Psychotherapie: Krank machende Einstellungen werden umgelenkt

Heilung durch Hypnose

Angstattacken, Depressionen, Burn-out oder chronische Schmerzen - immer mehr Erkrankte setzen ihre Hoffnung in die Hypnotherapie. Die neue Methode spricht Verstand und Gefühl an. Nach der Sitzung weiß der Patient, was er in Trance erlebt hat.

In dem weiten Gebiet der psychotherapeutischen Medizin gibt es seit einiger Zeit mit der Hypnotherapie ein vielversprechendes neues Angebot. Menschen, die sich ausgebrannt fühlen, die unter quälenden Angstattacken leiden oder häufig depressiv sind, die chronische Schmerzen haben oder an Allergien oder manchem anderen kurieren, suchen und finden zunehmend häufig Hilfe bei Hypnotherapeuten. Das sind Ärzte und Psychologen, die es in einer Zusatzausbildung gelernt haben, mit der Technik der Hypnose die äußeren Sinneswahrnehmungen bei einem Patienten zurückzudrängen und gleichzeitig die inneren Sinneswahrnehmungen zu stärken. Mit dieser Umschaltung ist eine Korrektur des im Alltag krank machenden Verhaltens möglich.

Der Begriff Hypnotherapie mag zunächst an Scharlatane erinnern, wie sie früher auf Jahrmärkten als Heiler auftraten oder einfache Leute aus dem Publikum via Hypnose willenlos machten und sie zum Gaudi der Marktbesucher die verrücktesten Dinge ausführen ließen. "Heute ist die Hypnotherapie ein anerkanntes selbstständiges Behandlungsverfahren mit sehr spezifischen Möglichkeiten und Anwendungen", so der Psychotherapeut Dr. Wolfgang Blohm, der in Riddorf nahe Husum eine Fachklinik für Hypnotherapie leitet.

Wissenschaftliche Dokumentationen belegten die vielfältigen und auch erfolgreichen Einsatzmöglichkeiten der Hypnotherapie eindeutig, sagt Blohm. Sie ist vor einiger Zeit auch als wissenschaftliches Verfahren vom Beirat der Psychotherapie anerkannt worden. Es geht bei ihr nicht darum, die hypnotisierten Patienten zu manipulieren, sondern ihnen Möglichkeiten zu eröffnen, in ihrem Innern steckende latente Fähigkeiten nutzbar zu machen, indem negatives Verhalten und ungünstige Einstellungen umgelenkt werden. Etwa 2000 Mediziner und Psychologen mögen es sein, die in Deutschland zurzeit die Hypnotherapie einsetzen.

Wie läuft die Behandlung ab? Am Anfang steht, wie es auch bei jedem anderen Arztbesuch sein sollte, die Anamnese, also die intensive Befragung des Patienten. "Man muss bei der Suche nach den Ursachen der Probleme herausfinden, wo der Änderungsbedarf liegt", sagt Dr. Blohm. Das heißt, bei einem Menschen mit Burn-out-Syndrom erkennen, was in seinem Verhalten falsch und Ursache des Problems ist, bei einem anderen mit Angstattacken, warum er vor einer bestimmten Sache oder Situation so große Angst hat.

In einer der nächsten Therapiesitzungen wird der Patient, der in aller Regel bequem auf einer Liege oder einem Liegesessel ruht, in eine oberflächliche bis mitteltiefe Trance versetzt, "wie sie jeder Mensch tagsüber als Tagträume von Sekunden bis Minuten Dauer mehrfach erlebt", sagt Blohm und meint beispielsweise beim Lesen, sogar auch beim Autofahren und insbesondere beim Einschlafen. Während des Trancezustands, etwa zehn bis vierzig Minuten lang, öffnet sich der Weg nach innen und der Patient erhält "Zugriff auf seine gesammelten Erfahrungen aus früheren Problemen, Konflikten und Orientierungsstörungen, und es wird ihm damit ermöglicht, sein Verhalten zu korrigieren und seine aktuellen Probleme zu lösen", so Dr. Blohm.

Für die Hypnotherapie ist von Bedeutung, dass sie kognitive und emotionale Inhalte verknüpfen kann, also Verstand und Gefühl des Patienten angesprochen werden. "So kann ich beispielsweise einen Burn-out-Patienten zu der sein Verhalten ändernden Einsicht bringen, dass er nicht bis zum Umfallen arbeiten muss, sondern sehr wohl auch weniger arbeiten darf", berichtet Blohm.

Im Übrigen weiß jeder nach einer solchen Sitzung genau, was er während der Trance erlebt hat. Wie viele Sitzungen bei ambulanter oder stationärer Therapie notwendig sind, ist im Voraus nicht zu sagen, ein Dutzend und mehr können es schon werden. Die Deutsche Gesellschaft für Hypnose und Hypnotherapie beziffert die Kosten auf durchschnittlich 80 bis 120 Euro für eine 50 Minuten dauernde Behandlung.

Ambulante wie stationäre Behandlung kann der Patient zu Hause mit Selbsthypnosen fortsetzen, sich also mit dem, was er in den Therapiesitzungen gelernt hat, selbst in Trance versetzen und weiter an der Problemlösung arbeiten. So lässt sich immer wieder neu gegen ein Übermaß von Stress angehen, gegen Kopfschmerzen, Allergien, Schlafstörungen, Depressionen und vieles andere.

Hypnotherapie hat keine Nebenwirkungen, vorausgesetzt, sie wird von dafür ausgebildeten Fachleuten ausgeführt. Hier und da sind immer auch noch Scharlatane am Werk.

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