Das Klima in 20 Jahren

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Foto: Behörde für Wissenschaft und Forschung Hamburg

Der KlimaCampus steht für exzellente Forschung in Hamburg

Die Klimaforschung gehört zu den wissenschaftlichen Aushängeschildern Hamburgs. Sie ist der einzige Wissenschaftsbereich in der Umwelthauptstadt, der sich im Herbst 2007 im Exzellenzwettbewerb der Deutschen Forschungsgemeinschaft durchgesetzt hatte und damit zusätzliche 25 Millionen Euro Fördermittel vom Bund erhielt. Beworben hatten sich die Hamburger mit dem Projekt CliSAP, ins Deutsche übersetzt: integrierte Klimasystem-Analyse und -Vorhersage. Es steht für die Stärke des hiesigen Forschungsverbunds: die interdisziplinäre Zusammenarbeit von Wissenschaftlern der Universität und anderer Forschungsinstitutionen.

CliSAP umfasst 18 Uni-Institute, das Max-Planck-Institut (MPI) für Meteorologie und das Institut für Küstenforschung des Helmholtz-Zentrums Geesthacht. Das Deutsche Klimarechenzentrum (DKRZ) steuert Computerdienstleistungen bei. Ein reger Datenaustausch läuft zudem mit dem Seewetteramt, dem Bundesamt für Seeschifffahrt und Hydrografie und anderen Kooperationspartnern in Hamburg und Umgebung. Ebenso vielseitig wie die Akteure ist das Themenspektrum. Es reicht von der Klimamodellierung über Meeresforschung und Wirtschaftswissenschaften bis zur Friedensforschung.

Im Laufe der Projektarbeit haben die Wissenschaftler ihrem CliSAP-Exzellenzcluster einen griffigen Namen gegeben, er heißt jetzt KlimaCampus Hamburg. "CliSAP ist die Keimzelle des KlimaCampus, aber inzwischen arbeiten noch weitere Institutionen in unserem Netzwerk mit", sagt CliSAP-Sprecher Dr. Martin Claußen, Professor am Meteorologischen Institut der Universität und Direktor am MPI. Mehrere Hundert Forscher seien am KlimaCampus aktiv. Verortet ist er an der Bundesstraße; dort reihen sich wie Perlen an einer Kette das Geomatikum der Universität, das Zentrum für Marine und Atmosphärische Wissenschaften und das DKRZ aneinander.

Die Klimaforschung in Hamburg habe eine lange Vergangenheit und sei mindestens seit vielen Jahrzehnten ein wissenschaftliches Highlight, betont Claußen. Tragende Säulen waren und sind das universitäre Zentrum für Meeres- und Klimaforschung, das unter anderem den Betrieb der deutschen Forschungsschiffe "Meteor" und "Maria S. Merian" organisiert, und das MPI, dessen Simulationen verschiedener Klimazukünfte auch in die Berichte des Weltklimarats IPCC einfließen.

Mit dem Superrechner "Blizzard" (Schneesturm) des DKRZ im Rücken gehören die Forscher des MPI zu den ersten, die nicht nur globale Klimaszenarien errechnen, sondern auch feinmaschigere Daten zum regionalen Wandel liefern. Für Hamburg heißt das: Die Jahresmitteltemperatur wird bis 2100 um 2,5 bis drei Grad ansteigen, wobei die Erwärmung in den Herbst- und Wintermonaten tendenziell stärker ausfällt. Zudem erwarten die Hamburger trockenere Sommer und feuchtere Winter. Allerdings betonten die Wissenschaftler auch, dass für die Metropolregion Hamburg noch erheblicher Forschungsbedarf zu den Folgen des Wandels besteht.

Zudem seien auch manche grundlegenden wissenschaftlichen Fragen noch offen, so Claußen: "Wir haben den Kohlenstoffkreislauf der vergangenen 1000 Jahre noch nicht ausreichend verstanden. Das ist aber wichtig, um beurteilen zu können, wieweit der natürliche Kohlenstoffspeicher die menschliche Störung dämpfen kann oder vielleicht sogar verstärken wird." Eine weitere Herausforderung sei die Frage, welche Klimaänderungen Hamburg mindestens zu erwarten habe, wenn das weltweit angestrebte Ziel, die Erderwämung bis zum Ende des Jahrhunderts auf nur zwei Grad im Vergleich zum vorindustriellen Zeitalter zu begrenzen, tatsächlich erreicht wird.

Ein echter Meilenstein der Klimaforschung, an dem auch in Hamburg gemeißelt wird, wären sogenannte Klimavorhersagen. Claußen: "Bislang arbeiten wir mit Szenarien, die je nach Entwicklung der Menschheit verschiedene, gleichermaßen plausible Klimaänderungen zur nächsten Jahrhundertwende liefern. Unser Ziel sind Klimaprognosen für die kommenden zehn, vielleicht sogar 20 Jahre. Sie müssten ähnlich wie Wettervorhersagen funktionieren. In mehreren Forschungsprojekten versuchen wir unsere Modelle nicht nur mit Wetterdaten, sondern auch mit Daten aus dem Ozean und der Landoberfläche zu starten, um die Entwicklung von Atmosphäre und Ozean für die nahe Zukunft vorherzusagen."

Wenn es den Forschern des KlimaCampus gelingt, die klimatischen Verhältnisse vorherzusagen, die in ein, zwei Jahrzehnten in Hamburg, Deutschland oder Europa herrschen werden, dann wird deutlich, dass nicht nur die Enkel- und nachfolgende Generationen mit den Folgen der Erderwärmung zu kämpfen haben werden, sondern auch schon die heutige Gesellschaft. Sie reagiert bislang eher träge auf die Herausforderungen des Klimawandels, gemessen an den Anforderungen, die sich aus der Klimaforschung ableiten lassen.

( (hi) )