Hochschule für Musik und Theater

Liebe und Tod sind sich nah

Die "Opera concisa" bringt den Jubilaren Verdi und Wagner einige Geburtstagsständchen

2013! Für Opernleute wird dieses Jahr aufregend, anstrengend, wahrscheinlich beides. Gilt es doch, zwei Giganten des Musiktheaters zu feiern: Vor 200 Jahren wurden Wagner und Verdi geboren. Zwecklos, entscheiden zu wollen, welcher der noch Größere, für die Musikgeschichte noch Maßgeblichere gewesen sein soll. "Wagner geht mehr in die Breite, Verdi in die Höhe", hat der Dirigent und bekennende Wagnerianer Christian Thielemann der "Zeit" gesagt - will heißen, beider Qualitäten lassen sich nicht gegeneinander aufrechnen.

Eins steht mal fest: Wer immer auf sich hält, der muss mitmachen in diesem Jubiläumstrubel. Die Opernhäuser sowieso. Aber auch die Konzertveranstalter lassen sich nicht lumpen. Und eine besondere Herausforderung ist der Doppelgeburtstag für die Hamburger Hochschule für Musik und Theater. Mit einem regulären Opernhaus kann sie weder von den Räumen noch von der technischen Ausstattung her mithalten, und ein Gesangsstudent im dritten Semester füllt längst nicht jede Rolle aus. Doch trägt die Hochschule immer wieder mit originellen, frechen Produktionen ihren Teil zum Spektrum bei. Denn sie hat gegenüber den anderen Veranstaltern den Vorteil, dass ihre Produktionen nicht ganz so unerbittlich an Verkaufszahlen gemessen werden. Da kann man schon mal etwas wagen.

Für die Gala der Opernklasse, "Opera concisa" genannt, haben die Regisseure und Hochschullehrer Florian-Malte Leibrecht und Dominik Neuner die beiden Jubilare unter sich aufgeteilt: Neuner eröffnet den Abend mit Verdi, in der zweiten Hälfte ist Leibrecht mit Wagner dran. Die musikalische Leitung übernehmen Siegfried Schwab und Willem Wentzel, die Kostüme entwirft Esther Feldkamp, und durch den Abend führt Peter Krause.

Kaum eine Oper in Verdis umfangreichem Oeuvre, die es nicht zum Publikumsliebling gebracht hätte. Doch die Allerbeliebteste ist und bleibt "La Traviata" (zur Neuinszenierung in der Staatsoper s. Seite 10). Die Geschichte, sie beruht auf dem Roman "Die Kameliendame" von Alexandre Dumas, ist schnell erzählt: Violetta führt das mondäne Leben einer Dame aus dem Pariser Halbweltmilieu. Als ein gewisser Alfred in Liebe zu ihr entbrennt, lässt sie dieses Leben zurück und folgt ihm auf ein Landgut. Doch stört sich sein Vater an ihrer Vergangenheit und bittet sie, Alfred zu verlassen. Was sie dann auch tut, mit ernsten Folgen. In diesen Handlungsrahmen flicht Dominik Neuner Arien und Ensembles aus anderen Verdi-Opern wie "Otello", "Don Carlo" und "Un ballo in maschera". "Verdi kontrastiert häufig das Private mit dem Politischen", sagt Neuner. "Kollektiver Freudentaumel und einsames Leid liegen bei ihm nah beieinander, sie stehen sinnbildlich für Liebe und Tod. Das möchten wir zeigen."

So unterschiedlich Verdi und Wagner in Stil und Temperament auch waren, den überaus differenzierten Blick auf die Psychologie ihrer Figuren haben sie gemein. Wer es bei Wagner schafft, das Gewirr von Mythos und Stabreimschwulst zu durchdringen, trifft auf klar gezeichnete, in ihren Motivationen stets nachvollziehbare Charaktere. An die Stelle von Arien oder Duetten, wie sie in der hergebrachten Nummernoper üblich waren, treten bei ihm ausgedehnte Szenen.

Auch Florian-Malte Leibrecht hat aus verschiedenen Opern eine eigene Geschichte gebastelt. Dem Wagnerschen Universum nähert er sich von einem ungewohnten Blickwinkel aus, wobei er aus den besonderen Bedingungen der Hochschule eine Tugend macht: Er bringt große Ensembles auf die Bühne, etwa die Blumenmädchen aus dem "Parsifal" oder den berühmten Walkürenritt. "Szenen wie die Todesverkündung aus der ,Walküre' könnten wir nicht machen, dafür sind die Studenten stimmlich noch nicht weit genug", erläutert der Regisseur sein Konzept. "Die Ensembles sind eine große Herausforderung für die Studenten. Aber so etwas einmal zu erarbeiten, ist eine Chance für sie. Wenn sie ans Theater gehen, singen sie ja nicht gleich die Hauptrollen." Hier treffen also Kunstgenuss und pädagogischer Mehrwert zusammen. Chapeau.

"Opera concisa" 15.2., 19.30 (Premiere), 17.2., 16.00, Forum der Musikhochschule. Karten zu 16,- unter T. 45 33 26 oder 44 02 98