Teil 24: Blinddarm

Wenn der Bauch wehtut...

Lesedauer: 4 Minuten
Cornelia Werner

...kann eine Appendizitis dahinterstecken. Eine OP ist schon mit winzigen Schnitten möglich.

Hamburg. Haben Sie Ihren Blinddarm noch? - Eine typische Frage des Arztes, wenn jemand mit Bauchschmerzen zu ihm kommt. Denn Zeichen einer Entzündung des Wurmfortsatzes am Blinddarm, der Appendizitis, sind Schmerzen, die im Oberbauch beginnen und in den rechten Unterbauch wandern. Das kann mit Übelkeit, Erbrechen, Durchfällen und Fieber einhergehen. "Fast immer haben die Patienten einen Druckschmerz im rechten Unterbauch. Typisch ist auch der Loslassschmerz, der auftritt, wenn man nach Eindrücken der Bauchdecke im rechten Unterbauch die Hand plötzlich wegnimmt. Das weist auf eine Reizung des Bauchfells hin", sagt Prof. Christian Müller, Chefarzt der Chirurgie am Marienkrankenhaus.

Wo diese Schmerzen auftreten, kann je nach Lage des Wurmfortsatzes variieren. "So gibt es Wurmfortsätze, die weit in das kleine Becken hineinhängen oder hinter dem Dickdarm hochgeschlagen in der Nähe der Leber liegen." Bei der Untersuchung findet sich typischerweise eine Differenz der Körpertemperatur von einem Grad zwischen der Messung in der Achselhöhle und im Mastdarm. Im Blut können die weißen Blutkörperchen erhöht sein und das C-reaktive Protein als Entzündungsmarker.

Da solche Zeichen aber auch fehlen können, ist die Diagnose nicht immer eindeutig zu stellen, weil auch ein Magen-Darm-Infekt oder eine chronisch entzündliche Darmerkrankung, bei älteren Menschen auch ein bösartiger Darmtumor, die Ursache sein können. "Wenn jemand Bauchweh hat, man aber nicht genau weiß, ob es am Blinddarm liegt, ist abwartendes Verhalten sinnvoll. Der Patient wird stationär aufgenommen und regelmäßig untersucht. Blutwerte und Temperatur werden kontrolliert. Wenn jemand einen Druckschmerz hat, einen Loslassschmerz und eine Abwehrspannung beim Eindrücken der Bauchdecke, sollte der Patient auf jeden Fall operiert werden", erklärt Müller.

Das Standardverfahren für diesen Eingriff sei heute die minimal invasive Operation. Dabei wird durch einen winzigen Schnitt im Bauchnabel eine Kamera in die Bauchhöhle eingeführt, durch zwei weitere Schnitte im Unterbauch Röhren, durch die Operationswerkzeuge in den Bauch geschoben werden und der Blinddarm entfernt wird. "Diese Methode ist ein sehr schonendes Verfahren und hat den Vorteil, dass nach dem Eingriff keine großen Narben zu sehen sind", so Müller. Eine offene Operation durch einen größeren Schnitt in der Bauchdecke ist nur noch selten nötig, zum Beispiel, wenn es bereits zu einer diffusen Bauchfellentzündung gekommen ist und die Bauchhöhle ausgiebig gespült werden muss. Eine normale Operation dauert etwa eine halbe Stunde. Und die Patienten können oft schon am dritten Tag nach der OP wieder nach Hause gehen. "Das hängt auch davon ab, wie weit die Entzündung bei der Operation bereits fortgeschritten war", so Müller.

Denn immer noch kommt es vor, dass Patienten mit einem durchgebrochenen Blinddarm in die Klinik kommen. "Aber auch ein durchgebrochener Blinddarm lässt sich meist noch minimal invasiv operieren. Diese Komplikation hat im Vergleich zu früher viel an Dramatik verloren, ist aber nach wie vor eine ernst zu nehmende Erkrankung", sagt der Chirurg und betont, dass bei Bauchschmerzen immer ein Arzt aufgesucht werden sollte. Eine weitere mögliche Komplikation ist ein Abszess, an der operierten Stelle oder zwischen den Dünndarmschlingen. Möglich ist auch, dass die Darmnaht sich an der Stelle, wo der Wurmfortsatz entfernt wurde, wieder öffnet. Aber solche Komplikationen sind extrem selten.

"Zu einer guten Therapie gehört auch eine gute Nachsorge, sodass solche Komplikationen sofort erkannt und behandelt werden. Das kosmetische Ergebnis allein ist nicht ausreichend."

Lesen Sie morgen in unserer Abendblatt-Serie: Teil 25: Prostatakrebs