Elektronik

Wie Google unsere private Haushaltshilfe werden will

Dieser kleine Lautsprecher ist Googles digitaler Assistent.

Dieser kleine Lautsprecher ist Googles digitaler Assistent.

Foto: Google / Handout / dpa

Der Google-Konzern will uns künftig in jeder Lebenslage unterstützen. Dafür greift der Konzern auch auf Ideen der Konkurrenz zurück.

Berlin.  Google will noch mehr zu einem festen Bestandteil des Lebens seiner Nutzer werden – so viel ist nach der Präsentation künftiger Produkte bei der diesjährigen Entwicklerkonferenz I/O klar. Besonders die Themen Assistenz und künstliche Intelligenz spielen dabei eine große Rolle. Ein Überblick:

Der Google-Assistent

Im Zentrum der Google-Bemühungen steht nicht ein Produkt, sondern vielmehr ein plattformübergreifendes System: der Google-Assistent. Er ist im Prinzip die konsequente Weiterentwicklung dessen, was man etwa als Google Now vom Smartphone kennt. Eine App, die für den Nutzer relevante Informationen zusammenstellt sowie auf einfache Fragen wie „Wie hoch ist der Mount Everest?“ oder „Lebt Helmut Schmidt noch?“ Antwort geben kann. Der Google-Assistent soll sich wie ein Gegenüber anfühlen, das Aufgaben aus dem Zusammenhang richtig deuten kann – und das sich vor allem in natürlicher Sprache mit uns unterhält. Außerdem soll der Assistent nicht auf den engen Rahmen einer App beschränkt bleiben. Der Google-Assistent – so offenbar die Vision – ist einfach immer da.

Google Home

Wie das konkret im Alltag aussehen kann, zeigte das Unternehmen anhand von Google Home. Das ist ein kleiner Zylinder für zu Hause, der einerseits ein Wifi-Lautsprecher ist, gleichzeitig aber auch Sprachkommandos der Bewohner an den Google-Assistenten entgegennimmt und beantwortet. Da der kleine Kasten auf Google Cast basiert, kann man damit, ganz ohne Smartphone, per Stimme die Musik im Haus steuern oder sogar Filme auf dem Fernseher abspielen. Außerdem lassen sich eingehende Nachrichten vorlesen und postwendend beantworten, Termine in Kalender eintragen oder Routenvorschläge für den verkehrsgünstigsten Weg zur Arbeit aufs Handy schicken.

Natürlich können so per Sprachbefehl auch diverse Smarthome-Gadgets gesteuert werden: Befehle wie „Licht an“ oder „Dreh die Heizung im Wohnzimmer auf“ sollen – smarte Lampen und Thermostate vorausgesetzt – dann auch kein Problem mehr sein.

Wirklich spannend an Google Home ist aber, dass der Assistent auch auf die Google-Suche zugreifen kann. Dank laufend verbesserter Algorithmen, die Informationen miteinander in Beziehung setzen, soll Home bald auch Antworten auf verschachtelte Fragen wie „Wie viele Einwohner hatte die USA, als die Nasa gegründet wurde?“ geben können.

Neu ist diese Idee von Google Home freilich nicht – erinnert sie doch frappierend an den Sprachassistenten „Echo“ vom Onlinehändler Amazon. Allerdings könnte sich Googles System als deutlich mächtiger erweisen – zumal das Unternehmen bekannt gab, speziell für diesen Zweck einen eigenen Prozessor, die Tensor Processing Unit (TPU), entwickelt zu haben. Diese TPU sei auf die Bedürfnisse von Maschinenlernen hin entwickelt und biete gegenüber bisher erhältlichen Prozessoren einen Entwicklungsvorsprung von sieben Jahren. Gut möglich also, dass Google Home Amazons Echo bald meilenweit voraus sein könnte. Allerdings wird man noch mindestens bis zum Winter warten müssen, dann erst soll Google Home auf den US-Markt kommen – ob auch auf den deutschen, ist derzeit offen.

Google Allo & Duo

In Sachen Messenger und Video-Chat läuft Google bislang der Konkurrenz hinterher. Abhilfe sollen ab Sommer die Apps Allo und Duo schaffen. Duo ist eine Video-Telefonie-App, die man am ehesten mit Apples Facetime vergleichen kann und die bereits beim Anklingeln das Video des Anrufenden zeigt – so weit, so unspannend. Interessant ist dagegen Allo, das auf Dienste wie Whats­App oder den Facebook-Messenger abzielt. Bloß: Warum sollten deren Nutzer zu Google Allo wechseln? Die Antwort, so hofft Google, ist ebenfalls Google-Assistent. Denn auch in die neue Chat-App ist Googles Maschinenlernmagie tief verwoben – wie in verschiedenen Beispielen gezeigt wurde.

„Smart Reply“ etwa analysiert eingehende Nachrichten und bietet passende Antwortmöglichkeiten. Auf ein „Hi“ könnte man per Fingertipp etwa „Wie geht’s?“ antworten. Dabei lernt Google typische Ausdrücke und Redewendungen des Benutzers. Sogar Fotos deutet Google inhaltlich und bietet bei Babyfotos etwa „Ahh, wie süß!“, bei Hochzeitsfotos etwas wie „Herzlichen Glückwunsch!“ an. Praktischer wird es, wenn man im Chat darüber spricht, Italienisch essen zu gehen, und Google automatisch verschiedene Restaurants in der Nähe heraussucht und, sobald man sich für eines entschieden hat, sogar die Reservierung übernimmt.

Ob das alles wirklich so gut funktioniert, wie Google es behauptet, wird man frühestens in den nächsten Monaten, vermutlich sogar erst im kommenden Jahr ermessen können. Was Erfahrungen mit Hardwareentwicklung, Maschinenlernen und der Organisation gigantischer Wissensberge angeht, bringt Google aber definitiv die richtigen Voraussetzungen mit, um sein Versprechen einlösen zu können.