Medizin

Kinderärzte kritisieren Anstieg von Therapien bei Kindern

Eine Logopädin bei der Arbeit mit einer jungen Patientin. Immer mehr Kinder unter 15 Jahren bekommen Therapien wie diese verordnet – zum Unverständnis vieler Kinder- und Jugendärzte.

Eine Logopädin bei der Arbeit mit einer jungen Patientin. Immer mehr Kinder unter 15 Jahren bekommen Therapien wie diese verordnet – zum Unverständnis vieler Kinder- und Jugendärzte.

Foto: imago stock&people

Kindern unter 15 Jahren werden immer öfter Therapien verordnet. Kinder- und Jugendärzte halten das für einen völlig falschen Ansatz.

Berlin.  Kinder- und Jugendärzte kritisieren die steigenden Verschreibungszahlen von Therapien für Kinder. Vor allem bei Kindern unter 15 Jahren steige die Zahl der Verordnungen für Logopädie und Ergotherapie, erklärte der Berufsverband der Kinder- und Jugendärzte am Dienstag in Köln. Die Ausgaben für sogenannte Heilmittel seien von 2010 bis 2014 um 23,4 Prozent gestiegen. Anstelle von Einzeltherapien für ein Kind würden aber verstärkt Therapeuten benötigt, die Erzieherinnen und Grundschullehrerinnen beraten und anleiten, forderte der Ärzteverband.

„Viele Kinder, vor allem Kinder aus schwierigen sozialen Verhältnissen, werden heute von ihren Eltern nur unzureichend gefördert und angeregt“, erklärte Verbandspräsident Thomas Fischbach. Die sprachliche und motorische Entwicklung dieser Kinder verlaufe dann nicht altersgemäß, obwohl die Kinder körperlich und geistig gesund seien. In der Kita und in der Grundschule falle dies auf, doch Erzieherinnen und Lehrerinnen stünden etwa wegen großer Gruppen und schlechter Personalschlüssel unter hohem Druck. Eltern werde dann häufig eine Therapie für ihr Kind empfohlen.

Bessere Elternberatung gefordert

Der Mediziner kritisierte, dass Kinder- und Jugendärzte teilweise massiv unter Druck gesetzt würden, Therapien zu verordnen. „Eine Stunde Therapie in der Woche kann aber nicht ausgleichen, was über Jahre zu Hause versäumt wurde. Wir müssen den Weg zurück in die Pädagogik finden.“

Benötigt werde eine bessere Elternberatung von der Schwangerschaft an, ein Ausbau der Frühen Hilfen und Familienzentren sowie eine bessere Ausbildung von Erzieherinnen in den Kitas. Für Kinder- und Jugendärzte sollte die Möglichkeit bestehen, Heilpädagogik verordnen zu dürfen, erklärte der Ärzteverband. (epd)