Brief aus der Mühle

Was uns sogar zur Weihnachtszeit blühen kann

Die Blüte einer japanischen Schneekirsche (Prunus subhirtella).

Die Blüte einer japanischen Schneekirsche (Prunus subhirtella).

Foto: Picture Alliance

Schmuckblatt-Mahonien und Zaubernuss zeigen im Winter ihre Pracht. Weniger bekannt ist die japanische Schneekirsche - sogar als Hausbaum geeignet.

Hoffentlich gibt es bald richtig Winter. Ein bisschen wenigstens. Nicht, weil ich dann endlich den neuen Mantel anziehen könnte, den mir meine Frau Anke schon vor Wochen in die Flurgarderobe gehängt hat. Aber die Fragerei nervt. „Blühen bei dir auf der Mühle noch Rosen?“ Nein, natürlich nicht – auch wenn das vielleicht irgendwo in Deutschland der Fall sein sollte. Ja, zwei bis drei Gänseblümchen blühen im sattgrünen Rasen. Nein, der Natur schadet es nicht, Fauna und Flora sind das durchaus gewohnt.

Die wahren Katastrophen sind nicht der warme Dezember und grüne Weihnachten, sondern die seit etlichen Jahren dramatisch abschmelzenden Polkappen und Gletscher. Sie sind die Indikatoren für Unwetterkatastrophen und sichtbare Beweise dafür, dass der Klimawandel real ist und nicht etwa nur den Hirnen von grünen Verschwörungstheoretikern entspringt.

Tatsache ist aber auch, dass der Dezember der wärmste seit vielen Jahren war. Ob allerdings die Knospen des Flieders in unserem kleinen Mühlenpark im Wendland dicker sind als sonst, wie meine Frau Anke glaubt? Ich weiß es nicht. Tatsache aber ist, dass die Schmuckblatt-Mahonie statt normalerweise erst im Februar und März schon zu Weihnachten bei uns in voller Blüte standen. Mahonia bealei stammt aus Fernost – und ist etwas empfindlicher als die unverwüstliche Schwester aus Nordamerika, die bei uns schon seit fast zwei Jahrhunderten als Park- und Gartenpflanze bekannt und längst verwildert ist.

Die immergrüne Mahonia aquifolium ist bei Gärtnern so beliebt, weil sie ausgesprochen pflegeleicht ist und auf nahezu allen Böden, in voller Sonne und auch im Schatten gedeiht. Als Tiefwurzler kann sie auch trockenere Sommer überstehen, weswegen sie von Landschaftsplanern zunehmend als sogenanntes Straßenbegleitgrün eingesetzt wird. Diese Mahonienart wird gut einen Meter hoch, kann aber mühelos durch Schnitt kleiner gehalten werden, was außerdem einen dichten, heckenartigen Wuchs fördert.

Mahonia aquifolium ist absolut frosthart, was man von ihrer empfindlicheren asiatischen Schwester nicht behaupten kann. Gärtner empfehlen daher einen Winterschutz oder mindestens einen vor kaltem Wind geschützten Platz. Dann wird sie ein imposanter Strauch, der bei uns nach zehn Jahren schon fast zwei Meter groß ist. Vor allem ist die Schmuck-Mahonie ein Winterblüher. Sie beginnt bei mildem Wetter im November, doldenartige, leuchtend gelbe Blüten anzusetzen. Volle Pracht ist normalerweise erst im Februar und März zu besichtigen. Normalerweise. Denn unsere Schmuck-Mahonie ist schon voller Blüten, die im Sommer zu wunderbar blauen Beeren reifen. Die sind für uns Menschen ungenießbar, für Vögel aber ein beliebtes Fressen – und bei Anke äußerst begehrt als lange schmückende Zweige in großen Vasen. Da auch meine Schwiegermutter in Berlin sie bei uns für sich entdeckt hat, habe ich vor drei Jahren zwei weitere Exemplare gepflanzt, um immer Nachschub für die Vasen der Familie zu haben. Die einfachen Mahonien blühen erst ab April.

Was uns eigentlich fehlt, ist ein weiterer imposanter Winterblüher wie die noch nicht so bekannte japanische Schneekirsche. Eine gute Alternative zur Zaubernuss, die so in Mode gekommen ist, dass sie zurzeit in den Gärtnereien massenhaft angeboten wird. Prunus subhirtella heißt deswegen so bei uns, weil die Sorte „Autumnalis“ zum Beispiel erste Blüten im November und Dezember austreibt. Zu voller Blüte gelangen Schneekirschen normalerweise erst im Februar und März. Bei Bekannten im Nachbardorf habe ich jetzt ein Exemplar gesehen, das schon vor Weihnachten in voller Blüte stand.

Die Schneekirsche ist natürlich keine Kirsche, wie wir sie kennen. Früchte zum Essen hat sie keine. Dafür sieht sie einfach nur schön aus – wie fast alle der etwa 250 Kirschenarten, die es in Japan gibt. Wie diese gibt es die Subhirtella natürlich auch in verschiedenen Farben, zwischen reinem Weiß und zartem Rosa. Als meist mehrstämmiger Strauch wird sie bis zu fünf Meter hoch und fast ebenso breit, also weniger geeignet für schmale Reihenhausgärten. Als Baum gezogen kann sie aber durchaus eine Alternative zum traditionellen Hausbaum in kleineren Gärten werden – als einer, der im Winter – und gerade Weihnachten – blüht. Im Gegensatz zur Schmuck-Mahonie ist sie absolut frosthart, sollte aber einen geschützten Platz erhalten, damit die Blütenpracht nicht zu schnell vom Winde verweht wird. Ansonsten wächst die Schneekirsche auf fast jedem Boden, der nicht zu trocken ist, und am besten in voller Sonne. Im Herbst, kurz bevor die ersten Blüten erscheinen, beeindruckt der Schneekirschenbaum mit gelb-rotem Laub.

Bis zum nächsten Wochenende, herzlichst Ihr Karl Günther Barth