Medizin

Tod nach Krebs-Therapie: Wirkstoff im Visier der Ermittler

Das Biologische Krebszentrum steht nach Todesfällen im Fokus von Ermittlungen.

Das Biologische Krebszentrum steht nach Todesfällen im Fokus von Ermittlungen.

Foto: Henning Kaiser / dpa

Mehrere Patienten einer alternativen Krebs-Praxis in Brüggen sind gestorben. Nun rückt das Medikament als mögliche Ursache ins Zentrum.

Mönchengladbach.  Staatsanwaltschaft und Polizei haben die Öffentlichkeit auf langwierige Ermittlungen zu den fragwürdigen Todesfällen beim „Alternativen Krebszentrum in Brüggen-Bracht“ eingestimmt. Zwar sind die drei jüngst verstorbenen Patienten – eine Belgierin (55), sowie eine Frau und ein Mann aus den Niederlanden (43 und 55) – mittlerweile obduziert. Die Ermittler warten aber noch auf pharmakologische und toxikologische Untersuchungen. „Das kann noch Wochen dauern“, sagte der Krefelder Oberstaatsanwalt Axel Stahl gestern vor Journalisten.

Die Krebspraxis am Niederrhein hatte Patienten vor allem aus den Niederlanden offenbar mit dem nicht umfänglich erprobten, gleichwohl nicht verbotenen Mittel „3-Bromopyruvat“ behandelt. Möglicherweise sei mit dem Wirkstoff etwas nicht in Ordnung gewesen, sagte Stahl. Ob er verunreinigt war oder falsch dosiert – die Ermittler wissen es bisher nicht. Vielleicht seien auch Wechselwirkungen mit Arzneien nicht bedacht worden.

Ermittlung wegen Tötung und Körperverletzung

Die aktuellen Ermittlungen konzentrieren sich auf die Behandlungsphase in der Woche vorm 29. Juli. Allerdings geht es nicht nur – wie bisher bekannt – um die drei Todesfälle, sondern auch um zwei weitere Patienten, deren Zustand sich nach der Therapie in Brüggen dramatisch verschlechterte. Gegen Betreiber des Brüggener Zentrums wird deshalb nicht nur wegen fahrlässiger Tötung ermittelt, sondern auch wegen fahrlässiger Körperverletzung. Die beiden Patienten hätten sich mit ähnlichen Symptomen wie die später Verstorbenen in Behandlung begeben müssen. Sie hätten aber zumindest bis heute überlebt. Nach Angaben Stahls bestreitet der Brüggener Heilpraktiker, mit dem Mittel nicht sorgfältig umgegangen zu sein.

Insgesamt 69 ehemalige Patienten des Alternativen Krebszentrums waren in den letzten zweieinhalb Jahren verstorben. Aus der Studie ihrer Patientenakten wollen die Ermittler Schlüsse ziehen aus dem 3-Bromopyruvat-Einsatz in dem Krebszentrum.