Knochenschwund

Warum Osteoporose eine große Gefahr für die Mobilität ist

Knochenschwund betrifft häufig die Wirbelsäule. Einzelne Wirbel können in sich zusammensacken.

Knochenschwund betrifft häufig die Wirbelsäule. Einzelne Wirbel können in sich zusammensacken.

Foto: Istockphoto/Eraxion

Rund acht Millionen Menschen in Deutschland leiden an Osteoporose. Ein harmloser Sturz kann für Betroffene schlimme Folgen haben.

Essen.  Osteoporose, auch Knochenschwund genannt, ist eine Erkrankung, die gerade die älteren Betroffenen in die Knie zwingt und vorzeitig zu Pflegefällen machen kann. In Deutschland leiden laut dem Deutschen Orthopäden- und Unfallchirurgen-Verband etwa acht Millionen Menschen an der Krankheit – vor allem Frauen sind betroffen. Eine Behandlung, die nicht immer zwingend direkt mit Medikamenten einhergehen muss, sollte früh eingeleitet werden.

Bei einer Osteoporose vermindert sich die Festigkeit der Knochen. In einem gesunden Knochen wird sie durch die sogenannte Mikroarchitektur, bestehend aus Knochenbälkchen, und den Mineralsalzgehalt des Knochengewebes erzeugt. Das wichtigste Knochenmineral ist Kalzium– 99 Prozent des Körperkalziums befinden sich in den Knochen, die gleichzeitig auch als Kalziumspeicher dienen. Wenn sich viele Knochenbälkchen zurückbilden, entstehen im Gewebe Hohlräume – die Knochen werden porös. „Bei manchen Menschen werden sie so brüchig, dass allein schon bei einer festen Umarmung Rippen brechen oder bei einem Hustenstoß oder ungeschicktem Anheben Wirbelkörper einbrechen“, sagt Professor Johann D. Ringe, Direktor des Westdeutschen Osteoporosezentrums an der Medizinischen Klinik IV des Klinikums Leverkusen.

Viele Risikofaktoren führen zum Abbau der Knochensubstanz

Dass sich mit zunehmendem Alter mehr Knochensubstanz abbaut, ist ein normaler Vorgang – bei einer Osteoporose beschleunigt sich dieser Prozess enorm. Für ältere Menschen ist das gefährlich, weil sie schneller und oft ungeschickter stürzen als junge Menschen. „Insbesondere Brüche im Bereich des Oberschenkelhalses können sehr ernsthafte Folgen haben“, sagt Ringe. Der gefürchtete Oberschenkelhalsbruch führe häufig zu einem bleibenden Verlust an Mobilität und ende in vielen Fällen im Pflegeheim.

Wenn die Osteoporose nicht als Folge von Medikamenten oder anderen Grunderkrankungen wie zum Beispiel chronischen Darmentzündungen oder Rheuma auftritt, spricht man von einer primären Osteoporose. Die Liste der Risikofaktoren ist lang, vereinfacht gesagt können ein ungesunder Lebensstil, die Genetik, das biologische Alter und die hormonelle Lage das Risiko des Knochenschwunds weiter steigern.

Vor allem Frauen nach dem Einsetzen der Wechseljahre sind betroffen

Die Osteoporose trifft vor allem Frauen – und das in den allermeisten Fällen mit Beginn der Wechseljahre. „Hier fällt der Östrogenspiegel ab, und damit ein wichtiger Faktor, der die Knochen schützt“, sagt Johann Ringe. Gleichwohl sind auch Männer davor nicht gefeit: Sie sind aber meist später betroffen und holen durch einen ungesunden Lebensstil und den fallenden männlichen Hormonspiegel mit steigendem Alter auf.

