Sternenhimmel

Jupiter gibt ein himmlisches Fest zur Weihnachtszeit

Das Planetarium Hamburg und abendblatt.de präsentieren Ihnen den monatlichen Sternenhimmel - zum Angucken, Anhören und Mitnehmen als Podcast.

Hamburg. Für alle Sternfreunde und die Fans der Planeten ist der "himmlische Gabentisch" in der Weihnachtszeit reich gedeckt - die wohl schönsten Sternbilder sind zu sehen, der Riesenplanet Jupiter glänzt hoch am Himmel, und die langen Nächte bieten uns viel Zeit für den Blick ins Weltall, denn unsere Sonne erreicht am 21. Dezember im Sternbild Schütze den südlichsten Punkt ihres jährlichen Weges durch den Tierkreis. Auf der Nordhalbkugel der Erde beginnt der Winter - auf der Südhalbkugel der Sommer.

Zwischen Weihnachten und Neujahr erreicht unser Mond am 28. Dezember seine Vollmondstellung - die ganze Nacht leuchtet die Mondkugel dabei im Sternbild Zwillinge. Bis zum Silvesterabend ist unser treuer Begleiter dann weitergezogen zum Löwen und steht zum Jahreswechsel hoch über dem Südosthorizont. Hoch über unseren Köpfen befindet sich an Dezemberabenden die Zickzacklinie des "Himmels-Ws", das von den hellsten Sternen der Kassiopeia gebildet wird. Im Nordwesten beginnen die sieben Sterne des "Großen Wagens" mit ihrem Aufstieg. Stunde für Stunde klettern sie in der ersten Nachthälfte immer höher.

Wie eine große Vorfahrtstafel leuchtet halbhoch im Südwesten das "Herbstviereck". An diese Sterne des Pegasus schließt sich die Sternenkette der Andromeda an. Diese Herbststernbilder sinken nun dem Westhorizont entgegen. Ihre beste Zeit ist vorbei, denn die prächtige Armada der Wintersterne beherrscht nun schon vor Mitternacht die Himmelsszene: Der ganze Südosthimmel ist angefüllt mit hell funkelnden Sternen - rund um die auffällige Sternfigur des Himmelsjägers Orion. Eine Kette drei heller Sterne bildet seinen Gürtel, je zwei Sterne darüber und darunter seine Schultern und Füße.

Aus dem Horizontdunst im Südosten - "links unterhalb" des Orions - taucht abends der hellste Fixstern Sirius auf. Er funkelt und flackert besonders stark, da sein Licht in Horizontnähe einen langen Weg durch die Erdatmosphäre zurücklegt und von den Dichteschwankungen der Luft besonders in Mitleidenschaft gezogen wird.

Ziehen wir vom Sirius eine Linie über die drei Gürtelsterne des Orions nach Westen, treffen wir "rechts über" dem Orion auf den rötlichen Stern Aldebaran und knapp darüber auf den unübersehbar hellen Planeten Jupiter im Stier. Der Stier ist das nördlichste Sternbild des Tierkreises. Zurzeit steht die Sonne im genau gegenüberliegenden Tierkreissternbild Schütze - daher ist der Stier zusammen mit Jupiter die ganze Nacht zu sehen.

Jupiter hat in diesem Monat seinen Gala-Auftritt. Am 3. Dezember gelangt er in Opposition zur Sonne. Sobald sie im Südwesten untergeht, geht Jupiter im Nordosten auf. Um Mitternacht steht er hoch im Süden und sinkt bei Sonnenaufgang unter den Nordwesthorizont. Der Planet ist dabei in Erdnähe und erscheint uns daher besonders hell. Trotzdem ist Jupiter noch mehr als 600 Millionen Kilometer von uns entfernt. Er reflektiert aber immer noch genug Sonnenlicht, um alle Sterne an Helligkeit zu übertreffen. In der Weihnachtszeit ist Jupiter in diesem Jahr "unser Weihnachtsstern". Tatsächlich deutet viel darauf hin dass er vor zweitausend Jahren in einer seltenen Planetenkonstellation als der wahre "Stern von Bethlehem" angesehen werden kann.

Umgeben ist Jupiter von der funkelnden Sternenpracht der Wintersterne und befindet sich zudem im "Goldenen Tor der Ekliptik" - nördlich von Aldebaran und zwischen den beiden Sternhaufen der Hyaden und dem kompakten Siebengestirn - den Plejaden, die rechts über Jupiter leuchten. Sechs Sterne sind dabei in der Form eines winzigen, anderthalb Grad am Himmel ausgedehnten Wagens angeordnet.

Dieser offene Sternhaufen im Sternbild Stier ist auch als "Siebengestirn" bekannt. Der griechischen Sage nach waren es die sieben Töchter von Atlas und Pleione, die hier mit ihren Eltern versammelt sind. Unter Großstadtbedingungen sind nur sechs Plejadensterne zu sehen. Pleione ist aber ein veränderlicher Stern und dies führte Astronomen zu der Vermutung, dass sie vielleicht früher heller strahlte und so die in verschiedenen Kulturen verbreitete Geschichte eines siebten, verlorenen Plejadensterns erklärt werden könne. Bis zu 18 Plejadensterne sind unter idealen Bedingungen mit freiem Auge zu sehen. Ein Fernglas zeigt etwa dreimal so viel Sterne, die zu diesem, 400 Lichtjahre entfernten Sternhaufen gehören. Das "Siebengestirn" ist einer der nächst gelegenen Sternhaufen.

Knapp daneben verläuft der Wanderweg von Sonne, Mond und Planeten. Diese Tierkreislinie zieht sich abends im hohen Bogen über den Himmel: Von den Fischen im Südwesten hoch hinauf über Widder, Stier und Zwillinge hin zum Krebs im Südosten. Hoch über dem Orion kreuzt der Tierkreis die Milchstraße fast im rechten Winkel. Unser Sonnensystem und die Bahnen der Planeten liegen quasi senkrecht zu der Ebene, in der die Sterne um das Milchstraßenzentrum kreisen. Ein großes Sechseck aus hellen Sternen umrahmt die "himmlische Kreuzung". Dieses "Wintersechseck" wird gebildet von Sirius, Aldebaran, Rigel, dem östlichen Fußstern des Orions, der Capella im Fuhrmann, den Zwillingssternen Castor und Pollux sowie Prokyon im "Kleinen Hund". Alle elf Jahre hält sich Jupiter einige Monate in diesem "Sternenrahmen" auf. Am 25. Dezember gesellt sich der Mond zu ihm und zieht dann als Vollmond durch das Wintersechseck.

Wer bis nach Mitternacht ausharrt, erlebt, wie im Osten bereits die Frühlingssternbilder Löwe und Jungfrau heraufsteigen. Zwischen vier und fünf Uhr morgens geht im Südosten der Ringplanet Saturn auf, der im Grenzgebiet Jungfrau-Waage seine Bahn zieht. Mit Beginn der Morgendämmerung taucht schließlich der "Morgenstern" auf - unser Nachbarplanet Venus - und beendet den nächtlichen Reigen.

Diese Monatssternkarte ist auch erhältlich im Planetarium Hamburg oder kann im Internet zusammen mit dem dazugehörenden Sternen-Podcast heruntergeladen werden: www.abendblatt.de/sterne