Schockfotos sollen Raucher stoppen

Die EU-Tabakrichtlinie schreibt drastische Darstellungen und harte Warnhinweise vor

Hamburg. Noch ist die neue Tabakrichtlinie der Europäischen Union gar nicht abschließend durch, und schon gibt es die wichtigsten Änderungen zu sehen: Nach Recherchen der „Welt“ hat die EU-Kommission jetzt Schockbilder und schriftliche Warnhinweise veröffentlicht, wie sie künftig in ganz Europa auf Zigarettenpackungen vorgeschrieben sein werden. Die Darstellungen sind drastisch: Raucherkrankheiten, deformierte Körperorgane, entstellte Embryonen. Aufgedruckt sein müssen sie auf Vorder- und Rückseite der Packung. Ob diese drastischen Symbole dazu beitragen werden, das Rauchen weiter einzuschränken, dazu gibt es naturgemäß von den EU-Gesundheitsbeamten und den Zigarettenkonzernen unterschiedliche Angaben.

Mit der Abstimmung gerechnet wird vor der anstehenden Wahl zum EU-Parlament Ende Mai. Wenn die Parlamentarier zustimmen, tritt die Tabakrichtlinie umgehend in Kraft, und die Mitgliedsstaaten haben dann 24 Monate Zeit zur Umsetzung der Bestimmungen. Zentraler Punkt darin sind jene Bildmotive und Warnhinweise. Auch Werbung für Zigaretten, die „Frei von Zusätzen“ sind, wird verboten. Mentholzigaretten sind nach einer Übergangszeit von etwa sechs Jahren nicht mehr zugelassen.

Spätestens ab dem Sommer 2016 rechnet die Zigarettenindustrie damit, dass es erste Zigarettenpackungen mit Warnbildern auf zwei Drittel der Fläche in Deutschland geben wird. Welche Bilder die Tabakkonzerne aufdrucken müssen, entscheiden die Staaten selbst. Die Richtlinie ist für die Industrie praktisch durch. In ferner Zukunft könnte sich das ändern: Einige Tabakkonzerne erwägen, gegen die EU zu klagen.

Studien darüber, ob die Schockbilder tatsächlich vom Rauchen abhalten, gibt es viele. So hat eine Untersuchung in Australien ergeben, dass die dort vorgeschriebenen Einheitsschachteln den Kampf gegen den Tabakkonsum unterstützen. Dort dürfen seit Oktober 2012 nur noch einheitlich hellbraune Zigarettenschachteln mit großflächigen Fotos von Krebsgeschwüren oder Raucherlungen verkauft werden. Der Markenname findet sich klein am unteren Rand. Auch in der EU waren diese Einheitspackungen im Gespräch, allerdings hat sich die Zigarettenindustrie dagegen erfolgreich gewehrt.