Internet und PC

Drohende Computerspiel- und Onlinesucht erkennen

Computergames machen möglich, was den Meisten verwehrt bleibt: Einmal ein Held sein. Doch das Web und der PC können auch Suchtfallen sein.

Hamburg. „Sitzt du schon wieder vor dem Computer?" Wenn Partner oder Freunde diesen Satz öfter fallen lassen, sollten Betroffene das als erstes Alarmzeichen für eine Online- oder Computerspielsucht werten, erklärt das Deutsche Zentrum für Suchtfragen im Kinder- und Jugendalter (DZSKJ) der Uniklinik in Hamburg. Typisch für Abhängige ist es zum Beispiel, Freunde oder Hobbys zu vernachlässigen. Hinzu kommt ein zunehmender Kontrollverlust: Onlinesüchtige kommen vom PC einfach nicht los - selbst wenn nach stundenlangem Daddeln oder Surfen der Rücken wehtut und die Augen müde sind.

Wer sich Sorgen um seinen eigenen Internetkonsum macht, kann sein Verhalten mit einem Selbsttest in einer Broschüre des DZSKJ überprüfen. Dabei müssen 20 Fragen ehrlich und impulsiv beantwortet werden. Teilnehmer sollen sich zum Beispiel fragen, ob sie einen Tag ohne Computer für einen verlorenen Tag halten. Steht am Ende bei mehreren Punkten ein „Ja“, sollten Betroffene besser professionelle Unterstützung suchen. Die passenden Kontaktadressen gibt es zum Beispiel auf der Webseite der Deutschen Hauptstelle für Suchtfragen (DHS) unter www.dhs.de.

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Besorgte Eltern können mit einem ähnlichen Test der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) eine mögliche Gefährdung ihrer Kinder entdecken. Von kategorischen Verboten zur Suchtprävention rät die Bundeszentrale aber eher ab. Besser sei es dagegen, feste Regeln zum Zocken oder Surfen zu vereinbaren, zum Beispiel in Form von Zeitkonten. Für Teenager ab 14 Jahren lässt sich etwa ausmachen, dass sie acht Stunden in der Woche spielen und surfen dürfen und sich diese Zeit selbst einteilen können. Steht der Familien-PC in einem gemeinsam genutzten Raum, lässt sich die Einhaltung solcher Regeln besser überprüfen. Grundsätzlich sinnvoll sei es außerdem, wenn Eltern Interesse für die Online-Erlebnisse ihrer Kinder zeigen und sich Spiele oder Internetangebote vom Nachwuchs erklären lassen.

Großes Suchtpotenzial lauert nach Angaben der BZgA vor allem bei Online-Spielen: Sie sind oft so konstruiert, dass sie den Spieler immer wieder mit neuen Gegenständen oder Fähigkeiten belohnen, wenn er weiterspielt. Je besser die virtuelle Spielfigur, desto größer ist auch die Anerkennung der Mitspieler. Höhere Levels können Nutzer aber nur erreichen, wenn sie auch entsprechend viel Zeit investieren. Ein festes Ende haben die Spiele in der Regel nicht. Auch soziale Netzwerke können bei intensiver Nutzung abhängig machen: Im Gegensatz zum realen Leben erhalten Mitglieder hier eindeutigere Rückmeldungen - etwa „gefällt mir!“. Auch kann eine Vielzahl von Onlinekontakten einem das Gefühl vermitteln, einen großen Freundeskreis zu besitzen.