Gesundheitsserie

Was hilft bei Erkältungen?

Dr. Stefan Renz ist Kinderarzt und Vorsitzender des Hamburger Landesverbandes der Kinder- und Jugendärzte

Dr. Stefan Renz ist Kinderarzt und Vorsitzender des Hamburger Landesverbandes der Kinder- und Jugendärzte

Foto: Andreas Laible

Teil 11: Grippe & Co. Zwei Hamburger Ärzte erklären, wie man sich verhalten soll und was zu tun ist, wenn es einen erwischt hat

Die Nase läuft, Husten sorgt für schlaflose Nächte, und Schwächegefühl macht jede Verrichtung anstrengend – solche Erkältungen sind meist nach einer Woche wieder vorbei. Aber in manchen Familien sind sie Dauergast, besonders wenn kleine Kinder gerade in Kindergarten oder Krippe kommen.

„Wenn diese Familien zu mir kommen, warne ich sie schon vor, dass wir uns in nächster Zeit häufiger sehen“, sagt Dr. Stefan Renz, niedergelassener Kinderarzt in Hamburg und Vorsitzender des Hamburger Landesverbandes der Kinder- und Jugendärzte. Denn im Kleinkindalter sind zwölf Infekte im Jahr nicht ungewöhnlich. „Schließlich muss sich das kindliche Immunsystem erst mal mit den Keimen auseinandersetzen, bevor es dagegen einen gewissen Schutz entwickelt“, sagt Renz.

Echte Grippe beginnt plötzlich – und mit hohem Fieber

Erkältungen sind, wenn keine Komplikationen auftreten, lästig, aber ungefährlich. Sie gehen meist mit Schnupfen, Husten und Halsschmerzen einher und werden durch Erkältungsviren ausgelöst. Die echte Grippe (Influenza) beginnt plötzlich mit hohem Fieber, Kopfschmerzen, Husten, und dauert vier bis fünf Tage. Erreger sind Influenzaviren. Diese Infektion kann, besonders für Menschen mit Vorerkrankungen, gefährlich werden.

In der Behandlung gibt es aber kaum Unterschiede zwischen Grippe und grippalen Infekten, die sich als Bronchitis, Sinusitis und Schnupfen bemerkbar machen. Da es sich um Virusinfekte handelt, hat es keinen Sinn, Antibiotika zu verschreiben, weil diese nur gegen Bakterien helfen.

Diese Mittel helfen bei rippalen Infekten und Grippe

In der Therapie geht es vor allem darum, das Eindringen der Keime zu verhindern und dem Körper zu helfen, mit der Infektion besser fertig zu werden. Das beginnt mit der Pflege der Nasenschleimhaut, die die Viren meist zuerst angreifen.

„Mit dem Daumen kann man Panthenol-Salbe in das Nasenloch schieben. Durch Druck auf den Nasenflügel verteilt sie sich als pflegender Schutzfilm über die Nasenschleimhaut“, sagt Klaus Schäfer, Hausarzt in Hamburg. Um Keime aus der Nase zu spülen, empfiehlt er die Anwendung von Nasenduschen: „Für die Nasenspülung nimmt man Salzwasser, das die gleiche Salzkonzentration hat wie die Flüssigkeit in unseren Zellen. Dafür gibt man neun Gramm Kochsalz auf einen Liter Wasser.“

Um die allgemeine Abwehr zu stärken, empfiehlt Schäfer Tee mit Honig: Dabei ist es wichtig, den Honig erst in den Tee zu geben, wenn dieser Trinktemperatur hat, weil die Abwehrstoffe im Honig durch kochendes Wasser zerstört werden. „Der Zucker im Honig hilft auch bei der Produktion von Schleim“, sagt Schäfer.

Um Schleim zu lösen, empfiehlt er pflanzliche Mittel. „Hustenblocker sind für die Akutphase einer Erkältung ungeeignet, weil der Hustenstoß Bronchien und Rachen von Keimen reinigt“, sagt Schäfer. Wenn die Nase läuft, sollte man auch bedenken: Es ist besser, den Schleim hochzuziehen, als mit Hochdruck ins Taschentuch zu schneuzen. „Beim Schneuzen presst Druckluft den Schleim in die Nasennebenhöhlen hinein, wo er einen Nährboden für Keime bildet. Wenn man den Schleim hochzieht, wird er aus dem Nasengang und den Nebenhöhlen herausgesogen“, sagt Schäfer.

Nicht immer ist eine Schwitzpackung eine gute Idee

Fieber kann zwar unangenehm sein, hat aber eine wichtige Funktion als Abwehrmaßnahme des Körpers. Deshalb sind fiebersenkende Maßnahmen nicht immer sinnvoll. „Kreislaufgesunde sollten Temperaturen bis 39 Grad tolerieren.

Wer an einer chronischen Erkrankung leidet, sollte schon ab 38,5 Grad etwas dagegen unternehmen und zum Beispiel Paracetamol einnehmen oder Wadenwickel anlegen“, sagt Schäfer. Sie sollten aber nicht kalt sein, sondern lauwarm. Wenn sie zu kalt sind, ziehen sich die Blutgefäße der Haut zusammen und es wird keine Wärme mehr abgegeben.

