Der Einfluss des Erdtrabanten

Tiere, die nach dem Mond leben

Die Leckerbissen kommen regelmäßig aus der Tiefe - zum Entzücken der Menschen auf den Fidschi- und Samoa-Inseln östlich von Australien. Dann wimmelt es im Meer von grünlichen Würmern.

Nur im Oktober und einmal im November schlängeln sie sich nach Mitternacht zum schimmernden Mondlicht und bescheren den Insulanern ein Festmahl - gebacken, gedünstet in Bananenblättern oder roh. "Mbalolo" heißen die borstigen Ringelwürmer. Zoologen nennen ihre Gattung Palola.

Das Naturschauspiel ereignet sich nur nach dem dritten Mondviertel im Oktober, stets in der zweiten Nachthälfte, eine Nachhut folgt einen Monat später. "Liegt das dritte Mondviertel vor dem 18. Oktober, findet das Hauptschwärmen im November statt", schreibt Wolfgang Engelmann, ein Fachmann für biologische Rhythmen, in seinem Werk "Uhren, die nach dem Mond gehen" über den "Einfluss des Mondes auf die Erde und ihre Lebewesen".

Die Würmer sind nicht die einzigen mondsüchtigen Organismen. Auch einige Zuckmücken-Arten der Gattung Clunio knüpfen ihre Fortpflanzung an die Mondperiodik - so die an Europas Atlantikküsten lebende Einstundenmücke Clunio marinus. Die Larven leben im strandnahen Braunalgen-Rasen, der bei Ebbe trockenfällt. Reife Larven verpuppen sich, wenn Sonne und Mond mit vereinten Kräften eine Springflut auslösen. "Die Tiere schlüpfen nur an den Tagen unmittelbar nach Voll- oder Neumond", sagt Prof. Thomas Hoffmeister vom Institut für Ökologie und Evolutionsbiologie der Uni Bremen. Sofort danach suchen die Fliegenmänner nach Weibchen. Denn zur Paarung bleibt nur gut eine Stunde Lebenszeit. Den Wettlauf gegen die Uhr muss auch die am afrikanischen Victoria-See lebende Eintagsfliege Povilla adusta gewinnen. Sie beendet ihr Larvenstadium "in den Nächten kurz vor und nach Vollmond", berichtet Engelmann. Da die Fliegen nur etwa 90 Minuten leben, müssen sie "in einem engen Zeitfenster schlüpfen", um sich zu paaren.

Der Mond gibt etlichen Tieren den Rhythmus vor und hilft manchen Arten beim Sehen. "Bei Mondschein können sonst tagaktive Arten Nahrung aufnehmen", sagt Hans-Günther Bauer von der zum Max-Planck-Institut für Ornithologie gehörenden Vogelwarte Radolfzell, etwa Möwen und Gänse. Zur Orientierung werde der Mond "aber offensichtlich nicht verwendet, da scheinen Sterne besser zu funktionieren".