Gesundheitsserie

Wie gehe ich mit Schmerzen am besten um?

Schmerztherapeutin Dr. Maja Falckenberg mit einem Tens-Gerät, das durch elektrische Impulse helfen kann, Muskeln zu entspannen

Schmerztherapeutin Dr. Maja Falckenberg mit einem Tens-Gerät, das durch elektrische Impulse helfen kann, Muskeln zu entspannen

Foto: Andreas Laible

Teil 13: Schmerz ist eine Warnung des Körpers. Dagegen helfen können Medikamente, Bewegung und Physiotherapie.

Hamburg.  Bei dem einen zieht es öfter im Kreuz, beim anderen schmerzt das Knie, und der Dritte bekommt Beschwerden in den Füßen. „Dass der Körper nicht alles ohne Schmerzen mitmacht, gehört ab einem bestimmten Alter zum Leben dazu“, sagt die Schmerztherapeutin Dr. Maja Falckenberg. Unter den Menschen, die über 60 seien, gebe es viele, die ständig irgendwo Schmerzen haben. „Dann geht es darum, den richtigen Umgang damit zu finden, den Schmerz in den Lebensplan des Älterwerdens zu integrieren und trotzdem möglichst aktiv zu sein“, sagt Falckenberg.

Schmerz ist in erster Linie ein Warnsymptom, ein Signal, dass etwas im Körper nicht stimmt. Je nachdem, wo dieser Schmerz seine Ursache hat, fühlt er sich unterschiedlich an. Wenn die Muskulatur überanstrengt wurde, zum Beispiel nach anstrengender Gartenarbeit, macht sich dies meist durch einen ziehenden Schmerz in den betroffenen Muskeln oder an den Sehnenansätzen in der Nähe von Gelenken bemerkbar. „Dieser Schmerz ist eher flächig und verstärkt sich noch, wenn man auf die betroffene Region drückt“, sagt Falckenberg.

Schmerzen unterscheiden sich

Gelenkbeschwerden äußern sich oft durch punktuelle Schmerzen bei bestimmten Bewegungen. „Je nachdem, bei welchen Bewegungen der Schmerz auftritt, kann der Fachmann herausfinden, welche Strukturen im Gelenk den Schmerz verursachen, ob es sich zum Beispiel um Arthrose oder einen Meniskusschaden handelt“, erklärt Falckenberg.

Nervenschmerzen sind einschießend, wie elektrisch, manchmal brennend oder stechend und ausstrahlend. Sie folgen immer einer Linie, weil die Nerven, die aus der Wirbelsäule austreten, jeweils bestimmte Bereiche des Körpers versorgen, die wie Ringe nebeneinander angeordnet sind. Als Beispiel nennt Falckenberg Schmerzen an der Außenseite der Beine, die sich bis in den großen Zeh ziehen können. Sie entstehen, wenn eine bestimmte Nervenwurzel zum Beispiel durch Verschleißerscheinungen der Wirbelsäule gedrückt wird. Nervenschmerzen können auch entstehen, wenn sich im Rücken Muskulatur so verspannt hat, dass sie mehrere Nerven einklemmt. „Diese Nervenschmerzen folgen nicht einer Linie, sondern sind eher diffus, zum Beispiel tut dann der gesamte Oberschenkel weh. In diese Kategorie fällt auch der sogenannte Ischiasschmerz, der über das Gesäß ins Bein ausstrahlt“, sagt die Schmerztherapeutin.

