Klimaforschung

Hamburger Wetterwarte - eine von zwölf Klimastationen

Um den Klimawandel in Zukunft noch präziser und sicherer beobachten zu können, hat der Deutsche Wetterdienst (DWD) ein Netz von zwölf Klimareferenzstationen aufgebaut.

Eine von ihnen ist die Flugwetterwarte in Fuhlsbüttel, die gestern in einer Feierstunde diese zusätzliche Aufgabe übernahm. "Die ausgewählten Stationen werden mit weiteren Geräten ausgestattet, um moderne und ältere Systeme parallel zu betreiben", erklärt DWD-Sprecher Günter Delfs. "Nur so können wir überprüfen, ob es zu Abweichungen kommt, und langfristig sicherstellen, dass in den langen Zeitreihen, die wir in der Klimaforschung brauchen, keine Brüche durch unterschiedliche Messverfahren entstehen."

Das Dutzend Standorte repräsentiert jeweils typische deutsche Landschaftsformen und Klimas. "Die Flugwetterwarte haben wir ausgesucht, weil dort schon seit 1925 intensiv gemessen wird, wir also eine recht lange Zeitreihe haben", so Delfs, "Helgoland wurde vor allem wegen seiner exponierten Lage ausgewählt." Weitere Referenzstationen arbeiten in Schleswig, Aachen, Frankfurt (Main), Potsdam, Lindenberg, Görlitz und Konstanz, auf dem Brocken, Fichtel- und Hohenpeißenberg.

Sie alle messen schwerpunktmäßig Luftdruck, verschiedene Luft- und Bodentemperaturen, Niederschläge, die relative Luftfeuchtigkeit und die Sonnenscheindauer. Das 13-köpfige Team der Hamburger Flugwetterwarte erfasst aber auch Radioaktivität in der Luft und im Niederschlag - dies erhielt 1986 durch die Reaktorkatastrophe von Tschernobyl eine dramatische Bedeutung.

Mit dem "exklusiven Stationsnetz" stelle der DWD sicher, "dass auch in den kommenden 100 Jahren hochwertige Beobachtungsdaten zur Verfügung stehen", betonte DWD-Präsident Wolfgang Kusch gestern in Hamburg. Mit Blick auf die bis ins Jahr 1868 zurückreichenden Temperaturdaten, zunächst ausgeführt von der Norddeutschen Seewarte oberhalb der Landungsbrücken, meinte Kusch: "Hamburg war schon bisher ein wichtiger Ort auf der meteorologischen Landkarte Deutschlands."

Die Messungen der Vergangenheit zeigen vor allem eines: Es ist wärmer geworden in der Hansestadt. Im Zeitraum von 1901 bis 2007 stieg die Jahresmitteltemperatur um 1,1 Grad. Die größte Veränderung registrierten die Meteorologen für die Herbstmonate; hier lag der Temperaturanstieg bei 1,3 Grad. Bei den Niederschlägen gibt es keinen eindeutigen Trend.

Der nächste Schritt nach der Gründung der zwölf Referenzstationen sei bereits anvisiert, verrät der DWD-Sprecher Delfs: "Unser Präsident möchte daraus ein europäisches Projekt machen, um europaweit langfristig homogene Wetterdaten sicherzustellen."