Gesundheitsserie

Die Kraft der Sonne wird oft unterschätzt

Prof. Christian Sander ist Chefarzt der Hautklinik in der Asklepios Klinik St. Georg

Prof. Christian Sander ist Chefarzt der Hautklinik in der Asklepios Klinik St. Georg

Foto: Andreas Laible

Teil 14: Ein Experte erklärt, wie man seine Haut am besten vor Sonnenstrahlung schützt, die der Hauptrisikofaktor für Hautkrebs ist.

Hamburg. Sommer, Sonne – das schöne Wetter lockt ins Freie, zum Spielen, Grillen und lauschigen Abenden auf Balkon und Terrasse. Dabei sollte man auch im Kopf haben, dass die Haut zu viel Sonne übelnimmt, und sich dagegen schützen.

Denn die Sonneneinstrahlung ist der Hauptrisikofaktor für Hautkrebs. „Der Hautkrebs nimmt insgesamt weiter zu, der weiße anscheinend stärker als der schwarze“, sagt Prof. Christian Sander, Chefarzt der Hautklinik in der Asklepios Klinik St. Georg.

Basalzellkarzinom häufigster Tumor

Beim weißen Hautkrebs gibt es zwei Formen, das Basalzellkarzinom und das Stachelzellkarzinom. „Das Basalzellkarzinom ist heutzutage der häufigste Tumor der Menschheit. Er wächst in das umliegende Gewebe hinein, bildet aber keine Tochtergeschwülste. Er tritt an den Stellen auf, die der Sonne ausgesetzt sind, insbesondere im Gesicht“, sagt Sander. Das gilt auch für die zweite Form, das Stachelzellkarzinom, das allerdings Metastasen bilden und darüber auch zum Tode führen kann. Bei beiden Tumoren besteht die Behandlung darin, das bösartige Gewebe komplett zu entfernen. Um sicherzustellen, dass alle Krebszellen entfernt wurden, wird das entnommene Gewebe nach einer ersten OP unter dem Mikroskop untersucht. Nur wenn sich daraus keine Hinweise auf im Körper verbliebene Turmorzellen ergeben, wird die Op-Wunde am nächsten Tag endgültig verschlossen.

Für das Stachelzellkarzinom gibt es Vorstufen. Diese sogenannte aktinischen Keratosen zeigen sich als raue Stellen auf der Haut, die nicht wieder verschwinden. Diese Vorstufe kann man mit der photodynamischen Therapie behandeln. Dabei werden die befallenen Stellen mit Licht bestrahlt, nachdem sie vorher mit einer bestimmten Salbe eingerieben wurden. „Es entsteht ein künstlichen Sonnenbrand, durch den sich die oberste Hautschicht und damit auch die Veränderungen ablösen“, sagt Sander.

Einmal im Jahr zur Hautkrebsvorsorge gehen

Der bösartigste aller Hauttumoren ist der schwarze Hautkrebs, das Melanom, der ebenfalls ab einem bestimmten Stadium Metastasen bildet. Die Therapie besteht darin, den Tumor mit einem Sicherheitsabstand im gesunden Gewebe zu entfernen.

„Jeder Hautkrebs ist im Frühstadium heilbar. Deswegen ist auch die Früherkennung wichtig“, sagt Sander. Er empfiehlt, einmal im Jahr zur Hautkrebsvorsorge zum Arzt zu gehen. Wer viele Pigmentflecken habe, solle sich alle sechs Monate untersuchen lassen. Die gesetzlichen Krankenkassen bezahlen diese Früherkennungsuntersuchung nur alle zwei Jahre.

„Menschen, die in einer Partnerschaft leben, sollten sich jeden Monat einmal gegenseitig auf Hautveränderungen untersuchen, am besten immer am selben Tag und von der Locke bis zur Socke“, empfiehlt Sander.

Sonnenbrand in Kindheit besonders gefährlich

Immer wenn Veränderungen neu aufgetreten sind und nicht innerhalb von zwei Wochen wieder verschwinden, sollte man einen Hautarzt konsultieren. Für die Erkennung eines Melanoms gibt es die sogenannte ABCDE-Regel: A – asymmetrische Form, B – unscharfe Begrenzung, C – Mehrfarbigkeit des Flecks, D – Durchmesser von mehr als fünf Millimetern, E – Erhabenheit der Hautveränderung. „Immer wenn Leberflecken eines dieser Merkmale aufweisen, sollte man sie vom Hautarzt untersuchen lassen“, sagt Sander.

Ein hohes Risiko für Hautkrebs haben Menschen mit heller Haut, blauen Augen und blonden Haaren, das niedrigste Menschen mit dunkler Haut, schwarzen Haaren und braunen Augen. Das höchste Risiko für schwarzen Hautkrebs aber haben diejenigen, die in ihrer Kindheit viele kleine Sonnenbrände gehabt haben. „Deswegen gehören Kinder bis zum Alter von drei Jahren nicht an den Strand. Kinder, die älter als drei Jahre sind, sollten komplett mit lichtundurchlässiger Kleidung angezogen sein und die freien Hautstellen mit einer Sonnenschutzcreme mit dem Lichtschutzfaktor 50 eingecremt werden. Für Groß und Klein gilt die Empfehlung: Gehen Sie von zehn bis 16 Uhr nicht an den Strand“, sagt Sander.

