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Macht IP-TV-Anbieter Waipu das Fernsehen wirklich einfacher?

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Das neue IP-TV-Angebot tritt ab dem heutigen Freitag gegen die Kabelanbieter an. Wir erklären, was der Herausforderer können soll.

Berlin.  Was soll es beim Fernsehen denn schon Neues geben? Das mögen sich jene fragen, die ab heute Werbung für einen bisher unbekannten TV-Anbieter bemerken. Mit Waipu.tv startet ein absoluter Branchenneuling in Deutschland, um die großen Kabel- und IP-TV-Anbieter herauszufordern. Antworten darauf, was hinter der Technik steckt und für wen sie Vorteile bringen könnte.

Was ist Waipu.tv?

Waipu.tv ist ein eigenständiges IP-TV-Angebot aus Deutschland. IP-TV heißt, dass man sein Fernsehprogramm nicht über eine Antenne oder das TV-Kabel empfängt, sondern via Internet. Dafür ist lediglich ein Internetanschluss mit mindestens 6 Mbit/s Bandbreite nötig. Ein Smartphone oder Tablet ersetzt die Set-Top-Box und ist gleichzeitig Programmführer und Fernbedienung in einem. Geguckt wird aber trotzdem auf dem TV-Gerät.

IP-TV ist in Deutschland nicht neu: Ein großer Anbieter ist etwa die Telekom, die als Option zu ihrem DSL-Anschluss das Entertain-Paket vertreibt. Auch Internet-Dienste wie Zattoo oder MagineTV bringen das übliche Fernsehprogramm via Internet zum Nutzer.

Was unterscheidet Waipu.tv von Unitymedia, Entertain und Co.?

In erster Linie soll alles etwas schneller und intuitiver funktionieren als bei der Konkurrenz. Waipu.tv will im Prinzip die Vorteile von Kabel- und IP-TV verbinden.

In der Waipu-App (für iOS & Android) sieht man sofort das laufende TV-Programm und kann ohne Wartezeit zwischen den Kanälen hin- und herzappen – wie beim klassischen Kabelfernsehen. Um ein Programm auf dem heimischen Fernseher anzuzeigen, wischt man es auf dem Handy- oder Tabletdisplay einfach nach oben – schon schaut man auf dem Fernseher weiter. Die Übertragung funktioniert via Chromecast-Adapter (35 Euro), der direkt in den HDMI-Eingang des Fernsehers gesteckt wird. Anschließend kann man auf der App weiter durch die Programme zappen oder auch dauerhaft einen anderen Sender schauen, ohne dass das Programm auf dem großen Fernseher beeinträchtigt wird.

Das alles funktioniert über die Waipu-App, eine Zweit-Fernbedienung, die man für Kabel-Box oder Sat-Receiver sonst benötigt, entfällt.

Außerdem soll man so auch problemlos parallel auf einem zweiten Fernsehgerät in einem anderen Raum fernsehen können. Eine TV-Buchse oder zweite Set-Top-Box braucht man nicht, nur einen weiteren Chromecast-Stecker. Optional kann man per Smartphone auch unterwegs fernsehen, muss dann aber den Datenverbrauch beachten.

Was sollen die Vorteile gegenüber TV-Apps wie Zattoo oder MagineTV sein?

Waipu.tv bietet einen integrierten Videorekorder und erlaubt, das Programm für bis zu drei Stunden zu pausieren und zeitversetzt anzuschauen. Darüber hinaus soll es noch einen weiteren großen Vorteil geben: die Geschwindigkeit. Während typische TV-Streaming-Anbieter oftmals beim Aufbau eines Streams, also beim Ein- und Umschalten, vor allem zur Primetime mit langen Wartezeiten und Verbindungsproblemen zu kämpfen haben, soll der neue Dienst davon gänzlich unabhängig sein. Der Grund: Das hinter dem Dienst stehende deutsche Unternehmen Exaring verfügt über ein eigenes Glasfasernetzwerk.

Vereinfacht gesagt, müssen die Fernsehsignale damit nicht über die allgemeine Datenautobahn reisen, die an verschiedenen Knotenpunkten zu Stoßzeiten gern gewisse Engpässe produziert, sondern können einen privaten Hochgeschwindigkeitsweg nehmen, der exklusiv für die TV-Signale des Nutzers reserviert ist. Erst kurz vor dem Ziel wechseln die Daten wieder ins allgemeine Netz und gelangen über den normalen Internetanschluss zum Verbraucher. Der Kunde soll so auch von einer durchgehend stabilen Datenübertragung profitieren.

Was kostet das Angebot und wer kann es nutzen?

Waipu.tv ist vom Internetanbieter unabhängig, nur über ausreichend Bandbreite (6 Mbit/s für SD / 16 Mbit/s für HD) sollten Nutzer verfügen. Zudem ist das Exaring-Glasfasernetz bundesweit recht weit ausgebaut: Zum heutigen Start seien bereits über 23 Millionen Haushalte erreichbar. Ob man selbst dabei ist, lässt sich über die Waipu.tv Analyse App (Android & iOS, gratis) herausfinden.

Wer zu den 23 Millionen Glasfaserhaushalten gehört, kann über die Waipu.tv-App (Android & iOS) das Angebot sofort ausprobieren. Der Empfang der öffentlich-rechtlichen Sender in SD ist im kostenlosen „Free“-Paket enthalten. Wer darüber hinaus den Videorekorder mit zehn Stunden Aufnahmekapazität nutzen sowie Privatsender empfangen möchte, kann das „Comfort“-Paket für 4,99 Euro im Monat buchen.

Außerdem kann das Comfort-Paket um verschiedene Optionen erweitert werden, etwa für HD-Programme (fünf Euro monatlich, derzeit sind die Programme der RTL- und der ProSiebenSat.1-Gruppe noch nicht enthalten, sie sollen aber noch im vierten Quartal dazu kommen), eine Mobil-Option für Unterwegsfernsehen (fünf Euro) sowie die Erweiterung des Videorekorders von zehn (zwei Euro) bis zu 100 Stunden zusätzlich (neun Euro).