Schlafmittel steigern das Krebsrisiko

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Pia Heinemann

Laut einer Studie können acht der gängigsten Medikamente schwere Folgen nach sich ziehen

San Diego. Meist ist es der Stress, der uns den Schlaf raubt. Gedankenkreisen, Grübeln, Sorgen und Ängste sind Schlafkiller. Ein geruhsamer Schlaf ist für jeden zweiten Deutschen keine Selbstverständlichkeit. Doch wer dann häufiger zu Schlafmitteln greift, geht einer neuen Studie zufolge ein erhebliches Risiko ein. "Schlafmittel sind offenbar gesundheitsschädlich", warnen US-Forscher vom Viterbi Family Sleep Center der Scripps Institution in San Diego im "British Medical Journal". Gängige Schlafmittel könnten für Hunderttausende Todesfälle pro Jahr verantwortlich sein.

Die Forscher hatten Gesundheitsdaten von rund 34 000 Patienten über zweieinhalb Jahre hinweg analysiert. 10 531 Teilnehmer hatten im Untersuchungszeitraum Schlafmittel in unterschiedlicher Häufigkeit und Dosierung eingenommen. Für die Auswertung verglichen die Forscher Schlafmittelnutzer mit Versuchspersonen ähnlichen Alters, Geschlechts und Gesundheitszustands, die keine Schlafmittel einnahmen. Das Ergebnis: Bei Patienten, die bis zu 18-mal Schlafmittel im Jahr eingenommen hatten, war die Sterberate um mehr als das Dreifache erhöht. Die Anzahl der Krebsfälle sei bei Schlafmittelkonsumenten um 35 Prozent höher, schreiben die Forscher. In allen Altersgruppen seien im Studienzeitraum mehr Patienten aus der Schlafmittelgruppe gestorben als aus der Kontrollgruppe.

"Groben Schätzungen nach könnten diese Medikamente allein in den USA für 320 000 bis 507 000 zusätzliche Todesfälle im Jahr 2010 verantwortlich gewesen sein." In den USA schätzen die Forscher die Zahl der Schlafmittelnutzer auf sechs bis zehn Prozent aller Erwachsenen. In Deutschland sind die Zahlen mit denen aus den USA wahrscheinlich vergleichbar: Der DAK-Report 2010 hatte ergeben, dass zehn Prozent der Beschäftigten in den vergangenen drei Monaten Schlafmittel eingenommen hatten.

Diejenigen, die in Deutschland auf die Pharmazie vertrauen, nehmen auch die Mittel ein, vor denen die US-Forscher nun warnen: Schlafmittel der sogenannten Z-Klasse, die als modern und sehr nebenwirkungsarm gelten. Hierzu gehören etwa die Wirkstoffe Zaleplon (das in Deutschland allerdings nicht mehr zugelassen ist), Zolpidem und Zopiclon. Auch Benzodiazepine, Barbiturate und einige als Schlafmittel eingesetzte Antihistaminika wurden von den Studienteilnehmern eingenommen. In Deutschland nicht zugelassen sind Medikamente mit dem Wirkstoff Eszopiclon, die ebenfalls besagte Risiken bergen.

Schon in geringen Dosen, warnen die US-Forscher, könnten acht der gängigsten Schlafmittel gesundheitliche Folgen nach sich ziehen. "Das war das vielleicht überraschendste Ergebnis der Studie", sagen sie. Die Mittel führten wahrscheinlich zum verfrühten Tod, indem sie Herzerkrankungen, Krebs und andere Leiden, aber auch Unfälle förderten. Die US-Forscher sind sich sicher, dass ein Zusammenhang zwischen der Einnahme der Schlafmittel und dem erhöhten Sterbe- und Krebsrisiko besteht.

Das Ergebnis bestätige auch Hinweise früherer Studien. So hatte bereits 2010 eine kanadische Studie in einem Untersuchungszeitraum von 13 Jahren gezeigt, dass die Sterberate von Studienteilnehmern, die mindestens einmal im Monat Schlafmittel einnahmen, mit 15, 7 Prozent deutlich höher war als bei denen, die keine Schlafmittel benutzten (10,5 Prozent).