Daddeln

WHO macht Online-Spielsucht offiziell zur Krankheit

Es geht um den Exzess: Nicht jeder Online-Spiele-Fan ist süchtig.

Foto: imago stock / imago/Frank Sorge

Es geht um den Exzess: Nicht jeder Online-Spiele-Fan ist süchtig. Foto: imago stock / imago/Frank Sorge

Fast jeder zweite Deutsche spielt auf Handy, Tablet oder PC. Doch wo beginnt die Sucht? Die WHO hat nun eine Definition festgelegt.

Genf.  Exzessives Computer- oder Videospielen gilt nach einem neuen Verzeichnis der Weltgesundheitsorganisation (WHO) demnächst als Krankheit. Gaming Disorder oder Online-Spielsucht wird in den neuen Katalog der Krankheiten (ICD-11) aufgenommen, wie die WHO beschlossen hat, hinter Glücksspielsucht. Der Katalog erscheint am 18. Juni.

Die Aufnahme ist unter Wissenschaftlern umstritten. Spieler könnten dadurch grundlos als therapiebedürftig stigmatisiert werden, sagen sie. Vladimir Poznyak vom WHO-Programm Suchtmittelmissbrauch widerspricht. Die Abgrenzung zwischen Spielspaß und Sucht sei klar definiert, sagte er der Deutschen Presse-Agentur. „Die Aufnahme in den Katalog dürfte weitere Forschung auf dem Gebiet stimulieren.“

Wer hat Online-Spielsucht?

Im ICD-11 werden für Online-Spielsucht drei Kriterien genannt: entgleitende Kontrolle etwa bei Häufigkeit und Dauer des Spielens, wachsende Priorität des Spielens vor anderen Aktivitäten und Weitermachen auch bei negativen Konsequenzen.

„Spielsüchtig ist jemand, der Freunde und Familie vernachlässigt, der keinen normalen Schlafrhythmus mehr hat, sich wegen des ständigen Spielens schlecht ernährt oder sportliche Aktivitäten sausen lässt“, sagt er. Dem Spieler mache es auch keinen Spaß mehr, aber er komme nicht davon los. „Ein Teufelskreis“, sagt Poznyak. „Es betrifft vor allem junge Menschen.“

Was kann man dagegen tun?

„Einige wenige Menschen spielen exzessiv und das ist problematisch“, räumt der Geschäftsführer des Verbands Game, Felix Falk, ein. Da helfe der Elternratgeber der Unterhaltungssoftware Selbstkontrolle (USK), die unter anderem Altersfreigaben für Spiele macht.

„Für Kinder und Jugendliche ist je nach Alter eine Begrenzung von 20 bis 120 Minuten am Tag sicher sinnvoll“, sagt Falk. „Aber Eltern sollten auch flexibel sein und nicht mitten im Spiel abschalten.“

Nach Angaben von Falk gibt es auch Hersteller, die selbst schon wirksam gegen exzessives Spielen vorgehen, indem etwa Spielfiguren nach einer bestimmten Zeit ermüden und Aktionen sich automatisch verlangsamen oder mit fortschreitender Spielzeit immer weniger Belohnungen erspielt werden können.

Was ist der Katalog ICD-11?

Der Katalog dient zum einen Ärzten als Hilfe bei der Diagnose. Zum anderen nutzen Krankenkassen ihn oft als Grundlage für Kostenübernahmen.

Die 11. Auflage des Katalogs, International Classification of Diseases, muss formell noch von der Weltgesundheitsversammlung im kommenden Frühjahr abgesegnet werden. Das gilt als Formalität. Der Katalog enthält tausende Krankheiten. Die 10. Auflage stammte aus dem Jahr 1992, ist aber ständig aktualisiert worden. (dpa)

© Hamburger Abendblatt 2018 – Alle Rechte vorbehalten.