Leichte Schmerzen selbst behandeln

Nicht jeder Schmerz muss gleich ärztlich behandelt werden. „Leichte Schmerzen, die ohne weitere Begleitsymptome auftreten, kann man auch drei Tage selber behandeln“, sagt Falckenberg. Das heißt, sich Schmerzmittel aus der Apotheke besorgen, sich schonen, genug schlafen, die betroffene Region entweder kühlen oder mit einer Wärmflasche warm halten, je nachdem was guttut „Wenn es nach drei Tagen nicht besser wird, sollte man sich fragen: Ist es etwas besser geworden, wird es eher schlimmer oder ist es gleichbleibend? Wenn es besser wird, kann man weitere Tage abwarten. Wenn der Schmerz gleich geblieben ist, sollte man sich beobachten, ob es noch weitere Beschwerden gibt, die man bisher noch nicht beachtet hat, und wenn es schlechter wird, soll man den Hausarzt aufsuchen“, empfiehlt die Schmerztherapeutin. Handelt es sich aber um starke Schmerzen, die möglicherweise mit anderen Symptomen einhergehen wie etwa Lähmungen in den Beinen, sollte man nicht drei Tage warten, sondern sofort einen Arzt aufsuchen.

Wer sich bei leichten Beschwerden selbst mit rezeptfreien Schmerzmitteln aus der Apotheke versorgt, sollte einiges beachten. Am häufigsten benutzt werden die Wirkstoffe Ibuprofen, Paracetamol und Acetylsalicylsäure (ASS).

Vorsicht ist bei Antirheumatika geboten

Ibuprofen gehört zur Gruppe der Antirheumatika und wirkt gegen Schmerzen und Entzündungen. „Antirheumatika geraten zunehmend in die Kritik, weil sie Nieren und Herz schädigen können und zwei bis acht Prozent der Patienten irgendwann ein blutendes Magengeschwür bekommen, das lebensbedrohlich sein kann“, sagt Falckenberg. Herzinfarkte und Nierenversagen treten nicht schnell auf, sondern hauptsächlich bei dauernder Einnahme. „Unter den Dialysepatienten, die über 65 Jahre alt sind, sind viele, die in ihrem Leben oft Antirheumatika genommen haben“, erklärt die Schmerztherapeutin. Als Alternative werden oft Salben angeboten, die als antirheumatischen Wirkstoff Diclofenac enthalten. „Sie haben einen lokalen schmerzlindernden Effekt. Aber der Wirkstoff wird auch zu geringen Mengen in den Körper aufgenommen. Da allerdings bei einer Einreibung mit circa vier Gramm Salbe weniger als 0,9 Milligramm Diclofenac auf die Haut gelangen, kann man davon ausgehen, dass ein Effekt auf den gesamten Körper kaum messbar sein dürfte“, sagt ­Falckenberg.

Paracetamol wirkt nur gegen Schmerzen, aber nicht bei Entzündungen. „Es hilft gut gegen Kopfschmerzen oder Grippe und hat kaum Nebenwirkungen, wenn man sich an die Dosierungsvorschriften hält“, sagt Falckenberg. Bei Überdosierung sind die Risiken aber dramatisch. „Wer die Dosierungsgrenzen von vier bis sechs Gramm am Tag überschreitet, riskiert einen irreversiblen Leberschaden, der tödlich enden kann. Das kann schon nach ein bis zwei Tagen passieren. Trinkt man gleichzeitig noch Alkohol, tritt ein Leberschaden schon bei ­geringeren Dosierungen auf“, warnt Falckenberg.

Elektrische Impulse können Schmerz lindern

ASS wirkt gut gegen Schmerzen. Auch dieser Wirkstoff kann auf den Magen schlagen und Magengeschwüre verursachen. Kopfschmerzpatienten haben noch ein besonderes Risiko: Wer regelmäßig mehr als achtmal im Monat Schmerzmittel gegen Kopfschmerzen einnimmt, riskiert, dadurch weitere Kopfschmerzen zu bekommen. „Menschen die wegen anderer Beschwerden wie Rheuma regelmäßig diese Medikamente einnehmen, haben dieses Risiko nicht. Warum das so ist, ist bis heute unbekannt“, sagt Falckenberg.,

Aber es müssen nicht immer Medikamente sein. Wenn Muskeln schmerzen, muss man zunächst darauf achten, sie nicht weiter zu überfordern. Muskulatur tut dann weh, wenn sie sich verspannt. „Am dritten oder vierten Tag sollte es aber mit der Schonung vorbei sein und damit begonnen werden, den Muskel vorsichtig zu dehnen. Zum Beispiel kann man ins Schwimmbad gehen und im warmen Wasser den verspannten Muskel vorsichtig wieder dehnen und leichte Bewegungen machen. Wer das allein nicht schafft, kann auch seinen Arzt fragen, ob er ein Rezept für eine Physiotherapie haben kann“, sagt Falckenberg.

