Krankenstand in Hamburg steigt

DAK-Gesundheitsreport: Seelische Probleme führen zu den meisten Fehltagen. Situation von Eltern im Fokus der Untersuchung

Hamburg. Psychische Erkrankungen waren auch 2013 in Hamburg der häufigste Grund für eine Krankschreibung. Das zeigt der DAK-Gesundheitsreport 2014, den das Berliner Iges-Institut im Auftrag der DAK erstellt hat und der am Dienstag in Hamburg vorgestellt wurde. Grundlage dieser Analyse waren Daten von erwerbstätigen Versicherten der Krankenkasse.

Danach stehen die psychischen Erkrankungen wie auch schon 2012 an der Spitze, mit 19,6 Prozent der Krankheitstage. Dabei handelte es sich überwiegend um depressive Erkrankungen, aber auch zum großen Teil um Anpassungs- und Angststörungen. An zweiter Stelle lagen die Erkrankungen des Bewegungsapparats (18,7 Prozent), gefolgt von den Krankheiten der Atemwege (17,1 Prozent). Dabei ist der Krankenstand in Hamburg im Vergleich zu 2012 leicht gestiegen: von 3,5 Prozent auf 3,7 Prozent. Er lag aber unter dem Bundesdurchschnitt von vier Prozent.

Besonderes Augenmerk lag in diesem Jahr auf der Altersgruppe der 25- bis 39-Jährigen, die sich laut der Krankenkasse in der „Rushhour des Lebens“ befinden. „Diese Altersgruppe verfügt zwar noch über gute Gesundheitsressourcen. Doch verlängerte Ausbildungszeiten, späterer Berufseinstieg und der Trend zu immer späterer Elternschaft führen dazu, dass in diesem Lebensjahrzehnt viele Aufgaben gleichzeitig zu bewältigen sind“, sagte Regina Schulz, Landeschefin der DAK-Gesundheit in Hamburg. Jedoch wirkt sich der erhöhte Druck durch Mehrfachbelastungen laut der Analyse nicht auf die Krankschreibungen aus. Diese Altersgruppe war sogar im Vergleich mit jüngeren und älteren Arbeitnehmern besonders gesund.

In der Befragung von Hamburger Arbeitnehmern zeigte sich, dass die Mehrheit im Alter zwischen 25 und 29 Jahren in ihrer Lebensplanung sowohl Karriere als auch Kinder wollten. 57 Prozent gingen davon aus, dass sie beides verwirklichen können. „19,6 Prozent waren nicht ganz so optimistisch, sie gehen davon aus, dass sie nur eins von beiden wirklich schaffen“, sagte Susanne Hildebrandt vom Iges-Institut, die den Report präsentierte. Alle Befragten stellten hohe Ansprüche an die Voraussetzungen, um Kinder zu bekommen: Mehr als 90 Prozent wünschten sich dafür eine stabile Partnerschaft, ein gutes und sicheres Einkommen, die Ausbildung schon abgeschlossen und beruflich schon einen Einstieg geschafft zu haben.

Die Frage an die 30 bis 34 Jahre alten Kinderlosen, warum sie bisher kein Kind bekommen haben, beantworteten die meisten damit, dass sie noch nicht den richtigen Partner gefunden hätten. Es zeigten sich aber auch Tendenzen, diesen Wunsch weiter nach hinten zu verschieben. So antworteten 57,3 Prozent, dass es ihnen sinnvoll erschien, noch zu warten. 53,6 Prozent sagten, dass sie sich zunächst um ihr berufliches Fortkommen kümmern wollten.

Diesen Grund nannten auch 30,6 Prozent in der Gruppe der 35- bis 40-Jährigen dafür, dass sie noch keine Kinder hatten. In dieser Altersgruppe wurde aber als wichtigster Grund von 60,7 Prozent genannt, dass sie noch nicht den richtigen Partner gefunden hätten. Fazit der Untersuchung: Der Aufschub des Kinderwunsches birgt das Risiko, am Ende der „Rushhour des Lebens“ ungewollt kinderlos zu bleiben.

Der Report kommt auch zu dem Schluss, dass die Gleichzeitigkeit von Elternschaft und Karriere nicht zur erhöhten Stressbelastung führte. Zwar hatten Eltern häufiger als Kinderlose das Gefühl, nicht genug Zeit für sich zu haben, aber Kinderlose glaubten häufiger, ihre Partnerschaft zu vernachlässigen, den Anforderungen ihrer Arbeit nicht gerecht zu werden und dass die Balance zwischen ihrer Arbeit und ihrem Privatleben nicht stimmte. Unterschiede zeigten sich auch im Gesundheitsverhalten. So achteten Eltern weniger auf ausreichenden Schlaf als Kinderlose, tranken weniger Alkohol und ernährten sich gesünder. Auf der anderen Seite gab es unter den Eltern mehr Raucher, und sie trieben weniger Sport.

Zwar schaffen die meisten diese „Rushour“ ohne gesundheitliche Probleme, so der Bericht, aber der niedrige Krankenstand in dieser Altersgruppe dürfe nicht darüber hinwegtäuschen, dass sich in diesem Alter bereits erste Ansätze für chronische Krankheiten bilden. „Sollen diese besonders beanspruchten jüngeren Arbeitnehmer bis zum 67. Lebensjahr produktiv bleiben, müssen die Arbeitgeber nachhaltiger in die Gesundheit der Mitarbeiter investieren“, forderte Regina Schulz.

In den Unternehmen sollten Wünsche von Eltern mehr berücksichtigt werden

Insbesondere geht es um die Vereinbarkeit von Beruf und Familie. „Väter sind seit 2007 in den Unternehmen sichtbar geworden“, sagte Volker Baisch, Geschäftsführer der Väter GmbH, einer gemeinnützigen Unternehmensberatung für die Vereinbarkeit von Familie und Beruf. „Grundsätzlich hat sich verändert, dass Väter Elternzeit nehmen“, so Baisch. Danach würden viele gern in Teilzeit gehen, aber ihre Rolle als Ernährer der Familie stehe dem meist entgegen. Viele Väter ließen dann ihren Frauen den Vortritt in eine Teilzeitbeschäftigung. Und diese sei immer eine Karriereeinbuße. Zwei Drittel aller Eltern sagen laut Baisch, sie seien unzufrieden mit den Arbeitszeiten. „Da bahnt sich etwas an, was nicht gesund ist“, sagte Baisch und forderte einen Kulturwandel, in dem die Wünsche von Eltern mehr berücksichtigt werden.

Doch an erster Stelle steht, dass Eltern sich einig werden, wie sie Familie und Beruf unter einen Hut bekommen wollen. „Die Verhandlungen über die Vereinbarkeit fangen zu Hause am Küchentisch an und gehen dann in den Unternehmen weiter“, sagte Baisch. Schulz forderte mehr Flexibilität in den Unternehmen, sodass es ganz normal sei, dass auch Väter zu Hause bleiben.