Querschnittlähmung

Die Behandlung im Spezialzentrum in Boberg

Foto: Marcelo Hernandez

Hamburg. Eine Querschnittlähmung verändert das Leben schlagartig. Forschungsprojekte arbeiten weltweit an der Frage, wie man es anstellt, die verletzten Nerven zu heilen. Ein Projekt ist der Mikrochip, der zurzeit von Wissenschaftlern des Unfallkrankenhauses in Boberg, der TU Harburg und der Uni Düsseldorf entwickelt wird (das Abendblatt berichtete). In diesem Chip mit winzigen Kanälen kann ein Unterdruck erzeugt werden, der die Nervenenden wieder aneinanderpresst und so ein Zusammenwachsen ermöglicht. Ein erstes Tierexperiment war bereits erfolgreich. Doch die Anwendung am Menschen liegt noch in weiter Ferne.

Heute geht es in der Therapie dieser Patienten vor allem darum, einen möglichst hohen Grad an Selbstständigkeit zu erreichen. Was dabei möglich ist, richtet sich nach Schwere und Ausmaß der Lähmung. Ein Querschnittgelähmter mit einer Lähmung der Beine "braucht einen Rollstuhl, sollte aber völlige Selbstständigkeit erreichen, in alltäglichen Verrichtungen, Mobilität, Beruf und Sport", sagt Dr. Roland Thietje, Chefarzt des Querschnittgelähmten-Zentrums der Boberger Klinik. Pro Jahr werden dort allein 190 neue Patienten mit einer Querschnittlähmung behandelt.

Drei Monate bleiben die Patienten im Durchschnitt in der Klinik. "Doch je höher die Querschnittlähmung liegt, desto problematischer ist die Rehabilitation", sagt Thietje.

Nach dem Klinikaufenthalt gehe der größte Teil der Patienten wieder in die eigene Wohnung zurück, die rollstuhlgerecht umgebaut wurde. Medizinisch werden sie vom Hausarzt betreut und kommen einmal im Jahr zur Nachuntersuchung in die Klinik. "Wir haben hier Patienten, die schon seit über 50 Jahren querschnittgelähmt sind", sagt Thietje. Das zeigt auch: Die Lebenserwartung unterscheidet sich nicht wesentlich von der nicht Gelähmter.

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