In ihrer Praxis behandelt die Ärztin viele Patienten, die unter chronischen Schmerzen leiden. „Damit der Schmerz nicht ihr Leben beherrscht, müssen sie vor allem zwei Dinge lernen: Strategien lernen, den Schmerz zu lindern, und Möglichkeiten der Ablenkung finden, zum Beispiel Dinge tun, die ihnen Spaß machen, bei denen sie für einige Zeit den Schmerz vergessen können“, sagt Falckenberg. Zur Schmerzlinderung wird ihnen oft ein sogenanntes Tens-Gerät verordnet. Mit diesem Gerät von der Größe einer Zigarettenschachtel sind zwei Elektroden verbunden, die auf die Haut der schmerzhaften Körperregion geklebt werden und elektrische Impulse übertragen. Stärke und Frequenz kann der Patient selbst regulieren. „Das Kribbeln, das er verspürt, soll den Schmerz übertönen und zur Entspannung der Muskulatur führen.“

Wegweise für Patienten und Angehörige

www.schmerzlos-ev.de Die Vereinigung aktiver Schmerzpatienten ist ein Verein, der sich für deren bessere Versorgung einsetzt, die Bevölkerung über die Vorbeugung und Behandlung von Schmerzen aufklären will und die Arbeit von Selbsthilfegruppen unterstützt. Die Webseite fordert Patienten dazu auf, zu Experten für die eigene Erkrankung zu werden.

www.deutsches-kinderschmerzzentrum.de Diese Einrichtung soll ­Kindern und Jugendlichen mit chronischen Schmerzen das Leben erleichtern. Die Webseite bietet Informationen auch für betroffene Eltern.

www.dsl-chronische-schmerzen.de Die Deutsche Seniorenliga informiert über Schmerzarten und geht besonders auf Beschwerden älterer Menschen ein. In den Berichten zur Schmerztherapie geht es nicht nur um Medikamente, sondern auch um nicht medikamentöse Behandlungsverfahren.

www.dgss.org Die Deutsche Schmerzgesellschaft ist die größte medizinisch-wissenschaftliche Fachgesellschaft zum Thema Schmerz in Europa. Auf ihrer Webseite bietet sie auch eine ausführliche Patienteninformation zu Schmerzerkrankungen, Diagnostik und Therapie. Fachbegriffe sowie die verschiedenen Möglichkeiten der Patientenversorgung werden verständlich erklärt.

www.schmerzliga.de Die Deutsche Schmerzliga will die Lebensqualität von Menschen mit chronischen Schmerzen verbessern. Der Verein informiert über die Möglichkeiten der modernen Schmerz­­­therapie, gibt Tipps für Patienten und hilft bei der Suche nach einem Schmerztherapeuten. Außerdem bietet die Organisation ein Schmerztelefon (06171/28 60-53) an, das Montag, Mittwoch und Freitag, 9–11 Uhr erreichbar ist; Montag, 18–20 Uhr unter 06201/604 94 15.

www.internisten-im netz.de Der Berufsverband Deutscher Internisten erklärt ausführlich , welche verschiedenen Arten von Schmerz es gibt und was in solchen Fällen zu tun ist.

www.neuro.med.tu-muenchen.de/dfns Der Deutsche Forschungsverbund Neuropathischer Schmerz informiert darüber, wie Nervenschmerzen entstehen und wie sie behandelt werden.

www.krebsinformationsdienst.de/leben/schmerzen/schmerzen-index.php Das Deutsche Krebsforschungszentrum gibt einen Überblick über die Schmerztherapie bei Krebspatienten und weitere Verfahren, die eine Behandlung unterstützen können. cw