Kühles Sommervergnügen

Eis ist mein Gemüse: Das sind die coolsten neue Sorten

Stefan Kramer (l.) und Gerrit Jakobs
von puro ice pops

Stefan Kramer (l.) und Gerrit Jakobs von puro ice pops

Foto: puro ice pops

Haben Sie schon Gurke-Wasabi probiert oder Orange-Karotte-Rosmarin? Auch pure Frucht ist diese Saison Trend.

Banane, Pistazie, Stracciatella: Drei Kugeln in die knusprige Waffel, und los geht das kühle Sommervergnügen mit dem zarten Schmelz. Das ist schon wie ein kleiner Urlaub. Erdbeere, Schokolade und Vanille stehen als Klassiker auf der ewigen Bestenliste. Aber immer mehr Freunde der kalten Schlemmerei wollen vegan genießen.

Ganz darauf eingestellt hat sich Thomas Starck vom Eiscafé Liberty. 18 wöchentlich wechselnde Sorten hat der 49-Jährige in seinen Lokalen am Fischmarkt und in Eimsbüttel im Angebot. „Gerade angesagt sind Gurke/Wasabi oder Matcha-Eis“, sagt Starck. „Man kann fast jeden Geschmack ins Eis bringen.“ Deshalb experimentiert er in seinem Eislabor in Eimsbüttel auch mit diversen Kräutern und Gemüsesorten. Gerade hat er Rote Bete mit Ingwer im gefrorenen Zustand ins Programm genommen. Gut laufen auch die Sorten Orange-Karotte-Rosmarin, Ananas-Chili oder Lakritz.

Statt Kuhmilch wird Soja- oder Hafermilch verwendet. Eine Kugel kostet 1,40 Euro, an guten Tagen werden rund 1000 kalte Bälle verkauft.

Auf sommerliche Lebensfreude setzen die Macher von puro ice pops. Handgemachtes Eis am Stil aus purer Frucht und damit vegan ist das Produkt, das Stefan Kramer und Gerrit Jakobs in einem Eiscafé in Norderstedt herstellen lassen. Kalorienarm, natürlich und lecker ist dieser Trend, der aus Mexiko kommt und dort „Paletas“ heißt. „Wir sind im Hamburger Einzelhandel, auf Märkten und Straßenfesten vertreten“, sagt Gerrit Jakobs, eigentlich Diplom-Kaufmann mit Schwerpunkt Marketing. Geliefert wird bis nach Bremen, Lüneburg und Sylt.

Im Programm sind die alkoholfreien Sorten Erdbeere, Mango, Maracuja, Zitrone, Matcha-Kokos sowie Rhabarber-Himbeere, laut Jakobs zurzeit der Renner. „Wo immer es geht, beziehen wir die Zutaten aus der Region“, sagt der 37-Jährige. Erdbeer enthält zum Beispiel zu 80 Prozent Frucht, aber auch ein wenig Zucker als Geschmacksträger. Außerdem sind noch die gefrorenen Long Drinks Gin Tonic und Moscow Mule als Eis am Stil im Angebot. Die Fruchtbombe kostet drei Euro für 90 Milliliter, die Alkohol-Varianten einen Euro mehr. 50.000 Portionen puro ice pops werden in dieser Saison wohl verkauft.

Dass vegane Sorten gefragt sind, beobachtet auch Axel Steen. Seit 16 Jahren betreibt der Gastronomie-Fachmann die Manufaktur Paradies Eis in Stellingen. 80 verschiedene Sorten werden dort produziert, von Honig-Walnuss und Omas Apfelkuchen bis zu Waldmeister und Minze-Schoko ist alles dabei. „Für veganes Milcheis nehmen wir Hafer-, Soja- oder Kokosmilch“, sagt der 45-Jährige. „Und unsere Fruchtsorten Erdbeer, Himbeer und Mango sind ohnehin frei von tierischen Zutaten.“ Laut Steen liegt auch Joghurteis mit Frucht im Trend.

Paradies Eis gibt es in Eiscafés und Restaurants in ganz Deutschland sowie bei Edeka in Hamburg. Und natürlich im Fabrikverkauf von Montag bis Sonnabend in der Manufaktur. 70 Cent kostet eine Kugel, 17 Mitarbeiter produzieren dort pro Tag rund 10.000 Liter kalte Süßigkeit. Die Zutaten kommen aus der Region, Milch und Sahne zum Beispiel aus der Meierei Horst bei Elmshorn. Auf Farb- und Aromastoffe wird verzichtet. „Der Sommer war bisher nicht eis-freundlich“, sagt Steen. „Es fehlt die Sonne.“ Ein Glühwein-Eis hat er bisher allerdings noch nicht entwickelt.

„Eissorten mit Keks-Stückchen oder Zimt mögen die Leute an kühlen Tagen“, sagt Sylwia Weiss. Seit 21 Jahren ist sie die Chefin bei Eiszeit. 99 Sorten sind abwechselnd im Angebot, zum Beispiel Blutorange oder Tiramisu, Sesam, Erdnuss XtraChoc oder Sanddorn. An warmen Tagen gehen fruchtige Sorbets sehr gut. „Während im vergangenen Jahr viele Eis-Kreationen mit Joghurt oder Quark verlangt wurden, wollen die Kunden jetzt häufiger vegane Sorten mit viel Frucht oder Reis- sowie Sojamilch“, so Weiss. Vier Filialen hat ihr Schleck-Imperium, außerdem gibt es fünf Partnerbetriebe. Seit drei Jahren wird das Eis in Poppenbüttel produziert, im Schnitt werden 600 Liter in der Woche verkauft. Eine Kugel kostet 1,20 Euro. Eine Spezialität der Eiscafés ist die Vielzahl an verschiedenen Toppings und Saucen, mit denen man sich dann seine ganz persönliche Süßspeise komponieren kann.

Laut Bundesverband der Deutschen Süßwarenindustrie gönnt sich jeder Deutsche durchschnittlich 7,6 Liter oder 110 Kugeln Eis im Jahr. In der Waffel, in der Pappschale oder üppig im Glas dekoriert, mit Sahne, Obst oder Alkohol, geschleckt, gelöffelt oder abgebissen, vegan oder mit tierischen Zutaten – Eis gehört zum Sommer wie Freibad und Alsterwasser unterm Sonnenschirm. Die warmen Tage kommen noch.