Schäfer hat auch ein Rezept für eine moderne Variante der Schwitzpackung, „Man kann sich in eine Badewanne mit 38,5 Grad warmem Wasser setzen. Wenn man eine höhere Körpertemperatur hat, gibt der Körper Wärme an das Badewasser ab und kühlt ab, oder die Temperatur ist niedriger. Dann wird die Körpertemperatur künstlich erhöht, um den Abwehrprozess zu beschleunigen. Das kann man aber nur machen, wenn man einen guten Kreislauf hat und nicht unter Herz-Kreislauf-Erkrankungen leidet“, sagt Schäfer. Vorsichtshalber sollte man einen Hocker vor die Wanne stellen, sich nach dem Bad im Sitzen abtrocknen und dann ins Bett legen.

Hühnersuppe: Sie hilft, auch wenn keiner weiß, warum

Auch ein uraltes Hausmittel hat heute noch seine Berechtigung: die Hühnersuppe. „Warum sie hilft, ist nicht genau untersucht, aber sie ist ein gutes Mittel“, sagt der Hausarzt.

Kindern mit Erkältungen verordnet Renz viel Flüssigkeit, Bettruhe, Hühnerbrühe, Orangensaft und eventuell Paracetamol oder Ibuprofen bei Schmerzen und Fieber. „Wichtig ist, Komplikationen zu erkennen und zu behandeln, wie Mittelohr- und Lungenentzündung und eine Herzmuskelentzündung“, sagt Renz.

Eine Herzmuskelentzündung kann für Betroffene lebensbedrohlich sein, insbesondere bei körperlicher Anstrengung. Deswegen rät Renz, nach einer echten Grippe zwei bis drei Wochen zu warten, bis die Kinder wieder Sport machen dürfen. Handelt es sich nur um einen grippalen Infekt, können die Kinder wieder Sport treiben, sobald sie sich fit fühlen.

Was tun bei Fieberkrampf?

Auch der Kinderarzt rät dazu, mit fiebersenkenden Maßnahmen abzuwarten. „Wenn das Kind mit 39,8 noch munter durch die Gegend rennt, sollten Eltern nichts gegen das Fieber unternehmen. Wichtig ist, das Kind reichlich trinken zu lassen und darauf zu achten, ob die Windeln ungewöhnlich lange trocken sind. Das wäre ein Alarmsignal für eine Austrocknung“, sagt Renz. Fiebersenkende Maßnahmen sollte man anwenden, wenn das Kind so unleidlich ist, dass es nicht mehr essen und trinken mag, nicht mehr in den Schlaf kommt und sehr schlapp ist.

Viele Eltern haben Angst vor einem Fieberkrampf. „Der Krampf tritt typischerweise beim Temperaturanstieg auf, sodass Medikamente oft zu spät kommen. Auch wenn man für diesen Fall bereits eine Diazepam-Rectiole im Kühlschrank hat, sollte man zunächst einige Minuten abwarten, ob sich der Krampf von allein löst. Also Ruhe bewahren, das Kind so lagern, dass die Atemwege frei sind und aufpassen, dass es sich nicht verletzt. Hilft das Diazepam nicht oder tritt der Krampf das erste Mal auf, sollte man den Rettungsdienst unter 112 anrufen“, sagt Renz.

Frische Luft, gute Ernährung und häufiges Händewaschen

Um grippalen Infekten vorzubeugen, sollte man sich viel an frischer Luft aufhalten. „Aufenthalt in überheizten Räumen mit sehr trockener Luft sowie in einer Raucherumgebung führt zur Austrocknung der Schleimhäute und zu erhöhter Infektanfälligkeit“, sagt Renz.

Beide Ärzte empfehlen ausgewogene Ernährung und sorgfältiges Händewaschen. Um die Infektion nicht weiterzutragen, sollte man beim Husten nicht die Hand vor den Mund halten, sondern den Ellenbogen oder den Unterarm. Renz warnt davor, im Haushalt Desinfektionsmittel zu benutzen: „Damit werden empfindliche, ungefährliche Keime abgetötet, die widerstandsfähigen, krankmachenden Keime überleben und vermehren sich.“

Informationen im Netz:

https://influenza.rki.de Auf der Webseite der Arbeitsgemeinschaft Influenza des Berliner Robert-Koch-Instituts werden während der Wintersaison wöchentlich Karten veröffentlicht, auf denen abzulesen ist, wie verbreitet akute Atemwegserkrankungen in den einzelnen Bundesländern sind.

https://grippeweb.rki.de Das Onlineportal des Robert-Koch-Instituts informiert über die „echte“ Grippe, Erkältungen und Impfungen und gibt in Wochenberichten Auskunft über die Häufigkeit neu aufgetretener akuter Atemwegserkrankungen.

www.atemwegsliga.de Die Web­seite der Deutschen Atemwegsliga, eines gemeinnützigen Vereins, bietet Informationen über Atemwegs- und Lungenerkrankungen und erklärt, wie im Handel befindliche Inhalationssysteme angewendet werden.

www.lungenaerzte-im-netz.de Die Webseite von den Fachgesellschaften der Lungenheilkunde informiert über den anatomischen Aufbau der Atemwege und Erkrankungen sowie über Raucherentwöhnung.

www.lungenstiftung.de Die Deutsche Lungenstiftung ist ein Verein, der es sich zum Ziel gesetzt hat, die Bevölkerung über Atemwegs- und Lungenerkrankungen aufzuklären. Auf ihrer Webseite hat die Stiftung auch einen Expertenrat eingerichtet. Dabei können Interessierte Experten online zu Erkrankungen der Lungen und Atemwege ­befragen.

www.kinderärzte-im-netz.de Der Berufsverband der Kinder- und Jugendärzte gibt auf seiner Gesundheitsplattform umfangreiche Empfehlungen zur Behandlung von Erkältungen