Schulen

Medienkompetenz: So will Facebook jetzt Lehrern helfen

Facebook ist vielen unheimlich – und die Möglichkeiten überfordern auch Lehrer. Der Konzern will nun bessere Wissensgrundlagen schaffen.

Facebook ist vielen unheimlich – und die Möglichkeiten überfordern auch Lehrer. Der Konzern will nun bessere Wissensgrundlagen schaffen.

Foto: DADO RUVIC / Reuters

Viele Lehrer sind überfordert mit sozialen Medien. Facebook selbst will nun Abhilfe schaffen. Wie der Konzern Vertrauen schaffen will.

Berlin. Die Medienkompetenz von Lehrern ist immer wieder Grundlage für hitzige Debatten. Es fehle vor allem älteren Kollegen an dem notwendigen Wissen, die technikaffine Jugend im Unterricht mitzunehmen. Und während sich der Lehrkörper nur langsam an Netzwerke wie Instagram herantaste, liken, lieben, posten und mobben selbst Grundschüler dort schon auf Profiniveau.

Nun schickt sich ausgerechnet der Konzern hinter drei der wichtigsten modernen Kommunikationswege an, die Lehrer über all das aufzuklären, was da so online geschieht. Facebook – zu der Firma gehören auch Instagram und WhatsApp – hat einen Leitfaden herausgegeben. Der soll Erziehenden das nötige Handwerkszeug mitgeben.

„Unsere Plattformen bieten eine Reihe von Funktionen und Einstellungen, die zu einem informierten und sicheren Online-Verhalten beitragen“, heißt es in einer Mitteilung. „Diese erklären wir in unserem Leitfaden und geben beispielsweise Antworten auf die Fragen: Wie schützt man sein eigenes Profil und seine Privatsphäre? Wie meldet man Spam?“

Facebooks Lehrer-Leitfaden: Zusammenarbeit mit unabhängigen Angeboten

Dass vor allem in Deutschland auch immer eine gewisse Skepsis herrscht, wenn sich Firmen ins Private einmischen wollen, war Facebook offenbar bewusst. Entsprechend hat man sich unabhängige Partner gesucht, die das Projekt unterstützen – etwa Klicksafe, den Elternguide.online, fragFinn und die Nummer gegen Kummer. Institutionen, die von der Bundesregierung unterstützt werden.

Einher mit der Erstellung des Leitfadens ging eine Studie mit der Info GmbH Markt- und Meinungsforschung. Die Ergebnisse:

  • Soziale Netzwerke werden immer häufiger als Arbeits- und Recherchemittel eingesetzt
  • Knapp ein Drittel der Lehrkräfte nutzt soziale Medien im beruflichen Kontext, ganz besonders WhatsApp
  • Facebook und Instagram spielen vor allem bei den unter 40-jährigen Lehrkräften eine große Rolle im Berufsalltag
  • 50 Prozent der Lehrer fühlt sich unsicher im Umgang mit sozialen Netzwerken
  • Die Befragten waren sich einig, dass es eine wichtige Aufgabe der Schule sei, die Kompetenzen von Kindern und Jugendlichen bei der Nutzung sozialer Medien zu steigern, weil die Nutzung eine enorme Rolle im Alltag einnimmt
  • Die größte Aufgabe sehen die Lehrer in der Vermittlung von Medienkompetenz – damit die Schüler einen verantwortungsvollen Umgang mit den neuen Medien erlernen

Neben dem Facebook-Angebot für Lehrer können sich auch Eltern mit dem Leitfaden informieren. Alternativ gibt es auch vollständig unabhängige Angebote wie „Schau Hin“, eine Initiative des Bundesfamilienministeriums sowie ARD und ZDF, die auf ihrer Website die Grundlagen zum Beispiel von Facebook erklärt sowie Eltern- und Lehrerfragen beantwortet.

Expertin empfiehlt Eltern, rechtzeitig für Gefahren zu sensibilisieren

„Schau Hin“-Medienpädagogin Iren Schulz empfiehlt Eltern, grundsätzlich darauf zu achten, welche Dienste ihre Kinder nutzen – und sich nicht nur darauf zu verlassen, dass das die Kinder selbst oder Lehrer tun. „Sensibilisieren Sie Ihr Kind für die Gefahren Sozialer Netzwerke und sprechen Sie über die Bedeutung und den Schutz von persönlichen Daten wie Adresse, Telefonnummer oder Geburtstag.“

Ein Gericht entschied Ende August, dass Facebook weiter Nutzerdaten sammeln darf. Gleichzeitig will der Richterbund, dass der Konzern Nutzerdaten im Kampf gegen Straftaten ausgibt. Dass viele Eltern alles teilen wollen, nervt inzwischen einige Schulleiter. Entsprechend gibt es einigen Grundschulen nun Fotoverbote. (ses)