Internetwirtschaft

Neue Netzwerke wollen Daten besser schützen

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Lorenz Gosch

Foto: dpa

Angriff auf Facebook. Alternative Projekte setzen auf Transparenz und Mitbestimmung. So auch das jüngst gestartete Projekt "mensch.coop".

Hamburg. Mit seinen inzwischen mehr als 600 Millionen Mitgliedern und einem geschätzten Marktwert von 50 Milliarden US-Dollar hat sich das zurzeit populärste soziale Netzwerk Facebook fest in das öffentliche Leben integriert. Sogenannte Instant Ads sollen jetzt die Werbemöglichkeit privater Unternehmen innerhalb von Facebook noch verstärken. Das sind Werbeanzeigen, die sofort auf dem Bildschirm des Nutzers erscheinen, sobald dieser etwas schreibt, wofür geworben wird. Einige Nutzer befürchten dadurch einen zweifelhaften Umgang mit ihren Daten bei den großen sozialen Netzwerken. Eine Chance für kleine, alternative Projekte.

Wer nur ein wenig im Internet sucht, wird schnell fündig. Überall in der Welt sind inzwischen kleinere und größere soziale Netzwerke am Start, teils fortgeschritten, teils noch in der Testphase - auch in Hamburg. Die Mehrheit dieser Projekte versucht, vor allem in einem Punkt nutzerfreundlicher zu sein: im Datenschutz.

Wie das jüngst gestartete mensch.coop. Das Projekt ist als Genossenschaft strukturiert. Die Nutzer sind in einem Verein organisiert und haben ein Vetorecht an der Genossenschaft. Sie können also im Falle einer umstrittenen Änderung dagegen stimmen und Einfluss nehmen. Dieses Mitbestimmungsrecht könnte gerade in Punkten, die den Datenschutz betreffen, einen großen Vorteil für die Nutzer bedeuten. Zudem sollen diese die Möglichkeit haben, ihre Daten dezentral zu speichern. Bei sozialen Netzwerken wie Facebook werden sämtliche Daten zentral in einer einzigen Serveranlage gespeichert. Die Leitung des Netzwerkes hat also - theoretisch - uneingeschränkten Zugriff auf alle Daten.

Mensch.coop will es den Nutzern ermöglichen, andere oder sogar eigene Server zu nutzen. Für die eigenen Daten hieße das ein Maximum an Schutz. Allerdings setzt das Betreiben eines eigenen Servers auch Fachkenntnisse voraus, was problematisch ist. "90 Prozent der Nutzer wollen einfach nur ihren Account nutzen, ohne größeren Aufwand", sagt Steffen Neumann, Pressesprecher von mensch.coop. "Eigeninitiative ist den meisten Menschen schlicht zu aufwendig und kompliziert."

Gerade diese dezentrale Speicherung wollen vier New Yorker Studenten vereinfachen und dem "normalen" Nutzer möglich machen. Ihr Projekt "Diaspora" soll im September online gehen und eine Vielzahl an Speichermöglichkeiten bzw. -lokalitäten bieten.

Was Datenschutz betrifft, ist die Hamburger Stiftung OpenNetworX durch das deutsche Gesetz abgesichert. Allgemein dürfen in einer Stiftung keine Daten weitergereicht werden, etwa Profit zu machen. Die Hamburger haben mit immerhin 50 000 Nutzern schon eine vergleichsweise feste Position im deutschsprachigen Internet erreicht. Vor allem in seiner Funktionsweise soll es bisher einzigartig sein. "Bei OpenNetworX wird nicht nur, wie etwa bei Facebook, simpler Content in einem einzigen Raum angezeigt, sondern es dient als Arbeitstool", sagt Felix Schröder von OpenNetworX. Damit wird auf die Möglichkeit des Nutzers angespielt, ein eigenes Subnetzwerk im Gesamtnetzwerk zu erstellen. Das kann ganz frei nach den eigenen Bedürfnissen gestaltet werden. Zudem lässt es sich in OpenNetworX wesentlich vielseitiger arbeiten. Man kann Dokumente gemeinsam erstellen, ähnlich wie in der Online-Enzyklopädie Wikipedia, oder bearbeiten. Als wohltätige Stiftung stellt OpenNetworX sein Netzwerk außerdem gemeinnützigen Organisationen zur Verfügung.

Bevor sich Mark Zuckerberg, Gründer von Facebook, wirklich Sorgen um den Umsatz seines Unternehmens machen muss, wird es noch eine Weile dauern - die Nutzung von kleineren sozialen Netzwerken läuft erst langsam an. Doch es gibt sie, die Alternativen, und das erkennt auch Zuckerberg an: Er spendete dem Projekt Diaspora Geld, denn es sei ein "cooles Projekt".