IBA Hamburg 2013

Uli Hellweg: "Wilhelmsburg ist meine Baustelle"

Foto: Ingo Röhrbein

2013 beginnt die Internationale Bauausstellung. Geschäftsführer Hellweg über Projekte, die schon jetzt den Besuch wert sind.

Wilhelmsburg. Noch 528 Tage bis zum offiziellen Beginn der Internationalen Bauausstellung (IBA) in Wilhelmsburg am 1. Januar 2013. Uli Hellweg wirkt zufrieden: "Hier wird ein ganzer Stadtteil neu belebt", sagt der Geschäftsführer der IBA Hamburg. Schon jetzt sind viele Baustellen von außen zu besichtigen, von den "Prima Klima-Anlage"-Häusern, die energetisch saniert wurden über das gerade entstehende Wohnprojekt Open House bis hin zum Energie-Berg in Georgswerder. Zu jedem einzelnen der insgesamt 50 Projekte könnte der 61 Jahre alte Ingenieur einen Vortrag halten, muss sich bei einer Baustellen-Rundfahrt mit dem Abendblatt allerdings auf das Wesentliche beschränken, denn der Kleinbus passiert die Projekte ziemlich schnell. Der Großteil befindet sich noch im Bau, und manche Großprojekte wie etwa die Smart Material Houses oder die Öffnung des Spreehafens werden erst im Frühjahr des kommenden Jahres begonnen. Auf den Baustellen hingegen herrscht reger Betrieb, der Zeitplan der meisten Projekte ist ehrgeizig. Hellweg bringt die Situation auf den Punkt: "Es gibt noch viel zu tun bis 2013." Für das Abendblatt stellt der IBA-Chef neun der spannendsten Baustellen vor:

"Kosmopolis - Neue Chancen in der Stadt"

"Das Besondere der IBA Hamburg ist die Vielfalt der Projekte und dass diese eng mit den Orten der Elbinseln verbunden sind. Wir verstehen uns nicht als eine Bauausstellung, die irgendwelche Leuchttürme in den Stadtteil baut. Wir wollen mit unseren Projekten ein Beispiel für eine Stadtentwicklung geben, die die Besonderheiten des Ortes und die Menschen des Stadtteils mit einbezieht. Insofern gibt es nicht das eine Lieblingsprojekt, sondern alle Projekte gemeinsam machen den Reiz der Internationalen Bauausstellung in Hamburg aus. Aber es gibt natürlich Beispiele, die diese Grundidee besonders gut deutlich machen. Unter unserem Leitthema 'Neue Chancen in der Stadt' zeigen wir, wie die Lebensbedingungen für die Menschen vor Ort verbessert werden können und wie neue Modelle städtischer Nachbarschaften aussehen können."

Bildungszentrum "Tor zur Welt": "Das Bildungszentrum 'Tor zur Welt' ist ein gutes Beispiel, wie Stadtentwicklung und Bildungspolitik Hand in Hand gehen müssen. Wir fassen hier nicht nur mehrere Schulen zusammen, sondern öffnen diese auch gegenüber dem Stadtteil. So wurde zum Beispiel die Gestaltung des Eingangsbereichs in einem Schüler-Eltern-Wettbewerb entwickelt. Das Bildungszentrum wird auch jenseits der Schulzeiten ein lebendiger Ort sein. Das zeigt hervorragend, dass wir nicht nur zukunftsweisend bauen wollen, sondern auch unterschiedliche Akteure vor Ort zusammenbringen."

Veringeck: "Richtig stolz können wir auf das Projekt Veringeck sein. Hier entsteht mitten in Wilhelmsburg eine wohl bundesweit einmalige Mischung aus Seniorenheim für Migranten mit einem öffentlichen türkischen Dampfbad und Café für den Stadtteil. Besonders spannend finde ich, dass das Gebäude Beispiele aus der orientalischen Architektur aufgreift. Das unterstreicht die Vielfalt unserer Gesellschaft. Auch energetisch ist das Veringeck vorbildlich und erfüllt auch diesen IBA-Schwerpunkt. Ich freue mich schon sehr darauf, wenn das Veringeck im November mit einem Tag der offenen Tür eröffnet wird."

"Haus der Projekte - die mügge": "Das 'Haus der Projekte - die mügge' ist ein wunderbares Projekt, das von Akteuren von den Elbinseln selbst angestoßen und realisiert wird. Der Verein Get the Kick, der auch auf der Veddel ein Jugendzentrum betreibt, baut hier mitten am Müggenburger Zollhafen eine Freizeiteinrichtung und Bootswerkstatt für Jugendliche aus dem Stadtteil. Die Jugendlichen können hier ihre Freizeit verbringen und sich auf den Beruf vorbereiten. Und zwar nicht erst nach der Eröffnung, sondern schon jetzt, denn sie werden zum Teil selber den Innenausbau übernehmen. Auch architektonisch ist das Haus herausragend. Es steht vor der Deichlinie und ist damit ein gutes Beispiel dafür, wie man direkt am Wasser sicher bauen kann."

