Cyber-War

Piraten-Chef Nerz: Unterstützung für Anonymous bröckelt

Laut Sebastian Nerz verlieren die Hacker in der Netzgemeinde an Rückhalt. Die Aktionen gingen nun über jugendlichen Leichtsinn hinaus.

Berlin. Der jüngste Cyber-Angriff auf eine US-Sicherheitsfirma und den damit einhergehenden Diebstahl von Kreditkartendaten , steht nicht nur bei den betroffenen Kunden in der Kritik. Die Hacker-Gruppe Anonymous verliert nach Einschätzung des Piratenpartei-Vorsitzenden Sebastian Nerz an Rückhalt. „Mein Eindruck ist: Die Unterstützung, die Anonymus in Teilen der Netzgemeinde hatte, bröckelt“, sagte Nerz am Dienstag im Gespräch mit der Nachrichtenagentur dpa. Er kritisierte die Anonymous zugeschriebene Attacke auf einer amerikanischen Sicherheitsberatung, bei der nach Angaben der Hacker jüngst auch Kreditkartendaten gestohlen wurden. „Das ist Diebstahl. Das halte ich persönlich nicht mehr für jugendlichen Leichtsinn“, sagte Nerz.

Hacker hatten sich über Weihnachten nach eigener Darstellung Zugriff zu tausenden Kreditkartendaten von Kunden des Sicherheitsberatungsdienstes Stratfor verschafft. Ziel der Aktion sei es, „mehr als eine Million Dollar“ (770 000 Euro) als Weihnachtsspenden an gemeinnützige Einrichtungen umzuverteilen, zitierten US-Medien ungenannte Anonymous-Mitglieder.

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„Ich kann mir vorstellen, dass es gut gemeint ist, aber gut gedacht und gut gemacht sind bekanntlich zwei Paar Stiefel“, sagte Nerz. Aus Sicht des Piraten-Vorsitzenden wäre es nicht die erste Aktion der internationalen Hacker-Gruppe, die kritisch zu bewerten sei: „Ich persönlich fand die Grenze schon deutlich früher überschritten“, sagte er.

Aktivisten der internationalen Gruppe Anonymous hatten schon zahlreiche Angriffe auf Banken, Kreditkartenfirmen und staatliche Einrichtungen verübt. „Das nützt in den allermeisten Fällen niemandem“, kommentierte Nerz. Er habe den Eindruck, dass der Zweck in den Hintergrund getreten sei. „Ich habe beispielsweise Verständnis dafür, wenn Greenpeace ein Transparent aufhängt. Wenn sie dazu aber eine Scheibe einschlagen, ist das nicht in Ordnung.“

Allerdings zeige der aktuelle Fall, dass viele Leute im Internet zu sorglos mit ihren Kreditkartendaten umgingen. Firmen sicherten die Informationen oft nicht ausreichend gegen Angriffe. Dessen müsse man sich als Kunde bewusst sein.

Die Internet-Politik ist ein Kernbereich der Piratenpartei, auch ihre Fraktion im Berliner Abgeordnetenhaus setzt stark auf Netz-Themen.