Meeresschutz von der Mönckebergstraße

Neues WWF-Zentrum arbeitet seit 2006 in Hamburg

Hamburg. "Ich finde einen Schwarm Heringe riesig attraktiv." Das antwortet Heike Vesper, die beim WWF-Deutschland die Fischerei-Kampagne leitet, wenn sie gefragt wird, ob es nicht schöner wäre, für Robben oder Wale zu kämpfen. Im Übrigen, ergänzt die 41-Jährige, gehe es bei der nachhaltigen Fischerei auch um die Rettung von Meeresschildkröten, Robben und Wale, die sich in den Fangnetzen der Industriefischerei verheddern.

Seit 1999 hat sich die studierte Meeresbiologin dem Thema Fischerei beim WWF-Zentrum für Meeresschutz verschrieben. Zunächst waren sie in Bremen kaum mehr als eine Handvoll Kollegen plus ein, zwei Mitstreiter in Husum und Stralsund. Das Zentrum wuchs, wurde durch internationale WWF bereichert und zog 2006 nach Hamburg.

Jetzt residieren die WWF-Meeresschützer an der Mönckebergstraße, und Heike Vesper leitet eine 20-köpfige Kollegenschar. Die Mutter zweier Töchter (drei und sieben Jahre alt) kann sich keinen schöneren Job vorstellen. "Ich arbeite in einem internationalen Netzwerk. Weltweit sind wir etwa 40 Kollegen, die sich dem Fischerei-Thema verschrieben haben. Wir haben dasselbe Ziel und gleichzeitig große Freiheiten, wie wir unsere Arbeit gestalten." Das schaffe Raum für Kreativität, sagt die Biologin.

Ihr Job bestehe aus "reden, reden, reden", so Vesper. Das Forschen überlasse der WWF entsprechenden Institutionen, etwa in Kiel, Hamburg und Bremen/Bremerhaven. Selbst das Auswerten wissenschaftlicher Studien laufe außer Haus. Heike Vesper: "Wir bekommen die Quintessenz geliefert und nutzen das Wissen, um Fischereivertreter und Vermarkter, Konsumenten und Politiker von einer intelligenten Fischerei zu überzeugen." Die Fischliebhaberin spricht von Fangpraxen, die die Bestände schonen.

Meeresbiologin Heike Vesper betont die Macht der Konsumenten. 2001 publizierten sie und ihre Kollegen den ersten WWF-Fischführer als Entscheidungshilfe für den Lebensmitteleinkauf. Er zeigt, ebenso wie das Ökozeichen MSC, welche Fische nachhaltig gefangen wurden. Sie selbst esse gern Hering, Makrele oder Seelachs. Andere Arten, die zerstörerisch gefangen werden, "bleiben mir im Hals stecken. Es ist bestimmt 15 Jahre her, dass ich zum letzten Mal Kabeljau oder Thunfisch gegessen habe".

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