Genossenschaftswohnungen

Bunt gemischt unter einem Dach leben

Als Mitglied einer Baugenossenschaft ist man Teil einer Gemeinschaft und kann Entscheidungsprozesse begleiten.

"Wir haben in den vergangenen Jahren viele neue Mitglieder aufgenommen", sagt Kristina Weigel, Vorstandsmitglied der Walddörfer Wohnungsbaugenossenschaft. "Darunter einige, deren Eltern und Großeltern schon bei der Genossenschaft gewohnt haben." Um eine Wohnung einer Genossenschaft beziehen zu können, muss man Mitglied werden und Anteilsscheine erwerben, für die man Zinsen erhält. Die Anzahl der Scheine richtet sich nach Größe, Alter und Ausstattung der Wohnung. "Als Mitglied ist man nicht ein anonymer Nutzer einer Wohnung, sondern Teil einer Gemeinschaft, die sich innerhalb des demokratischen Organisationsprozesses kümmert", sagt Julian Petrin, der mit seiner Familie in einem Gebäude des Altonaer Spar- und Bauvereins (Altoba) in Ottensen wohnt.

+++55 Wohnungen entstehen in der Kleinen Bergstraße+++

Mitglieder ernennen aus ihren eigenen Reihen Vertreterversammlungen, die wiederum einen Aufsichtsrat wählen, der seinerseits den Vorstand bestimmt. In einer Baugenossenschaft haben Mitglieder also mittelbaren Einfluss auf das Schicksal der Genossenschaft, was nicht bedeutet, dass sie ins operative Geschäft eingreifen können. Dafür ist der Vorstand zuständig. Und natürlich sind die Gremienvertreter der Mitglieder an gesetzliche Vorgaben gebunden und können nicht machen, was sie wollen. Sie müssen stets das Wohl der Genossenschaft im Auge behalten und Einzelinteressen zurückstellen.

130 000 Hamburger wohnen in einer Genossenschaftswohnung

Über 200 000 Hamburger sind inzwischen Mitglied in einer der 30 großen Baugenossenschaften, die vom Arbeitskreis Hamburger Wohnungsbaugenossenschaften repräsentiert werden. Aber nicht jedes Mitglied wohnt in einer Genossenschaftswohnung; in Hamburg sind es derzeit 130 000. In den folgenden Jahren sollen weitere Wohnungen hinzukommen. 652 Neubauwohnungen werden 2012 fertiggestellt, so Petra Böhme, die Vorsitzende des Arbeitskreises. "Bis Ende 2012 ist die Errichtung von über 1000 weiteren Wohnungen im Rahmen des 'Bündnisses für Wohnen' geplant."

+++Pläne fürs Mehrgenerationenhaus+++

Die meisten Genossenschaften wurden in der Kaiserzeit und nach den beiden Weltkriegen gegründet. Sie reagierten über die Jahrzehnte mit ihren Bauten auf die Bedürfnisse ihrer Mieter. Jede Epoche hat ihre eigenen Bedürfnisse und die entsprechenden Wohnungstypen - derzeit vermehrt für junge Familien. So will die Wohnungsbaugenossenschaft von 1904 in Rahlstedt den Bau von 22 familiengerechten Wohnungen realisieren. "Viele junge Leute, die als Single bei uns einzogen, denken langsam an eine Familie und fragen nach größeren Wohnungen", sagt Klaus Weise, Vorstand der Wohnungsbaugenossenschaft. "Wir haben nicht genug, also bauen wir welche." So zum Beispiel die Zwei- bis Vierzimmerwohnungen, die Am Sören entstehen und um die elf Euro Miete pro Quadratmeter kosten sollen. Und auf dem benachbarten Baufeld soll ein Projekt der Hamburg-Rahlstedter Baugenossenschaft (Harabau) mit altengerechten Wohnungen entstehen.

Auch die Baugenossenschaft Bergedorf-Bille will 2012 in der Siedlung Alt-Nettelnburg 27 familiengerechte Drei- und Vierzimmerwohnungen bauen. Die endgültigen Mietpreise stehen noch nicht fest. "Wir werden ein angrenzendes Gewerbeobjekt so umgestalten, dass hier auch gemeinsame Quartiersaktivitäten stattfinden können", sagt Vorstand Marco Lohmann. Aktionen, die auch Julian Petrin bestätigen kann. Er erzählt von Flohmärkten, gemeinsamen Essen im Hof und Freundschaften, die unter den Bewohnern entstanden sind, seien sie nun Singles, Studenten, junge Familien oder Senioren.

+++Viel Platz für Familien und Senioren+++

Familien, die ein Heim in grüner Umgebung suchen, könnten bei der Walddörfer Wohnungsbaugenossenschaft fündig werden, die in Bergstedt ab 2013 sechs Reihenhäuser und ein Mehrfamilienhaus entwickeln wollen. "Wir haben keine Wartelisten", sagt Vorstandsmitglied Kristina Weigel. "Jede Anfrage wird bearbeitet. Allerdings werden ältere Mitglieder bevorzugt." Neben den Familien stehen alte und behinderte Menschen derzeit im Fokus genossenschaftlichen Interesses. So entstehen am Berner Heerweg 70 seniorengerechte Wohnungen, gebaut von der 1904. Davon werden 47 öffentlich gefördert und für 5,80 Euro Anfangsmiete pro Quadratmeter vermietet. Die Quadratmetermiete der übrigen Wohnungen wird voraussichtlich um 10,50 Euro liegen. Die Bergedorf-Bille baut in Kooperation mit "Leben mit Behinderung" am Gojenberg ein Haus mit elf Einzel- und Gruppenwohnungen.

Andere Genossenschaften wie der Altonaer Spar- und Bauverein gehen noch weiter. In seinem Neubauprojekt in der Kleinen Bergstraße wird neben 55 familiengerechten Wohnungen auch eine Wohngemeinschaft für demente Senioren eingerichtet. Ziel ist ein "lebendiges, generationenübergreifendes Zusammenwohnen", sagt Vorstand Holger Kowalski. Er ist von einem Projekt einer Bochumer Baugenossenschaft beeindruckt, die ein Hospiz realisieren möchte. "Ähnliches schwebt mir auch vor. Wir denken darüber nach, ob wir engagierte Mitglieder weiterbilden, die dann in der Sterbebegleitung unseren Mitgliedern helfen."

www.wohnungsbaugenossenschaften.de ; www.hamburgerwohnline.de