Metrozone - Neue Wege in der Stadt"

"Das Leben auf den Elbinseln ist geprägt von Stadt und Hafen, Ruhe und Lärm, Grün und grauen Verkehrsachsen. Mit unserem zweiten Leitthema 'Neue Wege in der Stadt' wollen wir Möglichkeiten aufzeigen, die diese harten Gegensätze zu überwinden helfen und mehr Lebensqualität schaffen."

"Bauausstellung in der Bauausstellung": "Das Herzstück unseres Leitthemas 'Neue Wege in der Stadt' ist die Bauausstellung in der Bauausstellung. Wer einen Überblick über die IBA bekommen will, findet 2013 hier fast alle Antworten. Hier entsteht auf einer bisherigen Brachfläche direkt am künftigen Park der Internationalen Gartenschau (igs) ein ganz neues Quartier. Vielleicht tatsächlich das innovativste Quartier Europas. Hier werden wir 2013 sehen können, wie wir in der Zukunft bauen und leben werden. Hier stehen Gebäude aus innovativen Baustoffen, mit ganz neuen Zuschnitten, die viel stärker auf die Bedürfnisse der Menschen eingehen, die gute Architektur mit sozialen und ökologischen Ansprüchen verbinden."

Öffnung Spreehafen: "Die Öffnung des Spreehafens mag ich besonders gerne, weil sie eine jahrzehntelange Wunde auf den Elbinseln heilen wird. Künftig werden die Wohnviertel im Norden von Wilhelmsburg nicht mehr durch den Zollzaun vom Spreehafen getrennt sein. Nach Ende der Freihafenregelung kann der Zaun fallen, und die Flächen rund um den Hafen werden zu einem offenen Ort für die Bewohner. Schon heute gibt es hier zwei Öffnungen im Zaun, und man kann, auf dem Deich sitzend, den tollen Blick auf Hamburg und den Hafen genießen. Dies ist für mich ein gutes Beispiel, wie auch industriell geprägte Landschaften eine hohe Lebensqualität für die Anwohner bieten können."

Harburger Schlossinsel: "Ganz ähnlich ist es auf der Schlossinsel. Hier wollen wir zeigen, wie wohnen und arbeiten im maritimen Milieu zusammen funktionieren kann - mit allen Schwierigkeiten, die ein solches Zusammenleben mit sich bringt. Aber auch das gehört zur IBA, dass wir uns Nutzungskonflikten, zum Beispiel zwischen Stadt und Hafen, stellen. Dieses Projekt ist aber auch ein gutes Beispiel für die IBA, weil wir dazu beitragen wollen, dass der Sprung über die Elbe bis nach Harburg gelingt. Hierfür wollen wir Motor sein und eine Entwicklung anstoßen, die bis weit nach 2013 wirken soll."

"Klimafreundliche Stadt - Neue Energie für die Stadt"

"Alle Bauprojekte der IBA sind energetisch vorbildlich. Durch die Geschichte und Lage der Elbinseln stellt sich hier die Frage des Klimaschutzes und des Umgangs mit steigenden Meeresspiegeln ganz besonders. Wir wollen daher zeigen, wie wir in Zukunft vorbildlich bauen können und wie sich ein Stadtteil schrittweise komplett mit erneuerbaren Energien versorgen kann."

Energiebunker und Energieberg: "Wenn ich Besuchern die IBA-Projekte zeige, dann sind sie immer besonders beeindruckt von dem Energieberg und dem Energiebunker. Die sind auch wirklich in zweifacher Hinsicht besonders: Zum einen werden sie künftig rund 6500 Haushalte mit CO2-freier Energie versorgen. Zum anderen haben hier zwei problematische Orte im Stadtteil - ein Müllberg und ein Bunker - einen ganz neuen Sinn und ganz neues Leben bekommen. Künftig sollen beide Orte auch öffentlich zugänglich sein. Und der Blick vom Bunker und dem Berg auf Hamburg ist wirklich einmalig."

Case Study House: "Sehr gespannt bin ich auch, welche Erfahrungen wir mit unseren innovativen Bauten in der Bauausstellung sammeln werden. Hier plant zum Beispiel ein Investor ein Haus mit einer Bioreaktorfassade. Zwischen zwei Glasscheiben sollen hier an der Fassade Algen wachsen, die geerntet werden können und als Biomasse für die Energiegewinnung genutzt werden. Die Algen dienen auch als natürlicher Schattenspender. Hier zeigt die IBA ihren Forschergeist. Man stelle sich nur mal vor, wenn künftig an den riesigen Wandflächen Algen wachsen, aus denen Energie erzeugt werden kann!"

IBA Dock: "Ganz besonders ist für mich aber natürlich das IBA Dock auf der Veddel. Zum Beispiel deshalb, weil Deutschlands größtes schwimmendes Gebäude zeigt, wie wir mit einem steigenden Meeresspiegel leben können, und weil es energetisch vorbildlich ist. Ganz besonders ist es aber auch, weil die IBA hier ihr Büro hat und weil wir auf dem IBA Dock in unserer Ausstellung' IBA at Work' alle Projekte der Internationalen Bauausstellung zeigen. Es freut mich zu sehen, wie viele Besucher schon jetzt auf das IBA Dock kommen, um einen Überblick über unsere Projekte zu bekommen."

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