Welt-Emoji-Tag

Warum Nutzer von Emojis deutlich sympathischer wirken

Dem Chef sollte man lieber keine Nachricht mit Zwinkersmiley und Co. schicken. Allen anderen aber offenbar schon, wie eine Studie vermuten lässt.

Dem Chef sollte man lieber keine Nachricht mit Zwinkersmiley und Co. schicken. Allen anderen aber offenbar schon, wie eine Studie vermuten lässt.

Foto: Arno Burgi / dpa

Seit ihrer Erfindung werden Emojis immer beliebter. Eine Studie zeigt nun, warum man die Zeichen am Welt-Emoji-Tag ruhig feiern sollte.

Berlin.  Am Anfang war das :-). Den Smiley aus einer Tastenkombination schlug 1982 der Informatik-Professor Scott Fahlma vor. Das Zeichen hatte für ihn einen ganz praktischen Hintergrund. In einem digitalen Uni-Forum sollten sich damit ernste und humorvolle Beiträge besser voneinander unterscheiden lassen.

Einige Jahre später entwickelte der Japaner Shigetaka Kurita eine große Vision: Dank einer universellen Sprache sollten sich alle Menschen verständigen können. Die ersten Emojis – japanisch für Piktogramm –, die er 1999 entwickelte, waren ein Sonnen-Symbol und ein aufgeklappter Regenschirm. Letztlich entwarf Kurita 176 Emojis, die noch heute die Basis aller weiteren Emoji-Designs sind.

Welche Wirkung haben Emojis?

Heute sind die Piktogramme nicht mehr aus unserer digitalen Kommunikation per SMS, WhatsApp oder Facebook-Messenger wegzudenken. Mehr als 2.300 Symbole sind in Gebrauch, ständig kommen neue hinzu. Der Lolli etwa kann mittlerweile durch den Unicode U+1F36D dargestellt werden. Sogar den Welt-Emoji-Tag begehen Fans seit vier Jahren am 17. Juli. Warum gerade an diesem Tag? Auf dem Kalender-Emoji bei iOS und Android ist exakt dieser Tag abgedruckt.

Zwar sind die Smileys und Bildchen im Arbeitskontext teilweise noch verpönt – laut Karriereberatern sollte man dem Chef lieber keine Mail mit Zwinkersmiley schicken. Dennoch zeigt nun eine neue Studie, dass ihre Verwendung meist einen eindeutig positiven Einfluss hat.

Emoji-Nutzer nämlich werden als sympathischer wahrgenommen, wie Wera Aretz, Psychologieprofessorin an der Hochschule Fresenius in Köln, nun in einer Untersuchung zeigen konnte. Aretz setzte sich in ihrer Studie mit der Frage auseinander, warum die von der Ästhetik japanischer Mangas inspirierten Bildchen mittlerweile so häufig genutzt werden, wie sie wirken und auch, ob Männer und Frauen sie unterschiedlich verwenden. Dazu befragte sie 264 Probanden im Alter zwischen 12 und 92 Jahren, die entweder einen Text ohne oder mit Emojis erhielten und den Verfasser des Textes einschätzen sollten.

Die wichtigste Erkenntnis: Verfasser von Texten mit Emojis wurden als deutlich sympathischer eingeschätzt, jene von Texten ohne Emojis allerdings als durchsetzungsstärker und selbstbewusster. „Emojis beeinflussen also, wie jemand wahrgenommen wird. Sie können daher auch zur strategischen Eindruckssteuerung genutzt werden“, konstatiert Studienautorin Aretz.

Diese Piktogramme werden am häufigsten genutzt

Dass eine solche Analyse tatsächlich von alltäglichem Nutzen ist, zeigt schon der hohe Anteil derer, die Emojis nutzen: 99 Prozent der von Aretz Befragten ergänzen damit ihren Text. In einer kürzlich veröffentlichten Studie des Branchenverbands Bitkom gaben immerhin 79 Prozent der Befragten an, Emojis in Textnachrichten zu verwenden. Im Schnitt werden zwei Emojis pro Nachricht verwendet.

Bei den von Forscherin Aretz befragten Probanden besonders beliebt waren jene Emojis, die für positive Emotionen stehen, wie Leidenschaft und Liebe, große Freude, ein liebevoller Kuss oder Zustimmung.

Absoluter Liebling ist der Freude-Emoji mit den Lachtränen, gefolgt vom Herzkuss-Emoji, dem Herzaugen-Emoji und dem Daumen-hoch-Emoji. Auf der Website emojitracker.com lässt sich übrigens live verfolgen, welche Emojis auf Twitter gerade am liebsten genutzt werden.

Frauen drücken ihre Gefühle eher mit Emojis aus als Männer

Interessant ist auch der Geschlechter-Unterschied: Frauen nutzen nach eigenen Angaben Emojis deutlich häufiger als Männer. Besonders beliebt bei weiblichen Nutzern sind Emojis, die Furcht und Trauer, Wut und Ekel, Liebe und Herzlichkeit symbolisieren. Männer dagegen greifen eher auf jene zurück, die Ironie ausdrücken. Auch das Zeichen für „Daumen hoch“ ist bei ihnen beliebter.

Ob jemand überhaupt Emojis nutzt, hängt den Studienergebnissen zufolge auch davon ab, ob der zuvor empfangene Text Emojis beinhaltet. Hat der Sender darauf verzichtet, verfasst man selbst auch eher eine Nachricht ohne Symbole. „Emojis bilden daher soziale Normen in der Kommunikation und ihr Einsatz kann als soziale Anpassung verstanden werden“, sagt Aretz.

Streit um den Hijab

Doch so unterhaltsam und kommunikativ Emojis sein mögen – die vermeintlich so harmlosen Zeichen können auch für Streit sorgen. So entbrannten heftige Diskussionen, als Apple vergangenen Sommer ein Hijab-Emoji einführte. Viele Nutzer beklagten daraufhin, dieses Symbol stehe für ein veraltetes Frauenbild. Andere hingegen deuteten das Hijab-Emoji auch als Zeichen für wachsende Toleranz und Vielfalt. So ganz universell und eindeutig funkionieren Emojis also offenbar auch nicht – ebensowenig wie die Sprache.