Äthiopische Hirse als Heidepflanze

Landwirtschaftskammer Niedersachsen experimentiert mit dem Getreide Teff, das trockene Sommer verträgt

Uelzen. "Endlich regnet es - aber eigentlich kommt der Niederschlag vier Wochen zu spät." Intensiv betrachtet Monika von Haaren ein Mosaik aus Feldern, auf denen sich mal helle, mal bräunliche Grashalme bei Schmuddelwetter im Wind wiegen. Es sind Süßgräser der Art Eragrostis tef, der Zwerghirse, die hier nahe Uelzen wächst. In Äthiopien dient sie als Grundnahrungsmittel und Viehfutter. Die Hirse, kurz Teff, benötigt deutlich weniger Wasser und könnte eine Antwort sein auf trockener werdende Sommer, die gerade im Nordosten Niedersachsens den Landwirten zu schaffen machen.

Die Geografin leitet ein Forschungsprojekt der Landwirtschaftskammer (LWK) Niedersachsen, das Teil der Initiative Klimzug-Nord ist. Hier sind norddeutsche Projekte versammelt, die Ansätze erproben, mit denen sich verschiedene Akteure in Zukunft an veränderte Klimaverhältnisse anpassen können. In der Landwirtschaft wird Nordostdeutschland, vor allem das Land Brandenburg, zunehmend unter sommerlichen Dürreperioden leiden, prognostizieren die Klimaforscher. Aber auch der Raum Uelzen ist anfällig für Trockenheit, denn die sandigen Böden speichern wenig Wasser. Schon heute würden in der Heideregion 90 Prozent der Ackerflächen künstlich beregnet, so von Haaren, in keiner anderen europäischen Region werde so viel Freiland künstlich bewässert.

Die Idee, die trockenheitsverträgliche Hirse probehalber in der Versuchsstation für Acker- und Pflanzenbau in Hamerstorf anzubauen, brachte eine Kollegin von ihrer Urlaubsreise aus Äthiopien mit. Ende Mai säten die LWK-Forscher erstmals vier Teff-Sorten aus, darunter "Ivory" (Elfenbein) mit hellen Rispen und "Brown" mit dunkleren. Die eine oder andere Hirse-Variante könne sich als spannende Alternative zu herkömmlichen Getreidearten erweisen, so ihre Hoffnung. Sie wollen den Wasserbedarf des afrikanischen Getreides ermitteln und schätzen, dass es etwa mit der Hälfte der Menge auskommt, die zum Beispiel Weizen braucht. Allerdings liegt auch der Ertrag deutlich niedriger. Je Hektar lassen sich bestenfalls 2000 Kilogramm Teff ernten, Weizen und Gerste werfen dagegen 8000 bis 9000 Kilo ab.

Die Zwerghirse bringt winzige Samen hervor. Ähnlich feinkörnig wie Heidesand, stellten sie Versuchsleiter Torben Dehning schon beim Einsäen vor technische Probleme. "1000 Weizenkörner wiegen 50 Gramm, 1000 Teffsamen jedoch nur 0,3 bis 0,4 Gramm", sagt Dehning. Die kleinsten Saatkörner unter den üblichen Kulturpflanzen hat Raps. Sie bringen als Tausender-Päckchen immerhin noch fünf Gramm auf die Waage. Dehning: "Bei der Aussaat haben sich die Teffkörner nur schlecht verteilt." Er hatte eine Sämaschine für Getreide eingesetzt, im nächsten Jahr wird es eine für die Aussaat von Gräsern sein.

Teff benötigt kaum Pflanzenschutzmittel und kann mit wenig Düngung extensiv angebaut werden. Deshalb ist das Getreide gerade für den ökologischen Anbau interessant. Die Bio-Kunden würden vielleicht auch die guten Ernährungseigenschaften besonders zu schätzen wissen. Von Haaren: "Teff ist glutenfrei und daher für Menschen mit einer Unverträglichkeit gegenüber Gluten - Zöliakie - sehr gut geeignet. Es enthält viele wertvolle Inhaltsstoffe wie essenzielle Aminosäuren, etwa Lysin, und Mineralstoffe, vor allem Kalzium und Kalium - die äthiopischen Dauerläufer schwören auf Teff." Zudem lasse sich das Mehl sehr gut verbacken. Die Bauckhof Mühle in Rosche produziert bereits Mehl aus zugekauftem Teff. Es sieht aus wie Vollkornmehl und hat einen nussigen Geschmack.

Die Pflanze mag keinen Frost und kann erst ausgesät werden, wenn die Gefahr von Nachtfrösten vorbei ist. Mit kühleren Sommern kommt die grüne Afrikanerin dagegen zurecht, denn sie wächst auch im Hochland von Äthiopien. Ebenso kann sie zu viel Regen - Überschwemmungen - wegstecken.

Wie gut sie tatsächlich auf niedersächsischem Boden gedeihen kann, werden jedoch erst die nächsten Jahre zeigen. In diesem Sommer fiel auf den Versuchsfeldern seit dem ersten Juni praktisch kein Niederschlag (insgesamt 40 Millimeter, normalerweise sind es im Sommer 60 mm pro Monat) - dieser Hardcore-Test hat auch die Widerstandfähigsten niedergestreckt: Die Hirsepflanzen sind höchstens kniehoch gewachsen. An einzelnen Feldrändern bekamen die Versuchskulturen etwas künstlichen Regen ab. Nur dort reichen die Zwerghirsenhalme deutlich an die Oberschenkel. Dehning bezeichnet die Situation ganz trocken als "Totalausfall".

Er kann die verspäteten Regenduschen jetzt überhaupt nicht gebrauchen. Derzeit ist Erntezeit auf der Versuchsstation, und dabei stört der Regen nur. "Jetzt hätten die Niederschläge ruhig noch 14 Tage warten können", sagt er. Dann ist auch die Zwerghirse reif. Sie wird wie Grassaat geerntet und drei bis vier Tage später gedroschen.

Der verspätete Landregen lässt an diesem Vormittag schon nach einer Stunde wieder nach. Für die dürstende Botanik war er nicht viel mehr als ein Tropfen in den heißen Sand.