Wirtschaftsprüfer

Beim ersten Anlauf scheitert die Hälfte

Ein Jahr büffeln und dann sieben schwierige Klausuren binnen drei Wochen - das schaffen die Kandidaten nur mit mentaler Stärke.

Die Prüfung ist nicht nur schwierig. Sie ist eine der härtesten überhaupt in Deutschland. Das wissen all jene nur zu gut, die auf dem Weg nach oben das Examen für Wirtschaftsprüfer ablegen. "Die Menge an Lernstoff ist kaum überschaubar", sagt Christian Hantke, Manager bei Ernst & Young. Der 34-Jährige hat Ende 2008 den Härtetest für angehende Wirtschaftsprüfer bestanden. Die Vorbereitung war eine Zeit im Ausnahmezustand. Das schaffen längst nicht alle. Gut die Hälfte fällt beim ersten Anlauf durch. Nach einer Ergänzungsprüfung heißt es dann immer noch für rund ein Drittel der Prüflinge "nicht bestanden".

Die Wirtschaftsprüferkammer begründet solche Durchfallquoten mit dem hohen Qualitätsanspruch des Berufsstandes. "Alle Inhalte der Prüfung sind praxisrelevant", sagt Brigitte Rothkegel-Hoffmeister, verantwortlich für Aus- und Fortbildung beim Institut für Wirtschaftsprüfer in Deutschland (IDW). Die Anforderungen an Wirtschaftsprüfer seien sehr hoch. Mit der umfassenden Reform im Jahr 2004 wurden die Prüfungsgebiete bereits an die Praxis angepasst. Abstriche beim heutigen Examen würden mit Einbußen in der Qualität einhergehen.

Nach Uni-Abschluss und drei Jahren Assistenzzeit müssen die Prüflinge wieder zurück an die Bücher. Ein Jahr vor dem Examen begann Hantke damit, so wie die meisten. In Prüfungswesen, Recht, BWL und Steuern legte er beim Examen eine Prüfung ab. Innerhalb von drei Wochen standen sieben Klausuren an. Bei Hantke waren es rund vier Monate, in denen er sich auf die Prüfungen vorbereitete. "Ich habe mich in dieser Zeit von der Außenwelt abgeschottet", so Hantke. Frau und Tochter wurden in der ersten Woche aus der gemeinsamen Wohnung ausquartiert. Den ganzen Tag vor den Büchern, immer unter dem Druck, bestehen zu müssen. Denn davon hängt oft viel ab: Persönliche Entwicklung und Karriere. "Nicht wenige leiden in dieser Zeit unter Stresssymptomen, wie Rückenschmerzen oder Schlafstörungen", sagt die Hamburger Kommunikations- und Führungskräftetrainerin Marion Klimmer. Wer es beim dritten Anlauf nicht schafft, dem bleibt der Weg zum Wirtschaftsprüfer verschlossen. "Ein emotional-mentaler Tiefschlag, von dem sich die meisten nur schwer erholen", so Klimmer. Und ein scharfer Knick für die Karriere.

"Beim Examen zählen auch mentale Stärke und emotionale Balance", sagt Klimmer. In dem von ihr dafür entwickelten Trainingsprogramm definiert jeder Teilnehmer zuerst ein persönliches Zwischenziel. "Es ist wichtig, den eigenen Erfolgshebel zu kennen", so Klimmer. Das kann etwa eine sozialverträgliche Vereinbarung mit der Familie während der Vorbereitungszeit sein oder der feste Wille eines Morgenmuffels, um acht Uhr früh am Schreibtisch zu sitzen. Beim Workaholic sind es fest definierte Pausen am Tag. "Belohnungen für Erreichtes versüßen zudem den stressigen Alltag", so Klimmer. Um sich über den langen Zeitraum zu motivieren und eine robuste Zuversicht zu entwickeln, sollte man sich immer wieder bewusst auf die eigenen Stärken besinnen.