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Wie Snapchat den Messenger-Dienst Whatsapp angreift

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Kai Wiedermann

Foto: imago stock&people / imago/Eibner

Die Kommunikations-App Snapchat ist vor allem bei jungen Nutzern sehr beliebt. Jetzt integriert sie auch Audio- und Videotelefonie.

Berlin.  Die App Snapchat, nicht mehr nur bekannt für sich selbst löschende Fotos, sondern auch für modern aufbereitete Multimedia-Geschichten und Live-Nachrichten, ist generalüberholt worden. Technikexperten werten dies als Frontalangriff auf den weltweit erfolgreichsten Messenger-Dienst Whatsapp, der mittlerweile im Besitz von Facebook ist.

Mit dem jetzt veröffentlichten Update „Chat 2.0“ hat sich die Palette an Kommunikationsmöglichkeiten stark erweitert. App-Nutzer können künftig auch telefonieren und sich parallel die unterschiedlichsten Dateiformate schicken.

Mehr als 200 Sticker stehen in der neuen Version bereit

Wer angerufen wird, bekommt eine Nachricht und kann einen Video- oder Audiochat starten. Das bedeutet: Gesprächspartner können sich sehen, wenn sie wollen. Ist der gewünschte Gesprächspartner gerade nicht erreichbar, können Anrufer eine Sprachnachricht, ein Kurzvideo oder einen von jetzt mehr als 200 Stickern hinterlassen.

Das Besondere an den neuen Funktionen sei die Möglichkeit zur gleichzeitigen Nutzung, erklärt Snapchat. Ziel sei es, „die verschiedenen Kommunikationsformen Text, Bild, Video und Audio in der App stärker zu verschmelzen“, schreibt das kalifornische Unternehmen in einem Blogeintrag.

Neue Version erleichtert Nutzern den Zugriff auf Bilder

Für den schnellen Wechsel zwischen den Funktionen hat Snapchat die Benutzerführung überarbeitet. Die benötigten Symbole – zum Beispiel Kamera oder Telefonhörer – werden oberhalb der virtuellen Tastatur eingeblendet. Nutzer können darüber hinaus jetzt leichter auf ihre Bilder zugreifen und diese mit allen Snapchat-Funktionen vor dem Verschicken bearbeiten.

Einem Bericht des Onlinedienstes „Digiday“ zufolge haben die Kalifornier auch die Privatsphäre-Einstellungen aktualisiert. Vermutet wird, dass so gezieltere Werbung ermöglicht werden soll.

Nutzer können die neue Snapchat-Version für die Betriebssysteme Android oder iOS kostenlos über die App-Geschäfte Google Play oder iTunes auf ihr Mobilgerät herunterladen. Je nach Plattform ist sie etwas mehr als 80 Megabyte groß und trägt unterschiedliche Versionsnummern.

Snapchat erobert den Präsidentschaftswahlkampf in den USA

Das Unternehmen Snapchat, 2011 in Los Angeles gegründet, könnte Branchenkennern zufolge mit der Reform weiter an Bedeutung gewinnen. Eigenen Angaben zufolge nutzen täglich mehr als 100 Millionen Menschen die App. Der Wert des Unternehmens ist im Februar 2015 mit 16 Milliarden US-Dollar angegeben worden. Der Umsatz soll durch Werbung in diesem Jahr um 150 auf 200 Millionen Dollar steigen. In den USA nutzen die Anwendung laut einer Schätzung mehr als 60 Prozent der jungen Menschen zwischen 13 und 34 Jahren. Derzeit erobert die App sogar den Präsidentschaftswahlkampf.

Nutzerzahlen für Deutschland hat Snapchat bisher nicht bekannt gegeben. Aber: Einem Bericht des Digitalblogs „Futurebiz“ zufolge haben Analysen ergeben, dass Snapchat hierzulande bereits „mehr aktive Nutzer hat als der Kurznachrichtendienst Twitter“.

Bisher hat Snapchat mehrere milliardenschwere Übernahmeangebote von Konkurrenten abgelehnt: Facebook wollte 2013 rund drei Milliarden US-Dollar zahlen, Google im gleichen Jahr sogar vier Milliarden US-Dollar. (mit dpa)

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