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Sicherheitslücke! Spionage-Software auf iPhones entdeckt

Apple-Geräte galten lange als sicher. Die Meldungen von der neuen Schadsoftware kratzen an diesem Ruf.

Apple-Geräte galten lange als sicher. Die Meldungen von der neuen Schadsoftware kratzen an diesem Ruf.

Foto: Carl Court / Getty Images

Eine beispiellose Spionage-Software hat sich Zugriff auf Apple-Geräte verschafft. Fachleute fordern neue Gesetze gegen Cyberangriffe.

Cupertino.  Eine neu entdeckte Spionage-Software hat sich einen bisher noch nie gesehenen Zugriff auf iPhones und andere Apple-Geräte verschaffen können. Eine Analyse der Sicherheitsfirma Lookout und des kanadischen Citizen Lab fasst zusammen, was Apple hart treffen dürfte: Das Programm konnte dank drei bisher unbekannten Software-Schwachstellen unter anderem Nachrichten und E-Mails mitlesen, Anrufe verfolgen, Passwörter abgreifen, Tonaufnahmen machen und den Aufenthaltsort des Nutzers verfolgen.

Nach Erkenntnissen von Experten wurde das Programm auch gegen Menschenrechtler und Journalisten eingesetzt. Apple stopfte die Sicherheitslücken im iPhone-System iOS am Donnerstag mit der neuen iOS-Version 9.3.5 – rund zwei Wochen nach dem ersten Verdacht.

Programm in Israel entwickelt

Es ist beispiellos, dass eine Software zur Überwachung von iPhones mit derartigen Fähigkeiten, die meist nur Geheimdiensten zugeschrieben werden, entdeckt und analysiert werden konnte. Den Experten zufolge steckt hinter dem Programm ein Unternehmen aus Israel, das von einem Finanzinvestor übernommen wurde und als eine Art Cyberwaffen-Händler gelte.

Aufgeflogen sei das Schadprogramm, als ein bekannter Menschenrechtler aus den Vereinigten Arabischen Emiraten Verdacht geschöpft habe, als er eine Nachricht mit einem Link zu angeblichen Informationen über Folter von Häftlingen bekommen hatte, hieß es. Statt den Link anzuklicken, habe Ahmed Mansur die Sicherheitsforscher eingeschaltet. Sie gaben dem entdeckten Überwachungsprogramm den Namen Pegasus.

Zugriff auf den Alltag

„Pegasus ist die ausgeklügeltste Attacke, die wir je auf einem Endgerät gesehen haben“, resümierte die Sicherheitsfirma Lookout. Das Programm profitiere davon, dass mobile Geräte tief in den Alltag integriert seien. Zudem vereinten sie eine Vielzahl an Informationen wie Passwörter, Fotos, E-Mails, Kontaktlisten, GPS-Standortdaten. Die Spionage-Software sei modular aufgebaut und greife zu Verschlüsselung, um nicht entdeckt zu werden. Lookout lässt iPhone-Nutzer mit einer App prüfen, ob ihr Gerät befallen wurde.

Das kanadische Citizen Lab fand auch Hinweise darauf, dass ein mexikanischer Journalist und bisher nicht näher bekannte Zielpersonen in Kenia mit Hilfe von „Pegasus“ ausgespäht worden seien. Insgesamt blieb jedoch zunächst unklar, wie breit und wie lange sie eingesetzt worden sein könnte.

Mutmaßliche Hersteller: „Verkaufen nur an Regierungen“

Ein Sprecher der als Urheber vermuteten Firma NSO Group erklärte der „New York Times“, man verkaufe nur an Regierungsbehörden und halte sich streng an Ausfuhrbestimmungen. Er wollte keine Angaben dazu machen, ob Software des Unternehmens in den Vereinigten Arabischen Emiraten oder in Mexiko im Einsatz sei.

Lookout fordert als Konsequenz eine stärkere Kontrolle über Entwickler von Cyberwaffen. Firmen wie der hinter „Pegasus“ vermutete Software-Anbieter NSO Group agierten im Zwielicht, betonte Lookout-Europachef Gert-Jan Schenk am Freitag. „Das Fehlen einer globalen Gesetzgebung dazu verhindert, dass man mehr über solche Unternehmen erfährt.“

Die von Apple veröffentlichte iOS-Version 9.3.5. ist für iPhones, iPad-Tablets und den Multimedia-Player iPod touch gedacht. Für den Konzern ist das Spionageprogramm ein schmerzlicher Dämpfer: Die Sicherheit der Geräte ist ein wichtiger Pfeiler des Apple-Marketings und der Konzern investiert viel in Verschlüsselung und andere Sicherheitsmechanismen. Apple betonte, man empfehle den Nutzern immer, die neueste iOS-Version zu nutzen.

Sogenannte „Zero-Day“-Sicherheitslücken, die dem Anbieter einer Software nicht bekannt sind, werden von Geheimdiensten und kriminellen Hackern genutzt. Auch der Computer-Wurm „Stuxnet“, der das iranische Atomprogramm sabotierte, griff mehrere solcher Lücken an. „Zero-Day“-Schwachstellen in iPhones werden teuer gehandelt und können auch eine Million Dollar kosten. (dpa)