Wasser und Sand reflektieren die Strahlung

Die Kraft der Sonne wird oft unterschätzt. „Auf Bali kann man selbst bei bewölktem Himmel schon nach einer halben Stunde einen Sonnenbrand haben. An Nord- und Ostsee täuscht oft der Wind über die Stärke der Sonneneinstrahlung hinweg. Aber Wasser und Sand reflektieren die Strahlung, und ehe man sich versieht, hat man einen Sonnenbrand“, sagt der Hautarzt

Die Behandlung hängt davon ab, wie ausgeprägt er ist. „Wer am ganzen Körper verbrannt ist, muss auf der Intensivstation behandelt werden. Wer eine größere Verbrennung hat, zum Beispiel am ganzen Rücken, sollte damit zum Arzt gehen. Selbst behandeln kann man kleine Sonnenbrände. Dabei helfen sehr gut cortisonhaltige Cremes sowie feuchte Umschläge und eine leichte Hautlotion zum Kühlen. Und natürlich sollte man sich von der Sonne fernhalten“, sagt Sander.

Die richtige Hautpflege

Die Haut braucht regelmäßige Pflege, die dafür sorgt, dass sie genug Fett und Feuchtigkeit erhält und gegen Sonne geschützt ist. „Und man sollte höchstens einmal am Tag duschen und wenn man nicht schwitzt, auch nicht jeden Tag. Seife braucht man nur im Axillar- und im Genitalbereich, aber nicht an Armen oder Beinen. Man sollte rückfettende Duschpräparate oder Duschöle verwenden“, sagt Prof. Christian Sander, Chefarzt der Hautklinik in der Asklepios Klinik St. Georg.

Im Winter in der trockenen Heizungsluft sollte die Haut am Körper jeden Tag eingecremt werden, „Dafür sollte man eine Creme nehmen, keine Lotion, weil diese mehr Wasser enthält. Im Sommer braucht man eventuell nicht jeden Tag eine Creme, wenn man eine normale Haut hat.“

Das Gesicht braucht vor allem im Winter täglich eine fetthaltige Creme. „Im Sommer kann man eine leichte Creme mit einem Lichtschutzfaktor 20 auftragen, um der Hautalterung durch die Sonneneinstrahlung entgegenzuwirken.“

Häufige Hautkrankheiten

Wundrose: Dabei handelt es sich um eine Infektion, die sich als flammende Rötung rund um eine kleine Wunde bemerkbar macht. „Ursache ist am Unterschenkel meist ein Fußpilz. Durch Hautrisse zwischen den Zehen dringen Bakterien ein. Sie können in die Lymphwege gelangen und dann eine flammende Rötung, meistens am Unterschenkel, auslösen. Zusätzlich können Fieber und Lymphknotenschwellungen auftreten. Diese Patienten müssen im Krankenhaus aufgenommen und mit Antibiotika behandelt werden, damit es nicht zu einer Blutvergiftung kommt.“, sagt Prof. Christian Sander, Chefarzt der Hautklinik in der AK St. Georg. Um eine solche Infektion zu verhindern, sollte man Fußpilz immer behandeln, mit Cremes, die in der Apotheke erhältlich sind.

Gürtelrose: Wenn man Windpocken hatte, können sich die Viren in das Nervengewebe zurückziehen und Jahre später wieder hervorkommen und eine Gürtelrose verursachen. Typische Symptome sind brennende oder plötzlich einschießende Schmerzen und Bläschen auf der Haut in dem Ausbreitungsgebiet des Nerven. „Bei der Therapie ist es wichtig, dass der Patient von Beginn der Erkrankung an eine gute Schmerztherapie erhält. Denn die Schmerzen können noch monatelang anhalten, nachdem die Infektion längst abgeklungen ist“, sagt Sander.

Akne: In der Pubertät leiden viele Jugendliche unter entzündeten Pusteln im Gesicht, der Akne. „Wenn man eine Akne frühzeitig therapiert, muss heute niemand mehr Aknenarben im Gesicht befürchten“, sagt Sander. Behandelt wird die Haut zunächst mit Cremes, die die Entzündung zum Abklingen bringen. „Wenn das nicht hilft, können wir Tabletten mit Vitamin-A-Säure oder Doxycyclin verordnen. Wer eine Lebererkrankung hat oder unter Depressionen leidet, darf keine Vitamin-A-Säure einnehmen.“

Allergisches Handekzem: Viele Allergien können zu Hauterscheinungen führen. Diese sind besonders unangenehm an den Händen. Das häufigste Allergen, das juckenden Hautausschlag auslösen kann, ist Nickel, das in Schmuckstücken und Haushaltsgegenständen wie Pfannen enthalten sein kann. „Zur Therapie werden Cremes mit Cortison und Vitamin-A-Säure eingesetzt“, sagt Sander.

Informationen im Internet

www.hiege-stiftung-gegen-hautkrebs.de Zum Gedenken an Fleur Hiege, die an Hautkrebs starb, hat ihre Familie in Hamburg die Hiege-Stiftung gegründet. Sie unterstützt die Hautkrebsforschung und Einrichtungen, die Hautkrebspatienten und ihren Angehörigen helfen. Auf ihrer Webseite hat die Stiftung einen Wegweiser für Patienten veröffentlicht.

www.hautkrebs.de Der Verein zur Bekämpfung von Hautkrebs gibt in seinem Informationsportal einen Überblick über Maßnahmen zur Vorbeugung und Früherkennung des Hautkrebses sowie seine Behandlung.

www.dha-sonnenschutz.de Auf ihrer Webseite hat die Deutsche Haut- und Allergiehilfe alle wichtigen Infos zum Thema „Haut und Sonne“ zusammengestellt.

www.dwd.de/DE/leistungen/gefahrenindizesuvi/gefahrenindexuvi.html Unter dieser Adresse stellt der Deutsche Wetterdienst bundesweite Karten zur Verfügung, auf denen anhand des UV-Indexes täglich die Sonnenbrandgefahr in den einzelnen Bundesländern abzulesen ist.