Bild Hamburg

"Wer etwas sagen will, muss es in Bild sagen"

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Martin Schnitker

Fast wäre die Bild-Zeitung ein Flop geworden, doch dann setzte sich ihr bahnbrechendes Konzept durch

Für einen Groschen gab es 1952 die ganze Welt in die Hand - der Ursprung für die erfolgreichste Boulevardzeitung Europas, Bild, war der Redaktionssitz an der Hamburger Außenalster. Später, von Mitte der 50er-Jahre an, kam Bild aus dem Verlagshaus im Herzen Hamburgs.

Der Verleger Axel Springer (1912-1985), der mit dem Hamburger Abendblatt, der Hörzu und der Constanze seine ersten Erfolge erzielen konnte, hatte sich 1952 vorgenommen, die Zeitungslandschaft zu revolutionieren. Sein Geniestreich sollte "eine unernste, besser gesagt antikonventionelle Zeitung" sein, mit dem "Geschmack einer Vanilleschnitte am frühen Morgen". Das Rezept für diese Zeitung: viele Bilder mit nur kurzen Texten. Jede Geschichte musste den Leser interessieren, das war Springers Anspruch.

Was für Axel Springer revolutionär und zukunftsweisend war, bewerteten die Verlagsdirektoren als wahren "Albtraum", wie Professor Hans-Peter Schwarz in seiner Biografie "Axel Springer", Propyläen-Verlag, 2008 schrieb. Die Direktoren befürchteten, dass Springer sein Unternehmen ruinieren würde. Der Verleger hörte nicht auf sie - und behielt recht.

Am 24. Juni 1952 titelte die erste Bild: "Grenze bei Helmstedt wird gesichert!" Neben großen Fotos auf Titel- und Rückseite war der Innenteil mit kurzen Meldungen, Horoskopen und Preisausschreiben gefüllt.

Rund 455 000 Exemplare wurden am ersten Tag unter die Leute gebracht. Die erste Ausgabe gab's umsonst, danach kostete Bild 10 Pfennig. Springer hielt diesen Preis 13 Jahre lang.

Anfangs schienen die Bedenkenträger im Verlag recht zu behalten. Die Auflagenentwicklung der ersten sechs Monate ging steil nach unten, fand sich im Dezember bei 245 000 wieder. Das Aus drohte.

Doch Axel Springer glaubte an sich, seine Idee und seine Zeitung. Und der Erfolg kam. Im März 1953 übersprang Bild die magische Eine-Million-Grenze, 1965 erreichte die verkaufte Auflage vier Millionen. Am 11. April 1953 erschien mit Bild Hamburg die erste Lokalausgabe der Zeitung.Bild entwickelte sich: Die Zeitung fand eine neue Bildsprache, wie zum Beispiel die mit Stacheldraht umrandeten Artikel zum Bau der Mauer am 16. August 1961 unter der Überschrift "Der Westen tut NICHTS!"

Bild hilft: "Bild ist der Anwalt des kleinen Mannes", formulierte Axel Springer. Mit "Bild kämpft für Sie" startete der Verlag 1971 eine der erfolgreichsten Kampagnen von Bild.

Bild hat Herz: Die Hilfsorganisation "Ein Herz für Kinder" wurde 1978 ins Leben gerufen. Bis heute hat die Organisation mehr als 153 Millionen Euro Spenden generiert.

Bild polarisiert: auch das mit Erfolg. Die Zeitung gewinnt über die Jahre immer mehr Leser, das Layout wird klarer, die Geschichten werden nachrichtlicher und exklusiver.

Bild macht Schlagzeilen: Viele sind uns im Gedächtnis geblieben. Hier eine kleine Auswahl: "Wir sind Papst" (20. April 2005), "Der Mond ist jetzt ein Ami" (21. Juli 1969) oder "Guten Morgen, Deutschland. Es war ein schönes Wochenende" (13. November 1989).

Heute ist Bild mit einer verkauften Auflage von 3,12 Millionen Exemplaren pro Tag die größte Zeitung Europas. Rund 12,53 Millionen Menschen informieren sich jeden Tag in Bild.

Bild ist die meistzitierte Zeitung Deutschlands mit vielen Exklusivnachrichten, einem einzigartigen und direkten Stil. Bild informiert auf den Punkt. Bis zu 35 Bundes-, Regional- und Stadtausgaben von Hamburg bis München, von Bremen bis Leipzig berichten flächendeckend aus ganz Deutschland.

Das Flaggschiff aller Lokalausgaben ist Bild Hamburg. Mit einer Auflage von 241 656 Exemplaren (Mo. bis Fr.) ist sie die größte Zeitung der Stadt. Nach dem Umzug der Bundesredaktion nach Berlin im Jahre 2008 macht Bild Hamburg mit einer starken Truppe aus dem 10. und 11. Stock des Axel-Springer-Verlagshauses die Zeitung für die Hansestadt.

Und was ist das Geheimnis des Erfolgs? Chefredakteur Kai Diekmann: "Mit mehr als 12,5 Millionen Lesern ist Bild heute das letzte mediale Gemeinschaftserlebnis Deutschlands. Wer etwas sagen will, muss es in Bild sagen - wenn er will, dass es gehört wird. Und auch wer nicht nur wissen will, was die Deutschen denken, sondern was sie fühlen, muss Bild lesen. Das ist unser Alleinstellungsmerkmal."