Seattle

Warum Fischschwärme zusammenbrechen

Ein Sardinenschwarm, von unten fotografiert

Ein Sardinenschwarm, von unten fotografiert

Foto: picture alliance

Die Bestände von Heringen, Sardinen oder Makrelen schwanken von Natur aus stark. Im Abwärtstrend kann Fischerei Kollaps auslösen.

Seattle.  Die intensive Fischerei auf kleine Schwarmfische trägt maßgeblich dazu bei, dass die jeweiligen Populationen zusammenbrechen. Das folgern US-Forscher aus Datenanalysen zu Fangmengen und Beständen diverser Arten in unterschiedlichen Meeresregionen. Ein Kollaps dieser Bestände gefährde zudem die Nahrungsbasis von Raubfischen, Meeressäugern und Seevögeln, mahnen die Wissenschaftler um Timothy Essington von der Washington-Universität in Seattle. Im Fachblatt „Proceedings“ schlagen sie vor, ein Frühwarnsystem einzurichten, um schnell auf sinkende Fischbestände reagieren zu können.

Kleine Schwarmfische wie Heringe, Sardinen, Sardellen, Lodden oder Makrelen stellen fast ein Drittel der weltweit angelandeten Fischmasse. Gleichzeitig sind sie auch ein wichtiger Teil der Nahrungskette, von dem sich Raubfische, Säugetiere und Vögel ernähren. Daher hätten Zusammenbrüche der Bestände weitreichende ökologische Folgen, schreiben die Forscher.

Massive Rückgänge von Schwarmfischen sind zwar schon oft beobachtet worden. Die Rolle der Fischerei war dabei umstritten, da die Bestände auch starken natürlichen Schwankungen unterliegen. Diese galten bisher als der entscheidende Faktor. Die Forscher um Essington analysierten nun die Entwicklung von 55 Fischpopulationen über Zeiträume von mindestens 25 Jahren. Die untersuchten Bestände stellten seit dem Jahr 2000 knapp zwei Drittel der weltweiten Fänge an kleinen Schwarmfischen.

27 der 55 Populationen brachen dann zusammen, wenn die Menge der durchschnittlichen Biomasse einen Schwellenwert von 25 Prozent unterschritt. Fast ein Drittel kollabierte erst bei einem Rückgang auf 15 Prozent. Dies galt für den gesamten Zeitraum seit den 1950er-Jahren sowie für das Mittelmeer und verschiedene Teile von Atlantik und Pazifik.

Den Einfluss der Fischerei untersuchten die Forscher anhand von 15 Populationen, für die gute Daten zu Fangmengen und Bestandsentwicklung vorlagen. Bei ihnen ging dem Zusammenbruch eine Fischereirate voraus, die um 50 bis 200 Prozent über dem langjährigen Durchschnitt lag. Die Daten deuten darauf hin, dass die Fischerei den Kollaps nicht unbedingt direkt verursacht, aber bei einem natürlichen Rückgang den Ausschlag für den Einbruch der Bestände geben kann.

Denn dieser deutete sich gewöhnlich schon zwei bis drei Jahre zuvor durch einen Rückgang der Biomasse an. Die Fangmengen sanken aber erst, als die Bestände eingebrochen waren. Simulationen der Forscher deuten darauf hin, dass ohne Fischerei nur vier der 15 Bestände eingebrochen wären. Im Mittel erholten sich die Populationen nach etwa neun Jahren wieder.

Die Forscher schlagen ein Frühwarnsystem vor, um auf einen drohenden Kollaps zu reagieren. Man könne etwa die Befischung aussetzen, sobald sich die Biomasse einer Population halbiert hat. Damit ließe sich die Zahl der Zusammenbrüche um 64 Prozent senken, kalkulieren die Autoren.