Um herauszufinden, ob der Patient unter Osteoporose leidet, wird eine Knochendichtemessung, die sogenannte DXA-Methode, als Standardmethode empfohlen. Dabei werden zwei Energiestrahlen durch die Lendenwirbelsäule und den Oberschenkelhals geschickt. Aus der Menge der Strahlung, die durch den Knochen gelangt, kann die Knochendichte für die beiden Messorte berechnet werden. Die Kosten für diese Untersuchung werden von den Krankenkassen in der Regel nicht bezahlt. Hier muss man von 18 bis 32 Euro ausgehen. Wenn die Diagnose jedoch gesichert ist und schon Knochenbrüche vorliegen, zahlen die meisten Kassen die Untersuchung.

Das Meiden von Milchprodukten oder erhebliches Untergewicht

Der Messbefund gibt zwar einen statistischen Hinweis auf das Risiko künftiger Frakturen, aber: „Allein auf der Basis des DXA-Befundes soll nicht über die Behandlung mit einem spezifischen in den Knochenstoffwechsel eingreifenden Medikament entschieden werden“, so Ringe. Erst eine deutlich verminderte Knochendichte im Zusammenhang mit Risikofaktoren wie dem Alter oder Geschlecht würde eine derartige Therapie rechtfertigen. „Von daher ist es sehr wichtig, sich im Gespräch mit dem Betroffenen Zeit zu nehmen und genau zu hinterfragen, wie er lebt, ob Rückenbeschwerden vorliegen, welche eventuellen Vorerkrankungen bestehen und welche Medikamente regelmäßig eingenommen werden“, sagt Ringe.

Auch wenn die Osteoporose vor allem eine Erscheinung des Alters ist: Nicht selten sind auch junge Menschen betroffen. „Hier spielt zum einen die Genetik eine Rolle, aber auch eine starke, langzeitige Fehlernährung.“ Dazu gehört das strikte Meiden von Milchprodukten oder erhebliches Untergewicht.

Ein bewusster Lebensstil mindert das Risiko

Mit einem bewussten Lebensstil kann das Risiko, an einer Osteoporose zu erkranken, gemindert werden – und bei einer bestehenden Osteoporose das Risiko von Knochenbrüchen. „Besonders wichtig sind die Ernährung und ausreichend Bewegung“, sagt Johann Ringe. Dazu gehörten kalziumreiche Kost, eine ausreichende Versorgung mit Vitamin D und der Verzicht auf Nikotin. Schon in jungen Jahren ist der Aufbau von Muskelmasse wichtig – aber auch ältere Menschen sollten, soweit es ihnen möglich ist, in Bewegung bleiben, damit sie nicht so schnell stürzen. „Gerade die Brüche der Wirbelkörper sind das Hauptproblem, deswegen ist neben den Beinmuskeln gezielte Gymnastik zur Kräftigung der Rücken- und Bauchmuskeln besonders wertvoll“, so Ringe.

Die Behandlung mit Medikamenten und Vitaminen

Nicht immer ist die Gabe von Medikamenten die erste Wahl. Da viele Osteoporosepatienten eine ungenügende Kalziumzufuhr und einen Vitamin-D-Mangel haben, kann hier der erste Weg eine Nahrungsergänzung mit Kalzium oder Vitamin-D-Präparaten sein.

In schweren Fällen gibt es Medikamente, die den Knochenabbau bremsen oder den Aufbau fördern können. Medikamente, die den Abbau verlangsamen, sind die sogenannten Bisphosphonate. „Sie gibt es als Tabletten zur wöchentlichen oder monatlichen Einnahme, aber auch als Spritzen in die Vene mit drei- oder sogar 12-monatiger Wirkdauer“, so Ringe. Bisphosphonate sollten jedoch nicht länger als fünf Jahre genommen werden.

Einen Durchbruch gab es mit der Entwicklung des ersten biologisch wirksamen Medikaments: dem spezifischen Antikörper Denosumab. Dieser Wirkstoff wird alle sechs Monate unter die Haut gespritzt. Geforscht wird derweil vor allem an Mitteln, die den Knochenaufbau direkt stimulieren.