Virus: Wie Taiwanesen den Erreger im Aufzug bekämpfen

Schweigen gegen die Schweinegrippe

Die Gesundheitsbehörden in Taiwanwarnen : "Vermeiden Sie, in Fahrstühlen zu sprechen."

Die Schweinegrippe schlägt erbarmungslos zu - und macht die Welt zur Sau. Maßlos unterschätzt in diesem Feldzug wird folgende Regel des Erregers: Er benebelt die Sinne, lange bevor er den Organismus befällt. Schon der Name hat eine tierische Wirkung. So wurde das einzige bekannte (echte) Schwein Afghanistans in Quarantäne verbannt - in den Zoo von Kabul, "weil die Menschen Angst haben, die Grippe zu bekommen", begründete Zoo-Chef Asis Gul Sakib. Dabei gilt: Kein Schwein steckt mich an. Vielmehr tun das infizierte Menschen. Und die sind gefährlich, sobald sie den Mund aufmachen. Zum Beispiel im Aufzug. Deshalb warnen die Gesundheitsbehörden in Taiwan: "Vermeiden Sie, in Fahrstühlen zu sprechen." Klappe halten bis zum 7. Stock? Vielleicht sollten die Chinesen gleich die Treppe nehmen, bevor ihnen ein unbedachtes Wort rausrutscht.

Traditionell gern mit Verboten reagiert die katholische Kirche. So hat der Erzbischof von Neapel ab sofort die über Jahrhunderte erprobte Praxis untersagt, die Ampullen mit dem Blut des Märtyrers und Stadt-Heiligen Januarius zu küssen. Im Dom der nicht gerade für übertriebene Hygiene bekannten Metropole dürfen die Neapolitaner die Reliquien aus dem 4. Jahrhundert nur noch touchieren. "Mit der Stirn berühren ist erlaubt", beruhigt ein Sprecher des Gotteshauses. Auch das liberale Schweden fackelt nicht lange. Der nationale Fußballverband verbietet seinen Profis, gegnerischen Spielern die Hand zu reichen oder nach dem Match locker abzuklatschen. Fairplay sieht anders aus. "Wir hatten Fälle mit Schweinegrippe", rechtfertigt Verbandsarzt Per Renström die neuen Regeln. Ungeregelt bleiben die engen Körperkontakte bei Zweikämpfen, Spontanumarmungen und wildem Übereinanderherfallen nach jedem Treffer: platzübergreifende Infektionsgefahr.

Zurück zum Schwein, dem nur in Israel Genugtuung widerfährt. Dort heißt die Grippe Mexikanische, weil kein Orthodoxer den Namen des unreinen Tieres in den Mund nehmen will.

Und in Deutschland? Hier sinkt die Ansteckungsrate von wöchentlich 3300 Neuinfektionen (Ende August) auf derzeit 1200. Vielleicht geht die Kurve nach dem Oktoberfest wieder steil nach oben. Denn nicht jeder wird den Rat des Bonner Hygiene-Experten Martin Exner befolgen, sich dorthin unbedingt "ein Fläschchen Desinfektionsmittel mitzunehmen".

Man weiß ja nie, wer einem ins Bier spuckt.