts.

Für alle Farben gilt: Sie machen sich am besten auf glatt verputzten Wänden. „Und sie wirken aufgrund der sich stetig verändernden Lichtverhältnisse immer wieder anders“, gibt Bernhard Ortlieb zu bedenken. Bevor man eine Wand endgültig streiche, solle man vorher ein kleines Stück Probe streichen und dieses einige Zeit auf sich wirken lassen. Außerdem rät er zu qualitativ hochwertigen Farben mit möglichst vielen Farbpigmenten: „Die kosten zwar etwas mehr, aber das Geld ist gut angelegt. Denn den Unterschied sieht man.“