Ein leerer Bauch studiert nicht gern

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Ratschläge des Ernährungsexperten Dr. Michael Hamm (HAW)

Der Ernährungswissenschaftler und Sachbuchautor Dr. Michael Hamm von der Hochschule für Angewandte Wissenschaften Hamburg (HAW) erklärt die Zusammenhänge zwischen Magen und Hirn.

ABENDBLATT: Kann gezielte Ernährung die Lern- und Konzentrationsfähigkeit fördern?

MICHAEL HAMM: Voraussetzung für hohe Konzentration ist ein konstanter Blutzuckerspiegel. Den erreicht man über regelmäßige kleine Mahlzeiten. Gut sind Langzeitenergiequellen wie Vollkornprodukte, wasserreiche Obstsorten und Gemüse. Was Sportler essen, ist auch gut für Gehirnjogger. Unbedingt zu vermeiden ist ein Flüssigkeitsmangel. Das Gehirn reagiert darauf ähnlich wie in einer Hungersituation: man wird müde.

ABENDBLATT: Was sollte vor einer intensiven Lernphase auf dem Speiseplan stehen?

HAMM: Zum Lernen braucht man neben dem richtigen Energiekonzept bestimmte Mineralstoffe und Vitamine. Mangel an Magnesium und Eisen, das für den Sauerstofftransport im Blut zuständig ist, mindern die Lernleistung. Die Botenstoffe im Gehirn benötigen Eiweißbausteine, Vitamin B1 und B6. Für die Schilddrüse ist Jod sehr wichtig. Sie beeinflußt die Lebhaftigkeit und Aufmerksamkeit von Menschen. Frühstücken verbessert die Konzentrationsfähigkeit am Vormittag.

ABENDBLATT: Sind Kaffee, Cola, Süßes zum Lernen geeignet?

HAMM: Koffein macht wacher und aufmerksamer. Eine Tasse Kaffee führt schnell aus einem Tief heraus. Besser und länger wirksam sind grüner und schwarzer Tee. Das Koffein geht hier nicht sofort ins Blut.

Bei Traubenzucker und Süßigkeiten schnellt der Blutzuckerspiegel rasch in die Höhe und fällt dann wieder. Gesünder als ein Schokoriegel ist "Studentenfutter", weil in Trockenfrüchten Kohlenhydrate und in Nüssen Magnesium, Eisen und B-Vitamine enthalten sind.

ABENDBLATT: Stimmt das Sprichwort "Ein voller Bauch studiert nicht gern"?

HAMM: Schweres Essen macht müde. Das Blut ist im Bauchraum und steht dem Gehirn nicht zur Verfügung. Kleine Pausen mit etwas Bewegung machen wach.

ABENDBLATT: Werden gesund ernährte Kinder klüger als welche, die viel Fastfood essen?

HAMM: Die Entwicklung der Intelligenz beginnt schon in der Schwangerschaft. Omega-3-Fettsäuren sind für die Entwicklung von Gehirn und Sehleistung des Kindes sehr wichtig. Werdende und stillende Mütter sollten zweimal in der Woche Meeresfisch essen. Einseitige Ernährung ist allgemein ungesund, ab und zu Fastfood aber okay. Das ideale Lebensmittel für Heranwachsende ist täglich ein halber Liter Milch. Er enthält hochwertiges Eiweiß und Kalzium.

Interview: HEIDE RAMPETZREITER